März 2012

DLF

So. 04.03.12  -  9:30 Uhr

Aufstand gegen die Eliten (3/3)
Können die Protestbewegungen etwas verändern?

Mathias Greffrath im Gespräch mit Peter B. Schumann


DLR-K

Mo. 05.03. - 19:30 Uhr

Eine Verteilungsfrage!
Wer zahlt die Zeche für die Finanzkrise?

Von Caspar Dohmen

Mit dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase und der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers begann die größte Wirtschaftskrise seit der Depression in den 30er-Jahren. Mit Rettungspaketen, deren Volumen das ihrer jeweiligen Haushalte übersteigt, haben die Regierungen in den letzen Jahren erst die Pleite großer Banken abgewandt, dann den Bankrott kleiner Staaten verhindert. Ein Ende ist nicht in Sicht. Noch ist die Krise nicht beim deutschen Steuerzahler angekommen, aber die Frage wird sich stellen: Wer zahlt am Ende die Zeche für die Finanzkrise?

Die politischen Interessen formieren sich bereits. Egal, ob das Problem durch restriktive Sparpolitik, einen Schuldenschnitt oder durch Inflation gelöst wird, es läuft auf eine Reduzierung von Vermögen oder Einkommen hinaus. Damit wird die Schuldenkrise zu einer Verteilungsfrage. Darüber, wer die Rechnung begleichen muss, sprechen unter anderem der Soziologe Wolfgang Streeck, der Vermögensverwalter Philipp Vorndran und der Ökonom Gustav Horn.

DLR-K

Di. 06.03.12 - 13:07 Uhr

Neuschwanstein der Moderne
Die ICE-Strecke über Erfurt nach Nürnberg

Von Heiner Kiesel

Tunnel, Brücke, Tunnel und wieder eine Brücke - das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit 8 ist eines der aufwendigsten Infrastrukturvorhaben der Nachkriegsgeschichte. Es ist eine ICE-Strecke, die den Bahnverkehr zwischen Leipzig und Nürnberg auf Touren bringen soll. Aber es musste noch ein Stopp in Erfurt eingepasst werden, und so müssen die Höhen des Thüringer Waldes mühevoll überwunden und durchgraben werden.

Ärger und Häme begleiten das Projekt und die vielen Milliarden, die es verschlingt - aber es gibt auch Stimmen, die in dem Megabauwerk ein architektonisches Denkmal unserer Zeit sehen - jenseits aller verkehrstechnischen Sinnhaftigkeit.


DLR-K

Mi. 07.03. - 19:30 Uhr

Als Vertriebene der Hexerei verdächtigt wurden
Sündenböcke in Zeiten von Umbruch, Unsicherheit und Krise

Von Christian Schiller und Marianne Wendt

Jede Gesellschaft sucht sich ihren eigenen Sündenbock. Heutzutage sind es "die Muslime", "die da oben" oder die Angehörigen bildungsferner Schichten, die an allem Schuld sein sollen. Im Nachkriegsdeutschland der 50er-Jahre waren es tüchtige Flüchtlingsfrauen aus den Ostgebieten, die der Hexerei verdächtigt wurden. Mobbing ist der zeitgemäße Begriff für das, was mit den Verdächtigten passierte: Ihnen wurden Fenster eingeworfen, man spuckte vor ihnen aus und vollzog geheimnisvolle Rituale, um ihre Kraft zu bannen. Es fanden sogar Gerichtsprozesse unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

Die Hexenprozesse in Norddeutschland beschreiben die Ungleichzeitigkeit von aufgeklärtem Fortschrittswillen einerseits und den von Vorurteilen, Neid und Hass getriebenen Ängsten einer Bevölkerung in der Krisenzeit. Damals wie heute scheint zu gelten: Je komplexer die Welt, desto größer wird die Sehnsucht, einen Schuldigen für Übel und Gefahren zu finden.


DLR-K

So. 10.03. - 18:05 Uhr

Souteigai - Jenseits der Vorstellung
Japan und die Dreifachkatastrophe

Von Malte Jaspersen

Regie: der Autor

(Wiederholung am 26.03.2012, 0.05 Uhr)

Malte Jaspersen lebt seit über 20 Jahren in Kyoto. Wie hat die Katastrophe im März 2011 das Leben seiner Familie und seiner Bekannten beeinflusst? Nach der Dreifachkatastrophe von Erdbeben, Tsunami und Kernschmelze reiste er durchs Land und sprach mit Helfern, die Unvorstellbares gesehen haben, mit Eltern aus Fukushima, die versuchen, ihre Kinder vor Radioaktivität zu schützen, mit Anti-AKW-Aktivisten, Priestern und Wiederaufbauspezialisten. Seit Kurzem gehört zu seinem Hausrat ein Geigerzähler.


DLF

So. 11.03. - 09:30 Uhr

Winnetou und Che Guevara
Karl May und die deutsche Linke

Von Friedhelm Lövenich


DLF

So. 11.03. - 16:30 Uhr

Reaktoren im Stress
Mit Fukushima stehen Atomkraftanlagen weltweit unter intensiver Beobachtung

Von Sönke Gäthke


DLR-K

So. 11.03. - 17:30 Uhr

Mensch oder Natur?
Nutzungskonflikte zwischen Sport und Naturschutz

Von Hendrik Maaßen

Seit Jahren boomt der Sport in der Natur. Immer mehr Menschen genügt aber das Joggen oder Walken vor der eigenen Haustür nicht mehr. Der Trend geht zu schnelleren und spektakulären Aktivitäten: mit dem Mountainbike durch das Dickicht des nächsten Waldes radeln oder mit dem Klettergurt um die Hüfte die eigenen Grenzen am nahegelegenen Felsen testen.

In den deutschen Naherholungs- und Naturschutzgebieten entstehen so immer häufiger Nutzungskonflikte: Felsen und Wege werden gesperrt um Flora und Fauna zu schützen, Sportler sind verärgert. Mountainbiker bauen unerlaubt Sprungschanzen, Forstwirte reißen sie wieder ab. Wie viel Platz soll dem Sport und wie viel der Natur gegeben werden? Die Probleme sind vielerorts greifbar und Thema kommunaler Politik. Patentlösungen gibt es aber keine, wie zwei Beispiele aus Göttingen und Bonn zeigen


DLR-K

Mo. 12.03. - 19:30 Uhr

Die Wiederentdeckung der Allmende
Über den Streit um Gemeinschaftsgüter

Von Rosemarie Bölts

Allmende nannte man früher das Gemeinschaftsgut, das allen gehörte. Dorfwiese und See zum Beispiel, Wald und Luft. Heute zählt dazu auch die Versorgung der Bürger mit Wasser, Strom und Bildung. Im Zuge neoliberaler Politik und klammer Kassen haben aber immer mehr Kommunen in den letzten zwei Jahrzehnten beschlossen, ihre öffentlichen Güter an Privatleute und Investoren zu verkaufen.

Arbeitsplätze, wirtschaftliches Wachstum zum Wohle der Bürger versprechen die Politiker. Zu kurz gedacht, kontern die Angesprochenen, die zu hohe Kosten für die Allgemeinheit und eine nachhaltige Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen befürchten. An zwei aktuellen Beispielen, in denen es um den Kampf zwischen Allmendisierung und Privatisierung von Landschaft und See geht, soll gezeigt werden, welche Interessen sich auf welche Weise durchsetzen und welche dabei mehr dem Gemeinwohl nützen.


DLF

Di. 13.03. - 19:15 Uhr

"Wir sind nicht Anti-System, das System ist anti-wir"
Aufzeichnungen aus Madrid

Von Barbara Eisenmann

SWR/DLF 2012

Eine Handvoll Leute gründete im Frühjahr 2011 auf Facebook eine Plattform namens "Echte Demokratie jetzt!" und rief zu einer Demonstration für den 15. Mai auf.

In rasender Geschwindigkeit hat sich auf der Straße eine Protestbewegung entwickelt, die sich 15-M oder l@s

Indignad@s

, die Empörten, nennt, mit der die Plattformgründer nicht gerechnet hatten.

Auch die organisierten Linken, die den Aufruf im Netz für unpolitisch hielten, waren überrascht von der Wucht der realen Ereignisse, der schlagartigen und massenhaften politischen Mobilisierung im Land.

Die Bewegung selbst ist zwar noch wenig artikuliert; aber politisch stillstellen lässt sie sich so schnell wohl nicht mehr.


DLR-K

Mi. 14.04. - 19.30 Uhr

Raketen für Hitler und Kennedy
Wernher von Braun und der Mythos von der unpolitischen Wissenschaft

von Joachim Hildebrandt


DLF

Fr. 16.03. - 19:15 Uhr

Wer einmal aus dem Blechnapf frisst ...
Über Kinderarmut in Deutschland

Von Dorothea Brummerloh

DLF 2011

Kino, neue Turnschuhe, das neue Englischlehrbuch - manche Eltern im reichen Deutschland können ihrem Nachwuchs nicht einmal das bezahlen. Reisen, Markenklamotten, Computer, Handy oder ein Fahrrad - das alles ist für Kinder aus Armutsverhältnissen nicht drin.

Offiziell gilt eine Familie als arm, wenn ihr Haushaltseinkommen weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens beträgt. Für eine Alleinerziehende mit einem Kind bedeutet Armut in Zahlen, dass sie mit 1203 Euro im Monat auskommen muss, ein Ehepaar mit Kind höchstens mit 1665 Euro.

Schon wer zehn Euro mehr zur Verfügung hat, fällt aus der Armenstatistik heraus. Jeder Cent muss umgedreht werden. Der Druck, nicht mehr zu wissen, woher man das Geld für die Ausgaben der nächsten Woche nehmen soll, ist enorm. Hinzu kommen Erziehungsprobleme, pubertäre Streitereien, Partnerschaftskonflikte.

onderausgaben wie eine kaputte Waschmaschine werden zu einer Herausforderung.

Und wenn auch die Oma nichts mehr hat, um ab und zu etwas zuzustecken - was dann?


DLF

So. 18.03. - 09:30 Uhr

Die Zeit des Zorns (1/4)
1. Europa und die Arabellion

Der Schriftsteller Martin Mosebach im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs

Der Jubel im Westen über die arabische Rebellion ging mit vielen Missverständnissen, Fehlinterpretationen und Illusionen einher.

(Teil 2 am 25.03.2012)


DLR-K

Di. 20.03. - 13:07 Uhr

Europa lässt grüßen
Rettungsaktionen für Kommunen

Von Ludger Fittkau und Barbara Schmidt-Mattern

Landauf landab klagen Städte und Gemeinden schon lange über ihre Verschuldung. Die häufige Diagnose: finanziell völlig handlungsunfähig. Seit Beginn des Jahres versucht Rheinland-Pfalz, seinen Kommunen mit einem Entschuldungsfonds zu helfen. In Nordrhein-Westfalen hat man einen Stärkungspakt ins Leben gerufen. Rettungsrhetorik, die an die europäische Schuldenkrise erinnert. Nur - ein Austritt aus der Gemeinschaft kommt in diesem Fall wohl kaum in Frage...


DLR-K

Do. 22.03. - 19:30 Uhr

Sind Sachverständige die besseren Richter?
Die Macht der Gutachter

Von Susanne Billig und Petra Geist

Immer wieder zeigen Prozesse, welch großen Einfluss Sachverständige auf den Verlauf eines Verfahrens nehmen können. Nicht nur in der Qualität, auch in der Haltung gegenüber den Beklagten gibt es große Unterschiede. Das hat Folgen: Kaum ein Richter stellt sich gegen den Rat des Sachverständigen.


DLF

Sa. 24.03. - 11:05 Uhr

Das Ende des Terrors
Perspektiven der Versöhnung im Baskenland

Mit Reportagen von Hans-Günter Kellner

Am Mikrofon: Thilo Kößler

Mehr als 50 Jahre prägte die Terrororganisation ETA die Geschichte des Baskenlandes - in dieser Zeit ermordete sie mehr als 800 Menschen. Von manchen als Widerstandsorganisation gegen das Franco-Regime missverstanden und legitimiert, war das Ziel des bewaffneten Kampfes stets die baskische Unabhängigkeit.

Im Oktober letzten Jahres hat die ETA ihren Kampf nun eingestellt, obwohl ihr politisches Ziel nach wie vor in weiter Ferne liegt. Der Terror der ETA war kein Kampf von Basken gegen Spanier, er richtete sich immer auch gegen das eigene Volk. Wer sich ihren Zielen widersetzte, musste mit seiner Ermordung rechnen.

In den letzten Jahren wurden immer häufiger auch Kommunalpolitiker zum Ziel der Anschläge. 50 Jahre Terror haben nicht nur tiefe soziale Gräben zwischen Spaniern und Basken gerissen, sondern auch die baskische Gesellschaft gespalten und polarisiert. Die Wunden sind so tief, dass von einem Versöhnungsprozess noch gar keine Rede sein kann - er wird viele Jahre dauern, wenn nicht Jahrzehnte. Vorausgesetzt, das Ende des bewaffneten Kampfes ist so endgültig, wie die ETA es verspricht.


DLF

So. 25.03. - 09:30 Uhr

Wie verändert die arabische Rebellion die Welt?
Der Islamwissenschaftler Michael Lüders im Gespräch

mit Hans-Jürgen Heinrichs

Der Jubel im Westen über die arabische Rebellion ging mit vielen Missverständnissen, Fehlinterpretationen und Illusionen einher.


DLR-K

Mo. 26.03. - 19:30 Uh

Einspruch!
Intellektuelle als politische Vordenker?

Von Eva Hillebrand

Die Finanzkrise dauert, das Auseinanderdriften von Arm und Reich geht weiter. Immer häufiger ist nun der Ruf nach einer Alternative und nach intellektueller Intervention zu hören. Ein Emil Zola, der im richtigen Moment das zündende Wort spricht und unter hohem persönlichen Risiko die Verhältnisse zum Tanzen bringt, ist in unserer Konsensdemokratie schwer vorstellbar: zu komplex die Vorgänge, zu unklar die Frontverläufe, zu laut das mediale Stimmengewirr und zu separiert die unzähligen digitalen Echos.

Als sich die Liberalisierung der Finanzmärkte anbahnte, als das verhängnisvolle Sachzwangprinzip in die politische Praxis geschmuggelt wurde, vermochten Intellektuelle nicht, eine gesellschaftliche Selbstverständigung anzuzetteln. Der Einspruch gegen die Alternativlosigkeit blieb stecken in kleinen Zirkeln. Aber gab und gibt es überhaupt ein ausreichend interessiertes Publikum, das auf den Weckruf der Intellektuellen wartet?

Oder sind unterhaltsame Medienintellektuelle und Experten an die Stelle der ohnehin stets umstrittenen Vordenker getreten?


DLF

Di. 27.03. - 19:15 Uhr

Hate Radio

›Radio-Télévision Libre des Mille Collines‹
und der Genozid in Ruanda

Von Milo Rau, Regie: Hermann Theißen, DLF 2012

Die Hilfmittel, mit denen im Frühjahr 1994 in Ruanda mehr als 800000 Angehörige der Tutsi-Minderheit ermordet wurden, waren denkbar einfach - Macheten, Knüppel, einige wenige Gewehre. Doch das wohl wichtigste Instrument des Genozids war das ›Radio-Télévision Libre des Mille Collines‹ (RTML). Dort verkündete ein Moderator: "Alle, die ihr uns zuhört, erhebt euch, sodass wir alle für unser Ruanda kämpfen können. Wir müssen den Tutsi ein Ende bereiten, sie auslöschen, aus dem Land herausfegen." RTML produzierte in seinen Programmen eine Atmosphäre aus ruhiger Autorität, hysterischer Mordlust und entspanntem Entertainement. Die Grooves der neuesten kongolesischen Bands und aggressive Rassenideologie befeuerten die Mordlust der Täter, die Moderatoren koordinierten mit Befehlen und Empfehlungen den Fortgang der Massaker.


DLR-K

Mi. 28.03. - 00:05 Uhr

Werden Sie Soldat in der Einsatzarmee!
Der Kampf der Bundeswehr um Nachwuchs

Von Anja Kempe

Große Werbe-Trucks ziehen über Land. Die Bundeswehr sucht Zeitsoldaten. Doch Unternehmensberater bescheinigen dem Arbeitgeber einen "eklatanten Makel": den Wettbewerbsnachteil Auslandseinsatz.

Regie und Ton: Die Autorin

Darsteller: Sascha Icks

Produktion: Südwestrundfunk 2011

Länge: 50'04 Minuten


DLR-K

Mi. 28.03. - 19:30 Uhr


Ein Buch als Gegengift
Wie die Biologin Rachel Carson den Kampf gegen Pestizide begann

Von Tobias Barth

1962, vor 50 Jahren, veröffentlichte die Biologin Rachel Carson ihr Buch "Der stumme Frühling" und wurde damit zur Ikone der weltweiten Umweltbewegung: Das Buch löste nicht nur in den USA eine heftige Debatte über den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden aus. Es führte letztlich zum Verbot des Insektizids DDT.


DLF

Do. 29.03. - 10:10 Uhr

Digitale Selbstverteidigung:
Spurenarm und anonym surfen

Wer im Netz einkauft, mailt oder Begriffe googelt, hinterlässt Spuren. Cookies heißen die kleinen Textdateien, die fast jede Webseite automatisch auf den Computer des Besuchers lädt, um Daten zu sammeln. Gegen Missbrauch hilft nur eins: Digitale Selbstverteidigung

Hörertel.: 00800 - 4464 4464

marktplatz(a)dradio.de


DLR-K

Do. 29.03. - 19:30 Uhr

Teilen, tauschen, kooperieren
Forscher untersuchen Motivationen und Grenzen solidarischen Verhaltens

Von Christine Watty

Schon Kleinkinder sind soziale Wesen, von Natur aus kooperativ. Welches Bewusstsein sie ausbilden in Bezug auf das Beschützen von Gegenständen und Ideen, hängt von der Kultur ab, in der sie groß werden. Jahre später, als Erwachsene, klicken sie dann den "Share"-Button im sozialen Netzwerk und teilen ihre Erlebnisse, Erfahrungen mit Hunderten von anderen.

Allerdings - und das wird eine vernetzte Gesellschaft der Zukunft immer mehr von uns fordern - sind wir wirklich bereit alles zu teilen? Bereit für eine "Open Society", in der Wissenschaftler, Forscher und Kreative gemeinsam an Projekten arbeiten, und die Entstehung von Ideen nicht mehr einzelnen Personen zugeordnet werden kann?

Immerhin sind Ideen unsere Währung, für manche im Beruf, aber auch im sozialen Miteinander. Wie gehen wir damit um, und warum fällt es schwer, uns im wahrsten Sinne des Wortes zu öffnen und die eigenen Besitzansprüche auf Einfälle, Gedanken, Erarbeitetes freizugeben?


DLF

Fr. 30.03. - 20:10 Uhr

"Man kann auch mit Müllabfällen schreien ..."

Kurt Schwitters politisch

Von Thomas Zenke, Regie: der Autor, DLF 2012

Kurt Schwitters (1887 - 1948) hat immer die Eigengesetzlichkeit der Kunst behauptet. Sie sei kein Werkzeug, nicht zu missbrauchen im Dienst einer Klasse oder Politik. Seine Werke seien indes ›weder Idiotie noch ein subjektives Spielen, sondern der Ausdruck unserer (seiner) Zeit, diktiert durch die Zeit selbst‹. Der Merz-Künstler Schwitters - das Kunstwort ›Merz‹ spielt auf ›Kommerz‹ an, auf ›ausmerzen‹ oder im Homonym ›März‹ auf Frühling, Erneuerung - war ein leidenschaftlicher Sammler. Er hob Zeitungsausrisse auf und Weggeworfenes, Abgewertetes, Abgelebtes, um ›aus den Scherben Neues zu bauen‹. Er traf eine Auswahl, transformierte und komponierte, ohne das ›Eigengift‹ des Materials unlesbar zu machen. Er verhüllte also und enthüllte zugleich den realen Hintergrund. Zeitzeugen verstanden und empörten sich: Schwitters Werke seien aufrührerisch, eine Beleidigung der Nation, ›undeutsch‹.

 

Februar 2012

DLF
Sa. 04.02.2012 · 11:05 Uhr
Les miserables
Neue Armut in Frankreich

Mit Reportagen von Suzanne Krause
In den Armenküchen Frankreichs bekommen all jene eine warme Mahlzeit, deren Einkommen nicht mehr ausreicht, um sich einigermaßen gesund zu ernähren. Davon sind immer mehr Franzosen betroffen. Selbst Familien aus der Mittelschicht sind von Armut bedroht.
Die Überschuldung nimmt dramatisch zu und trifft immer mehr Jugendliche: Noch nie seien sie so oft um Hilfe gebeten worden wie im vergangenen Jahr, berichten die Missions locales, die staatlichen Stellen, die Jugendlichen dabei helfen sollen, einen Job zu finden.
Zugleich sorgt die Krise aber auch für eine Welle der Solidarität: Ende letzten Jahres stifteten die Franzosen bei der traditionellen Nahrungssammelaktion der französischen Tafel, der Banque Alimentaire, 12500 Tonnen Konserven, Kaffee oder Schokolade.
Es ist die Stunde der Hilfsorganisationen - und sie kämpfen an vielen Fronten: So hat die Fondation Abbé Pierre eine Anzeigenkampagne gestartet, die sich für mehr Sozialwohnungen einsetzt.
Denn es mangelt nicht nur an bezahlbaren Unterkünften - es mangelt an Wohnraum schlechthin.
Unter den Pariser Brücken suchen längst nicht mehr nur Clochards ein trockenes Plätzchen, sondern inzwischen sogar Frauen mit Kindern.

DLR-K

Mo. 06.02. - 19:30 Uhr
Villa Kunterbunt im Land der schwarzen Zahlen
Vom deutschen Krippenwunder und der harten Schule des Lebens

Von Peter Kessen
Die Zahl der Krippenplätze für Kinder unter drei Jahren soll bis 2013 verdreifacht werden, und tatsächlich nimmt die Zahl der Plätze und Einrichtungen zu. Dennoch regt sich Widerstand unter Eltern, Erziehern und Wissenschaftlern. Die Kritik: Das Wachstum ist rein quantitativ, die Betreiber werden nicht kontrolliert, qualifizierte Fachkräfte fehlen, die Kleinkinder verschwinden - gegen jede frühpädagogische Erfahrung - häufig in Großgruppen.
Die Kindereinrichtungen spiegeln auch die gesellschaftliche Wirklichkeit und die Leitbilder der deutschen Gegenwart. Wer kann, schickt sein Kind in teure betreuungsintensive Elitekrippen, wer nicht, der muss halt zum Discounter. Die "Zeitfragen" besuchen beide, sprechen mit aufmüpfigen Eltern und zeigen, welches Menschenbild, welcher Sozialraum und welche Prägung die Kleinen im Alltag erwartet.

DLR-K
Di. 07.02. - 13:07 Uhr
Es ginge auch anders
Nur Sparen hilft den Kommunen in Schleswig-Holstein nicht

Von Dietrich Mohaupt
Aber wie finden sie den Weg aus der Schuldenfalle? Bund und Länder übertragen immer mehr Aufgaben auf die Städte und Gemeinden, der Ausgabensektor wächst kontinuierlich - die Einnahmen können da schon längst nicht mehr Schritt halten. Manch ein Politiker im nördlichsten Bundesland richtet deshalb immer öfter begehrliche Blicke noch weiter nach Norden. In den skandinavischen Ländern haben nämlich die Kommunen einen völlig anderen Stellenwert im politischen System - und das schlägt sich auch in ihren Finanzen nieder.
Bürgernähe heißt dabei das Zauberwort - die Gemeinden entscheiden über die Höhe der Einkommenssteuer, kassieren den größten Teil dieser Steuern direkt und entscheiden auch selbst über die Verwendung der Gelder. In Deutschland dagegen stehen die Kommunen am Ende der Empfängerliste. Sparen bei den freiwilligen Leistungen und Investitionen - das ist deshalb meist der letzte Strohhalm, nach dem die Gemeinden immer wieder greifen müssen. Die skandinavischen Modelle als Königsweg zur nachhaltigen Sanierung der kommunalen Finanzen - reale Chance oder nur eine Vision?

DLR-K
Do. 09.02. - 19:30 Uhr
Intelligente Stromnetze
Wie erzeugen, speichern und transportieren wir zukünftig Strom?

Von Johannes Kaiser
Smart grids - intelligente Netze können den Stromverbrauch so regeln, dass die Energie dann verbraucht wird, wenn sie in großen Mengen anfällt. Welche Auswirkungen hat ein dezentrales, überwachtes Stromnetz auf Energiekonzerne und Verbraucher?

DLF
Forschung aktuell- Aus Naturwissenschaft und Technik
Schwerpunktthema ist an fünf Tagen "Wunden der Erde", was wir der Erde durch unsere Gier nach Rohstoffen und Profiten zufügen
Mi. 15.02. - 16:35 Uhr
Fr. 17.02. - 16:35 Uhr
Mo. 20.02. - 16:35 Uhr
Mi. 22.02. - 16:35 Uhr
Fr. 24.02. - 16:35 Uhr

DLR-K

Mi. 15.02.2012 · 00:05 Uhr
Animalia
Von Mensch zu Tier

Von Grace Yoon
Das Thema ist die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Der Bogen ist weit gespannt: von der lebenswichtigen, fast zärtlichen Verständigung zwischen Mensch und Tier in den Nomadengesellschaften Afrikas bis zum zerstörten, seelenlosen Verhältnis zu Tieren in der modernen Zivilisation.
In der Geräuschkulisse vollautomatisierter Schlachthöfe ist die Sprache verstummt.
Die Magie der Sprache, in der sich die Tuareg mit ihren Kamelen verständigen, scheint dagegen wie die Erinnerung an eine verlorene Zeit.

DLR-K
Do. 16.02. - 19:30 Uhr
Tödliche Erreger aus dem Labor
Die Zukunft der Seuchen

Von Volkart Wildermuth
Ein niederländisches Forscherteam hat jüngst das Vogelgrippe-Virus "H5N1" so abgewandelt, dass Menschen sich gegenseitig anstecken können. Entstehen Erreger für weltweite Pandemien künftig in wissenschaftlichen Laboren?

DLF
Fr. 17.02.2012 · 19:15 Uhr
Seltene Erden und schmutzige Geschäfte
Deutschland entdeckt seine Rohstoffe wieder

Von Johanna Kutsche
Die weltweit erste Erdölbohrung wurde in Niedersachsen durchgeführt. Das Dorf Wietze, später nur noch "Klein-Texas" genannt, erlebte einen Ölrausch. An die guten alten Zeiten von vor knapp 100 Jahren konnte Deutschland nie wieder anknüpfen.
Es gibt inzwischen zwar Ölplattformen an Land und auf See, doch der Ertrag deckt gerade einmal zwei Prozent des deutschen Bedarfs. Im Weltmaßstab ist Deutschland ein kleines Licht. Dennoch ziehen momentan erstaunlich viele Geologen mit Messgeräten durch das Land.
Ob Öl, Erdgas oder Metalle wie Lithium oder Seltene Erden, die Weltmarktpreise sind so hoch wie nie. Während es noch in den 90er-Jahren vielen westlichen Industrien einfacher erschien, sich aus dem schmutzigen und umweltbelastenden Geschäft der Bodenexploration zurückzuziehen und chinesische Metalle zu importieren, gilt heute selbst die Ausbeutung kleiner Ölfelder oder Zinnminen als lukrativ.
Wie Energiefirmen auf Schatzsuche gehen und was sie der betroffenen Bevölkerung dabei zumuten, hat Johanna Kutsche in ihrem Feature zusammengetragen.

DLR-K

Sa. 18.02. - 00:05 Uhr
Widerstand ist machbar, Frau Nachbar
Eine Lange Nacht über Hausbesetzer und ihre Geschichten

Von Günther Herkel
"Sag mal, ist hier heut 'n Fest?" - "Sowas ähnliches, das Bethanien wird besetzt." Eine Liedzeile aus dem "Rauch-Haus-Song" der Berliner Band Ton Steine Scherben, entstanden bei der Besetzung des Georg-von-Rauch-Hauses Ende 1971. Gegen die Auswüchse einer Stadtpolitik, die das Recht auf Wohnen Kapitalinteressen auslieferte, regte sich in diesem Lande periodisch organisierter Widerstand.
Erste Proteste richteten sich Anfang der 70er-Jahre gegen Immobilienspekulation im Frankfurter Westend. Gut zehn Jahre später wurden in Westberlin an die 160 Häuser instandbesetzt. Eine Bewegung, die nach dem Fall der Mauer auch den Ostteil der Stadt erfasste. Antriebsfeder war nicht nur der Wunsch nach erschwinglichem Wohnraum und der politische Kampf gegen eine profitorientierte Sanierungspolitik, sondern auch die Lust auf selbstbestimmte alternative Lebensformen. Und heute?
Einige der damals erkämpften Freiräume existieren noch, andere sind akut bedroht. Kommunale Wohnungsbaugesellschaften werden privatisiert, Mieten steigen, Menschen mit geringem Einkommen werden aus ihrem Kiez verdrängt - triste Realität im bundesdeutschen Alltag. Auch die Träume der Besetzer von einst stehen heute auf dem Prüfstand: Taugen die alten Ideen noch für die neuen Zeiten? Was wurde aus den einstigen Zielen? Gewinnen sie möglicherweise heute wieder an Aktualität? Streiflichter auf Häuser und Besetzer in Frankfurt/Main, Berlin, Hamburg und anderswo.

DLF
So. 19.02. - 09:30 Uhr
Aufstand gegen die Eliten (1/3)
1. Die Protestbewegung in Chile
Der Sozialhistoriker Gabriel Salazar im Gespräch mit Peter B. Schumann
(Teil 2 am 26.2.12)
2011 kam es weltweit zu Protestbewegungen. In den westlichen Ländern haben sie eines gemeinsam: ein tiefes Misstrauen in die Glaubwürdigkewit der politischen Klasse und die Innovationskraft der Eliten. Die jugendlichen Proteste in Chile und Spanien haben außerdem die gleiche historische Wurzel: sie beziehen sich auf jene Konzessionen, wie sie beim Prozess des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie gemacht wurden.
In Chile wurde beispielgebend für Lateinamerika die radikalste Form des Neoliberalismus praktiziert. In Spanien wurden die gesellschaftlichen Fundamente des Franquismus nicht ausreichend beseitigt und schwerwiegende politische Fehler begangen. Die chilenischen Schüler und Studierenden liefen ein halbes Jahr lang Sturm gegen das durchökonomisierte Bildungswesen. Die spanische Jugend rebellierte gegen die sozialen Missstände im Lande, darunter vor allem die fehlenden beruflichen Perspektiven.
Peter B. Schumann will in Gesprächen mit dem Sozialhistoriker Gabriel Salazar (Santiago de Chile), dem Publizisten Ignacio Escolar (Madrid) und dem Soziologen Mathias Greffrath (Berlin) die Hintergründe und Zusammenhänge der einzelnen Protestbewegungen beleuchten und dabei auch die Rolle der Zivilgesellschaft untersuchen.

DLF
So. 19.02. - 16:30 Uhr
Albtraum aus Teer
Kanadas schmutzige Ölindustrie

von Monika Seynsche
In der Luft hängt ein penetranter Gestank nach Öl und Schwefel. Alle paar Sekunden schallen Kanonenschüsse über die Ebene, um Vögel von giftigen Seen fernzuhalten. Am Horizont ragt ein Gewirr aus Stahlrohren und -türmen empor, aus denen dunkler Rauch aufsteigt. Die Kulisse erinnert an ein dunkles, böses Märchen, aber es ist die Zukunft der kanadischen Energieversorgung.
Auf einer Fläche fast halb so groß wie Deutschland liegen im Westen des Landes riesige Teervorkommen im Untergrund, aus denen sich mit gewaltigem Aufwand eine Art Rohöl gewinnen lässt, allerdings nicht ohne gravierende Folgen für die Umwelt. Um an das Öl zu gelangen, werden Moorgebiete unwiederbringlich zerstört, Wälder gerodet und Flüsse mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet. Der kanadische Ölrausch reißt eine Wunde in die Landschaft, die niemals vollständig heilen wird.

DLF
Di. 21.02.2012 · 19:15 Uhr
Pakistanischer Märtyrer
Über den ermordeten Minister Shahbaz Bhatti und die Radikalisierung einer Gesellschaft

Von Christian Brüser
Am 2. März 2011 zerrten in Islamabad drei bewaffnete Männer den pakistanischen Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, aus seinem Wagen und feuerten acht Schüsse auf ihn ab. Auf Flugblättern am Tatort rechtfertigten die Taliban- und Al-Qaida-Mitglieder ihre Tat.
Die Tötung des 42-jährigen Katholiken sei eine Warnung an alle, die sich gegen die Blasphemie-Gesetze stellen. Diese Gesetze werden in Pakistan häufig zur brutalen Verfolgung von Nichtmuslimen missbraucht.
Der tiefgläubige Christ Shahbaz Bhatti kämpfte seit seiner Studienzeit gegen die zunehmende Zurücksetzung von Nicht-Muslimen und setzte sich für den Dialog der Religionen ein.
Seine Lebensgeschichte macht deutlich, wie sich die pakistanische Gesellschaft in den vergangenen 25 Jahren radikalisiert hat. Shahbaz Bhatti wusste, dass er in Gefahr schwebt. Wenige Wochen vor seiner Ermordung sagte er: "Ich bin bereit, mein Leben für meinen Standpunkt zu opfern."

DLR-K
Di. 21.02. - 13:07 Uhr
Altlast AKW
Der Umgang mit stillgelegten Kernkraftwerken

Von Anke Petermann u.a.
Das Ende der Atomkraftwerke in Deutschland ist beschlossen - was passiert nun aber mit den strahlenden Meilern? Werden sie abgerissen oder erst einmal versiegelt? Wohin kommen radioaktive Gebäudeteile? Ein "Länderreport" über Erfahrungen mit dem Rückbau, die Beteiligung der Betreiber, über Streitigkeiten und die Frage: Wie stellt sich ein Ort, eine Region auf die Abschaltung ihres AKW in naher Zukunft ein?

DLF
So. 26.02. - 09:30 Uhr
Aufstand gegen die Eliten (2/3)
Die spanische Bewegung der Empörten
Die Publizistin Rosa María Artal im Gespräch mit Peter B. Schumann
(Teil 3 am 4.3.12)
2011 kam es weltweit zu Protestbewegungen. In den westlichen Ländern haben sie eines gemeinsam: ein tiefes Misstrauen in die Glaubwürdigkeit der politischen Klasse und die Innovationskraft der Eliten. Die jugendlichen Proteste in Chile und Spanien haben außerdem die gleiche historische Wurzel: Sie beziehen sich auf jene Konzessionen, wie sie beim Prozess des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie gemacht wurden.
In Chile wurde beispielgebend für Lateinamerika die radikalste Form des Neoliberalismus praktiziert. In Spanien wurden die gesellschaftlichen Fundamente des Franquismus nicht ausreichend beseitigt und schwerwiegende politische Fehler begangen. Die chilenischen Schüler und Studierenden liefen ein halbes Jahr lang Sturm gegen das durchökonomisierte Bildungswesen. Die spanische Jugend rebellierte gegen die sozialen Missstände im Lande, darunter vor allem die fehlenden beruflichen Perspektiven.
Peter B. Schumann will in Gesprächen mit dem Sozialhistoriker Gabriel Salazar (Santiago de Chile), der Publizistin Rosa María Artal (Madrid) und dem Soziologen Mathias Greffrath (Berlin) die Hintergründe und Zusammenhänge der einzelnen Protestbewegungen beleuchten und dabei auch die Rolle der Zivilgesellschaft untersuchen.

DLR-K
Mo. 27.02. - 19:30 Uhr
Lust und Last der Korruption
Wie in Deutschland geschmiert wird

Von Frank Überall
Korruption ist zutiefst menschlich: Sie kommt überall in Deutschland vor, aber sie ist schwierig zu bekämpfen. Denn nicht immer geht es dabei um Schmiergeld, das den Besitzer wechselt. Viel häufiger werden andere Vorteile gewährt, vom Abendessen über die Urlaubsreise bis hin zur Hilfe beim Eigenheimbau.
Die Folge sind korrupte Netzwerke in Politik und Wirtschaft, in denen sich die ethischen Maßstäbe verschieben. Und die Annahme der Vorteile wird im Entdeckungsfall immer schöngeredet. Opfer sind die Bürger, die als Steuerzahler oder Kunden die dubiosen Deals indirekt mitfinanzieren. Autor Frank Überall hat sich auf Spurensuche begeben. Er beschreibt die Lust und die Last der Korruption, die Zurückhaltung der Politiker bei der Bekämpfung dieser Art der Kriminalität und die Bemühungen von Organisationen für korruptionsfreie Politik und Wirtschaft.

DLF
Di. 28.02.2012 · 19:15 Uhr
Der unerhörte Klang des Geldes
Praktiken und Risiken bei Public Private Partnerships

Von Egon Koch
Mit Beteiligung privater Unternehmen versucht die öffentliche Hand trotz aller Haushaltsdefizite und gekürzter Budgets eine Reihe außerordentlich großer Bauprojekte zu realisieren. Der Bau der Hamburger Elbphilharmonie oder der eines 75 Kilometer langen Abschnitts der Autobahn A1 zwischen Hamburg und Bremen sind bekannte Beispiele für dieses Finanzierungsmodell.
Diese so genannten Public Private Partnerships (PPP) geraten zunehmend in die Kritik: Trägt nicht der Steuerzahler das Risiko und muss zuletzt die - immer höher ausfallende - Rechnung begleichen?
Der Hamburger Senat zum Beispiel bürdet seinen Bürgern die Erhöhung des zunächst kalkulierten Kostenanteils für die Elbphilharmonie von zunächst 77 Millionen auf heute fast 324 Millionen Euro auf.
Während global agierende Unternehmen aus der Beteiligung an staatlichen Projekten enorme Gewinne beziehen, scheint die Bevölkerung davon nichts zu haben.
Die PPP-Projekte führen zu einem Verlust an Gemeingut, zum Ausverkauf der Zukunft.

DLR-K

Mi. 29.02. - 19:30 Uhr
Der lange Marsch ins Weiße Haus
Drei Generationen schwarzer Frauen in den USA

Von Nicolas Hansen
Eine schwarze Frau First Lady in Washington: Das war bis vor wenigen Jahren noch unvorstellbar in den USA - einem Land, das tief von der Sklaverei und der daraus folgenden Rassendiskriminierung der schwarzen durch die weißen US-Bürger geprägt war. Auch für Martin Luther King war das, als er 1963 seine berühmte "I have a dream" Rede hielt, noch eine ferne Utopie. Wie sehr sich die USA seit dem Ende der Sklaverei im 19. Jahrhundert verändert haben, zeigen die Lebensläufe dreier schwarzer Frauen, die den Fortschritt im Kampf um die Gleichberechtigung symbolisieren.
Das härteste Schicksal hatte Harriet Tubman. Sie wird heute in den USA als Heldin des frühen Kampfes der Schwarzen für ihre Rechte gefeiert. Um 1820 in den Südstaaten als Sklaventochter geboren, floh sie in den Norden, bevor sie selbst als Sklavin verkauft wurde. In wagemutigen Aktionen verhalf sie danach etlichen Schwarzen zur Flucht aus den Südstaaten, und im Amerikanischen Bürgerkrieg unterstützte sie die Truppen des Nordens. Als sie 1913 starb, wurde Rosa Parks geboren - jene Frau, die 1955 im Bundesstaat Alabama verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Platz in einem Bus für einen Weißen freizumachen.
Ihre Aktion war einer der Auslöser für die Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre. Michelle Obama schließlich (geb. Robinson) stammt aus einer Familie, deren Vorfahren ebenfalls als afrikanische Sklaven in die USA verschleppt worden waren, sie wuchs in einfachen Verhältnissen im Industriearbeitermilieu von Chicago auf, schaffte es aber als begabte Schülerin und Studentin, in Harvard zu studieren und zu promovieren. Weltberühmt wurde sie als First Lady an der Seite von Barack Obama - Karriere gemacht hatte die schwarze Harvard-Absolventin jedoch schon zuvor als Juristin.

 

Januar 2012

DLR-K
Mo. 02.01.2012 · 13:07 Uhr
Eine brennende Barrikade vor einem besetzten Haus in der Hamburger Hafenstraße. (Bild: AP Archiv)
Der verbürgerlichte Aufstand
30 Jahre Hafenstraße in Hamburg
VonAxel P. Schröder
In der Silvesternacht 1981/82 begann die Besetzung der Hafenstraßenhäuser in Hamburg. Danach beherrschten die Bilder vom Straßenkampf den Kiez. Fünf Jahre lang hat es gedauert, bis der Konflikt 1987 beendet wurde.
Das Resultat: die Häuser wurden nicht abgerissen, sondern den Besetzern überlassen. Worum ging es bei diesen Auseinandersetzungen? An deren Lösung waren auch ganz bürgerliche Vertreter wie Jan Philipp Reemtsma oder der Klaus von Dohnanyi beteiligt. Wie sieht es bei den ehemaligen Besetzern heute aus - ist die Bürgerlichkeit in die eigenen vier Wände eingezogen oder herrschen noch anarchische Zustände? Diesen Fragen wird nachgegangen.

DLF
Di. 03.01.2012 · 19:15 Uhr
Der Pate war Adenauer
Deutschlandfunk: ein verspäteter Sender

Von Rupert Neudeck und Hermann Theißen
Als vor 50 Jahren der Deutschlandfunk auf Sendung ging, "endete eines der traurigsten Kapitel der deutschen Rundfunkgeschichte der Nachkriegszeit" (Prof. Hans Bausch). Hugh Carleton Greene, der den NWDR nach dem Vorbild der staatsfreien BBC hatte aufbauen sollen, sagte später seinem Biografen, er habe sein Ziel nicht erreicht.
Die Vorgeschichte des Deutschlandfunks spielt in einer Zeit, in der Bund und Länder um die Vorherrschaft im Rundfunk kämpfen, Parteien Sitze und Stimmen in Gremien und Redaktionen beanspruchen und die Vertreter eines freien Rundfunks in die Defensive geraten.
Solche Auseinandersetzungen, die zeitweise durch den Kampf um das "Adenauer-Fernsehen" verdeckt wurden, begleiten die Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bis heute.
DLF 1987

DLF
Fr. 06.01. - 19:15 Uhr
Das Kulturgespräch:
Macht und Ohnmacht des politischen Journalismus

Moderation: Ernst Elitz

DLF
Sa. 
07.01.2012 · 11:05 Uhr
Zwischen Medizintourismus und Ärzteflucht
Ungarns Gesundheitssystem ist krank

Mit Reportagen von Jan-Uwe Stahr
Der gute Ruf der ungarischen Mediziner bringt Geld ins Land. Während eines Kurzurlaubs lassen sich in Ungarn jedes Jahr Tausende Ausländer preiswert die Zähne reparieren, die Falten glätten oder eine Badekur verabreichen. Es gibt aber auch Ausländer, die länger bleiben.
Die Zahl der finanzstarken deutschen Abiturienten, die in Ungarn studieren, steigt.
An der traditionsreichen Semmelweis-Universität in Budapest können die angehenden Ärzte Seminare in ihrer Muttersprache besuchen.
Den Ungarn selbst hat ihr Gesundheitssystem allerdings wenig zu bieten.
Dem wirtschaftlich angeschlagenen Staat fehlt das Geld, um seine Ärzte ausreichend zu bezahlen. Viele von ihnen suchen sich deshalb Arbeit im Ausland - ungarische Patienten haben dann das Nachsehen.
Ohne "Dankeschön-Geld" müssen sie lange auf eine Behandlung warten, und ins Krankenhaus bringen sie das Nötigste besser selbst mit; neben Zahnbürste und Schlafanzug am besten auch den eigenen Pfleger.
Ungarns Gesundheitssystem braucht eine Reformtherapie. Das weiß auch die mächtige Regierung Viktor Orbáns.

DLR-K
Sa. 07.01.2012 · 18:05 Uhr
Teil 1: Ein Mark-erschütternder Tag - Der Euro wird Geld
Teil 2 (Ursendung): Turbulenzen - Der Euro unterm Rettungsschirm
Von Mechthild Müser
Es war die größte Geldumtauschaktion der europäischen Geschichte. Zwölf Länder mit mehr als 300 Millionen Menschen wechselten ihre nationalen Währungen ein gegen eine gemeinsame: den Euro.
Ein gigantisches Projekt, das einer aufwendigen Logistik und enormer Sicherheitsvorkehrungen bedurfte.
Teil 1 des Features entstand zu dieser Zeit. Der Abschied von der D-Mark fiel besonders schwer und bis heute wird der Euro misstrauisch beäugt. Etwa zu Recht?
Jetzt mischen 17 Länder mit, die Zahl der Eurozonen-Einwohner stieg um knapp zehn Millionen und über dem Euro spannt sich ein Rettungsschirm.
Ist das ökonomische Gefüge bedroht?
Oder sind den Machern nur ein paar Anfängerfehler unterlaufen?
Regie: Steffi Ruh
Mit: Marietta Bürger, Wolfgang Condrus u.a.
Produktion: DKultur 2001/2011
Längen: 34'19/ca. 19"20

DLR-K
Mo. 9.01. - 19:30 Uhr
Vom Brunnenbauer zum kämpfenden Soldaten
Kriegsberichterstattung in Deutschland

Von Maximilian Klein
Der Krieg ist immer da in den Medien, denn es ist immer irgendwo ein Krieg, der ihnen eine Nachricht wert ist. Umgekehrt sind auch die Medien für den Krieg von Bedeutung, das weiß man spätestens seitdem verstörende Kriegsbilder aus Vietnam das amerikanische Fernsehpublikum via Satellit erreichten und aufschreckten.
Für deutsche Journalisten war es lange Zeit der Krieg der anderen, über den sie berichteten - bis die Bundeswehr zu Auslandeinsätzen ausrückte. Wie berichtet man, wenn das eigene Land beteiligt ist, wenn das Parlament deutschen Soldaten den Marschbefehl nach Afghanistan erteilt?
Man schreibt und spricht viel über Soldaten als Brunnenbauer und Friedensstifter, weniger über Tod und Zerstörung, von Krieg will ohnehin niemand reden. Inzwischen vermitteln die deutschen Medien ein anderes Bild. Mit YouTube, Blogs und Handyvideos haben sich aber auch die technischmedialen Möglichkeiten der Kriegsberichterstattung verändert, seit vor zehn Jahren deutsche Soldaten in den Krieg gezogen sind.

DLF
Di. 10.01. - 19:15 Uhr
Die verborgene Opposition
Iranische Studierende und die zweite islamische Kulturrevolution

Von Christoph Burgmer
DLF/SWR/WDR 2012
Während 2011 in vielen arabischen Ländern meist von der Jugend geführte Oppositionsbewegungen demokratische Umstürze initiierten, herrscht im Iran gespenstische Ruhe. Dabei war es gerade die iranische Studentenbewegung, die 2009 mit Massenprotesten ein Beispiel für die Nutzung neuer Medien im Widerstand gegen autoritäre Regime gab. Aber anders als in Tunesien oder Ägypten wurden die Proteste im Iran niedergeschlagen.
Viele Studenten wurden ermordet, landeten im Gefängnis oder flohen ins Ausland. Und viele kehrten zurück an die Universitäten, ohne weitere Hoffnung auf demokratische Veränderungen. Es folgte die bis heute andauernde radikale Islamisierung des Bildungssystems. Schulbücher werden umgeschrieben, Bücher und Filme zensiert und verboten, Zeitungen und Zeitschriften geschlossen, Facebook und Twitter verboten. Nach 30 Jahren eine zweite islamische Kulturrevolution. Wie reagieren die Studierenden auf ihre totale Überwachung?

DLR-K
Mi. 11.01. - 19:30 Uhr
lechts und rinks (1/3)
Was heißt heute "konservativ"?

Von Burkhard Müller-Ullrich
Finanzkrise, EU-Krise, Tea-Party-Bewegung, Wutbürger, Occupy-Camps: der Raum des Politischen bebt. Die Programmatiken der Großparteien verschwimmen, ihre Politik enthält sich großer Zielbestimmungen. Und die politischen Vertreter des Konservatismus ändern ihre Programmatik in zuweilen atemberaubendem Tempo: Die Wehrpflicht wird abgeschafft, die Atomkraftwerke werden abgeschaltet, das dreigliedrige Schulwesen wird aufgegeben, die Rolle der Frau wird neu definiert, Elterngeld soll auch die Männer an den Herd und in die Kinderstuben locken, während den Frauen der Weg in die Konzernspitzen geebnet werden soll.
Was ist noch konservativ an den Konservativen? Sind die Grünen, die Vorreiter der Ökologie, der Nachhaltigkeit und des Naturschutzes die wahren Konservativen? Oder sind es jene, die offen oder verdeckt gesellschaftliche Hierarchien verteidigen? Gibt es eine Substanz konservativen Denkens und Handelns, die allen Kehrtwendungen der politischen Elite zum Trotz unangetastet geblieben ist? Muss sich alles ändern, damit es bleibt, wie es ist?

DLF
Do. 12.01.2012 · 10:10 Uhr
Autos zum Teilen
Wie das Car-Sharing funktioniert

Moderation: Ursula Mense
Wer nur selten ein Auto braucht, muss kein eigenes besitzen. Das ist die Philosophie beim Car-Sharing. Lange wurde es belächelt, doch inzwischen drängen auch BMW, Daimler oder VW mit eigenen Angeboten in den Markt der Gelegenheitsfahrer.
Doch finden diese wirklich immer ein Auto ihrer Wahl, egal ob eine Spritztour ins Grüne, der Sommerurlaub mit Kindern oder der Einkauf im Möbelhaus ansteht? Wie werden die Fahrzeuge gebucht, wie lange darf man sie ausleihen, was ist bei einem Unfall, was kostet das Ganze und wie viel spart der Gelegenheitsfahrer gegenüber dem Autobesitzer? Ist Car-sharing nur etwas für die Stadt oder auch fürs Land und geht's auch umweltfreundlich mit Elektroautos?
Diese und andere Fragen rund um das Thema "Car-Sharing" diskutiert Ursula Mense mit ihren Gästen im heutigen "Marktplatz".
Hörerfragen sind wie immer willkommen.
Die Nummer für das Hörertelefon lautet: 00 800 - 44 64 44 64
Die Nummer für das Faxgerät: 00 800 - 44 64 44 65
Und die Email-Adresse: marktplatz@dradio.de

DLF
Fr. 13.01.2012 · 20:10 Uhr
Contravía – Gegen den Strom
Wie der Reporter Hollman Morris für die Menschenrechte in Kolumbien kämpft

Von Rita Nierich und Peter B. Schumann
Bereits sein gesamtes Berufsleben berichtet der heute 43-jährige Hollman Morris über Menschenrechtsverletzungen, Gewalt und Mord in seinem Land. Er schreibt über Themen, die von den offiziellen Medien oft ausgeblendet oder verzerrt dargestellt werden.
Er hat die Brutalitäten der rechten Paramilitärs ebenso angeprangert wie die der linken Guerrilla.
Aber er hat auch die Verbrechen der Staatsorgane, vor allem der Armee, aufgedeckt.
Ganz besonders hat er sich der zahllosen Opfer unter der Zivilbevölkerung angenommen und ihre Leiden in bewegenden Fernsehreportagen geschildert.
Mehrfach wurde er mit dem Tod bedroht und musste sogar eine Zeit lang aus Sicherheitsgründen in Spanien Zuflucht suchen.
Für sein Engagement wurde Hollman Morris vielfach ausgezeichnet, im September 2011 mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg.
Ein Porträt mit Ausschnitten aus seinen Reportagen.
Regie: Peter B. Schumann
DLF 2012

DLR-K
Sa. 14.01.2012 · 18:05 Uhr
Angekommen! - Beispiele gelungener Integration
Deutschtürken erzählen

Von Inge Kurtz
"Parallelgesellschaft", "Verkaufte Bräute", "Kopftuchmädchen" oder "Ehrenmord": die Debatte zum Thema Integration befasst sich lieber mit den Defiziten, statt über Erfolge zu sprechen.
Dass die Integrationsgeschichte in Deutschland auch eine Erfolgsgeschichte ist, beweisen nicht nur die Biografien von Deutschtürken wie Mesut Özil, Django Asyl oder Aygül Özkan.
Auch das aktuelle Jahresgutachten der deutschen Stiftung für Integration und Migration zeigt: Integration verläuft in Deutschland, auch im nationalen Vergleich, sehr viel erfolgreicher als es die Desintegrationspublizistik glauben machen will.
Regie: die Autorin
Ton: Thomas Rombach
Produktion: HR 2011

DLR-K
Mo. 16.01.2012 · 00:05 Uhr
Die Gaza-Monologe
Hörspiel nach Texten von Jugendlichen aus dem Gazastreifen (Ursendung)

"Nach all dem, was wir im Krieg erlebten, ist mir alles egal. Ich denke, jeder Tag, an dem ich noch am Leben bin, das ist einer extra, ein Luxus, weil ich in jedem Moment im Krieg sterben könnte. Wisst ihr, dieses Land ekelt mich an, obwohl ich es liebe." (Tamer, Jahrgang 1993)
Der israelische Angriff im Gazastreifen im Dezember 2008-Januar 2009 hat auf Seiten der Palästinenser viele Todesopfer gefordert, darunter mindestens 430 Kinder und Jugendliche.
Das ASHTAR Theatre erarbeitete 2010 mit Kindern und Jugendlichen im Gazastreifen Monologe, die davon zeugen, wie sehr die Kriegserlebnisse ihre Entwicklung und ihren Blick auf die Welt prägen.
Aus dem Arabischen von: Ibrahim Marazka
Bearbeitung und Regie: Katrin Moll

DLR-K
Mo. 16.01. - 13:07 Uhr
Drei Schichten Lauschangriff
Die Geschichte der Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg

Von Julius Stucke
Am 16. Januar 1992 beenden die Amerikaner offiziell ihre Abhörtätigkeit auf dem Berliner Teufelsberg. Es fällt der Satz, die Field Station Berlin habe ihren Auftrag so gut erfüllt, dass sie jetzt nicht mehr benötigt werde. Aber welchen Auftrag? Was taten die Amerikaner seit den 60er-Jahren auf dem Teufelsberg und warum?
Vieles davon unterliegt - von amerikanischer Seite aus - bis heute strengster Geheimhaltung. Tag für Tag lauschten mehrere Hundert Männer in drei Schichten. Es wird behauptet, die alliierten Ohren reichten bis in Honeckers Schlafzimmer …

DLR-K

Mo. 16.01. - 19:30 Uhr
Die Welt ist nackt
Wie sich unser Begriff von Privatsphäre verändert hat

Von Michael Meyer
Die Privatsphäre, der nicht-öffentliche Bereich, in dem ein Mensch unbehelligt von äußeren Einflüssen sein Recht auf freie Entfaltung wahrnimmt, galt vielen einmal als hohes, schützenswertes Gut. Ob Staat oder privat - durchs Schlüsselloch gucken, an der Tür lauschen, das war verpönt. Doch nach und nach hat sich unsere Vorstellung von Privatsphäre verändert.
Der technologische Fortschritt, allen voran das Internet, scheint uns direkt und rasend schnell in das Zeitalter der "postprivacy" zu führen. Lassen wir uns zu sehr darauf ein, aus Bequemlichkeit oder Naivität? Können wir unsere Privatsphäre überhaupt noch verteidigen, wenn wir meinen: "Das geht keinen etwas an".

DLR-K
Mi. 18.01. - 19:30 Uhr
lechts und rinks (2/3)
Was heißt heute "liberal"?

Von Walter van Rossum
Finanzkrise, EU-Krise, Tea-Party-Bewegung, Wutbürger, Occupy-Camps: Der Raum des Politischen bebt. Lange Zeit hat man das mit dem "Ende der Idologien" erklärt. Doch einzelne Ideologeme finden sich in den politischen Auseinandersetzungen von heute - nicht zuletzt liberale.

DLR-K
Sa. 21.01.2012 · 18:05 Uhr
Von Abu Ghraib nach Marienfelde
Ursendung: Die zwei Leben des Abu Atab

Von Giuseppe Maio
Baghdad 1981. Ein absurder Verdacht bringt den 17-jährigen Schüler Abu Atab ins Gefängnis. Aus dem Missverständnis wird ein Albtraum: neun dunkle Jahre in Abu Ghraib.
Zahllose Hinrichtungen geschehen vor seinen Augen, doch er selbst kann dem Tod von der Schippe springen. "Gott hatte mit mir noch etwas vor."
Heute ist Abu Atab deutscher Staatsbürger und lebt in Berlin-Marienfelde.
Aber er traut seinem Glück nicht. Zwar hat er jahrelange Folter und auch die Todeszelle überlebt, doch seine Erinnerung hält ihn weiterhin gefangen.
"Die Haut juckt. Selbst die Zähne jucken." Im Schlaf kratzt er sich wund.
Er muss erzählen. Um die alten Geister zu bannen, muss er die Geschichte seiner zwei Leben immer wieder erzählen.
Am liebsten im Gehen, auf seinen langen Spaziergängen durch die Stadt.

DLF
So. 22.01. - 09:30 Uhr
Antisemitismus
Von der Wannseekonferenz zum Remer-Prozess (2/4)

2. Ursache und Motive des Antisemitismus
Der Historiker Götz Aly im Gespräch mit Jochanan Shelliem
(Teil 3 am 29.1.12)

DLR-K
Mo. 23.01. - 19:30 Uhr
Kooperation statt Konfrontation?
Der schwierige Spagat von WWF, Greenpeace & Co.

Von Peter Podjavorsek
NGOs, also Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International, Foodwatch oder Greenpeace, gelten als integere Repräsentanten des guten Gewissens. In jüngster Zeit geraten sie aber zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Vor allem den globalen, professionellen Akteuren wird vorgehalten, zu große Kompromisse einzugehen und sich von den Interessen der Industrie vereinnahmen zu lassen. Harsche Worte. Sind sie gerechtfertigt - oder legen die Kritiker die moralische Messlatte zu hoch an? Wer etwas erreichen will, muss bekanntlich Kompromisse eingehen. In der Politik ist das ein Gemeinplatz. Sollte es bei NGOs anders sein?

DLF
Di. 24.01. - 19:15 Uhr
Schutzzone Maywood
Wie ein kalifornisches Städtchen sich den Kampagnen gegen illegale Einwanderer widersetzte

Von Daniel Cil Brecher
DLF 2012
Am 1. Juli 2010 entließ das Städtchen Maywood fast alle seine Angestellten. Um weiterhin Dienste wie Polizei und Müllabfuhr gewährleisten zu können, wurden Verträge mit Nachbarstädten und dem Los Angeles County abgeschlossen. Die Stadt war zahlungsunfähig geworden. Mehr als 30 Prozent der Einwohner Maywoods sollen Einwanderer aus Lateinamerika sein, die keine Steuern zahlen. Das einst "weiße" Städtchen hatte jahrelang von den "Illegalen" profitiert.
Polizei und Abschleppdienste konfiszierten regelmäßig die Autos der führerscheinlosen Latinos und verkauften sie. Ein Priester und ein Gewerkschaftssekretär riefen die Latinos zur Gegenwehr auf, beteiligten sich an den Kommunalwahlen und gewannen sie. 2006 erklärte sich Maywood zur einer "Sanctuary City", zu einer Schutzzone für illegale Einwanderer. Konservative Politiker beschuldigen die Stadt seitdem, der Gesetzlosigkeit Vorschub zu leisten und ihren eigenen Ruin herbeigeführt zu haben.

DLR-K
25.01. - 19:30 Uhr
lechts und rinks (3/3)
Was heißt heute "sozialistisch"?

Von Mathias Greffrath
Finanzkrise, EU-Krise, Tea-Party-Bewegung, Occupy-Bewegung: Der Raum des Politischen wankt. Lange Zeit hat man das mit dem Ende der Idologien erklärt. Doch einzelne Ideologeme finden sich in den politischen Auseinandersetzungen von heute - auch sozialistische.

DLF
So. 29.01. - 09:30 Uhr
Antisemitismus - Von der Wannseekonferenz zum Remer-Prozess (3/4)
3. Vom Erbe des Antisemitismus

Der Historiker Wolfgang Benz im Gespräch mit Jochanan Shelliem
(Teil 4 am 5.2.12)

DLR-K
Mo. 30.01. - 19:30 Uhr
Mehr Genforschung, mehr Heilung?
Die Vision von der individualisierten Medizin

Von Barbara Zillmann
Je genauer das Genom, das Erbgut eines Menschen, entschlüsselt werden kann, je mehr man über die molekularen Ursachen einer Krankheit weiß, desto besser lassen sich für den einzelnen Patienten die erfolgreiche Behandlungsstrategie und das passende Medikament finden - so die Vision von biomedizinischer und pharmakologischer Forschung.
Die gentechnisch orientierte Medizin fasziniert viele und hilft bisher nur wenigen. Sie ist langwierig, teuer und birgt auch Risiken, warnen Ärzte und Gesundheitspolitiker. Gendatenbanken werden umfangreicher, das Prinzip der Kosten-Nutzen-Rechnung im Gesundheitswesen wird infrage gestellt, der verantwortliche Umgang mit Humangenetik muss neu definiert werden. Die Pharmaindustrie aber hat das Schlagwort von der sogenannten individualisierten Medizin schon längst für sich entdeckt.

DLF
Di. 31.01. - 19:15 Uhr
Tango auf dem sinkenden Schiff
Ein Rückblick auf Argentiniens Staatsbankrott

Von Patrick Batarilo
DLF 2012
Es ist viel die Rede von Staatsbankrotten. Griechenland kann es treffen, Portugal und wer weiß, wen noch in Europa. Die Ängste sind groß. Aber was passiert wirklich während eines Staatsbankrotts? Wer bezahlt welchen Preis? Und wie geht es weiter? Die Argentinier können darüber einiges erzählen.
Als ihr Land vor gut zehn Jahren dem Bankrott entgegenschlitterte, mussten um die Banken angesichts wütender Demonstranten Stahlzäune gezogen werden. Viele Argentinier schrieben ihr Land ab und wanderten aus. Doch Argentinien hat den Staatsbankrott 2001/2002 überlebt. Zwar waren die Opfer hoch, bis heute ist die Inflationsrate zweistellig. Doch für manche war der Bankrott auch eine Chance. Brukman etwa, eine Firma für Männerbekleidung in Buenos Aires, überstand die Krise, weil die Arbeiter die Firma übernahmen - zuvor hatten die Familieneigentümer das sinkende Schiff verlassen. Heute läuft das Geschäft so gut, dass die Firma Aufträge ablehnen muss.

 

Dezember 2011

DLF

Fr. 02.12.2011 · 19:15 Uhr
Der verlorene Krieg
Lateinamerika auf dem Weg zu einer neuen Drogenpolitik

Von Nina Hellenkemper
"Die Legalisierung von Drogen ist nur noch eine Frage der Zeit" meint Jorge da Silva, der früher Polizeichef in Rio de Janeiro war und heute Mitglied der brasilianischen Drogenkommission ist. In Lateinamerika arbeiten Politiker, Juristen und Mediziner länderübergreifend an einer Liberalisierung der Drogengesetzgebung.
Sie wollen sich ihre Politik nicht mehr von den USA diktieren lassen: Der von Richard Nixon 1971 deklarierte Krieg gegen die Drogen hat Milliarden an öffentlichen Geldern verschlungen, Gelegenheitskonsumenten und Süchtige in die Kriminalität geschickt sowie das organisierte Verbrechen gestärkt
"Nach Lateinamerika hat er einen Krieg mit unzähligen Toten exportiert. Als gäbe es die Bösen - die Länder Lateinamerikas, in denen die Drogen kultiviert und produziert werden, - und die Guten, die USA, Europa, in denen die Drogen gekauft und konsumiert werden", so die argentinische Staatsanwältin Mónica Cuñarro

DLR-K
Mi. 07.12. - 19:30 Uhr
"Ihr kriegt uns hier nicht raus!"
Ton Steine Scherben, Rio Reiser und die Hausbesetzergeschichte

Von Ralf Bei der Kellen
Leerstehende Häuser, antikapitalistische Gesinnung, Abenteuerlust. Vor 40 Jahren probierten junge Rebellen in Westberlin etwas Neues aus, um eigene Lebensräume zu erobern: Hausbesetzungen.
Von Anfang an dabei waren Rio Reiser und seine Lieder. Heute ist alles sorgfältig archiviert. Eine wilde Zeit, musealisiert.

DLR-K
Do. 08.12. - 19:30 Uhr
Die Dynamik des Krieges
Eine Diskussion mit Jan Philipp Reemtsma und Harald Welzer

Moderation: René Aguigah
Berliner Literaturforum im Brecht-Haus
Mitschnitt vom 7.9.11
Die neu entdeckten Abhörprotokolle von Wehrmachtssoldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft zeichnen ein Bild moralischer Verrohung. Ursächlich für diese Brutalität, so Harald Welzers provokante These, sei nicht primär die nationalsozialistische Ideologie, sondern das militärische Wertesystem.

DLF
Sa. 10.12. -

10.12.2011 · 11:05 Uhr
Traumatisiert und ausgegrenzt
Tschetschenen in Österreich

Von Antonia Kreppel
In Österreich leben über 20000 tschetschenische Flüchtlinge; die Alpenrepublik hat somit eine der größten tschetschenischen Exilgemeinden in Europa. Doch das Leben für die Kriegsflüchtlinge bleibt auch in Österreich gefährlich, sie fürchten den langen Arm des tschetschenischen Machthabers Kadyrow.
Er wird unter anderem für die Ermordung eines Exil-Tschetschenen in Wien verantwortlich gemacht. Mit ihrer patriarchalisch organisierten Lebensweise ecken die Tschetschenen zudem in der österreichischen Gesellschaft an, so sehr, dass mit den Themen Zwangsverheiratung und Gewaltbereitschaft Wahlkampf gemacht wird.
Dass die kriegstraumatisierten Familien aber mehr Unterstützung brauchen, bemerken dabei nur wenige gemeinnützige Vereine.

DLF
Di. 13.12. - 19:15 Uhr
Die Schwarzwälder Stromrebellen
Eine Bürgerinitiative wird zum Energieversorger

Von Frank Dietsche und Werner Kiefer
Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gründete sich im Schwarzwaldstädtchen Schönau eine Bürgerinitiative, die der Atomkraft den Kampf ansagte. Man wollte dem AKW-Betreiber das städtische Stromnetz abkaufen und die Stadt künftig selbst mit ökologischem Strom versorgen.
Für den Landarzt und seine Frau, den Polizisten, die Lehrerin und den Handwerker begann eine Reise ins Ungewisse: Sie verfügten weder über die notwendigen Millionen noch hatten sie Erfahrungen, wie man ein Stromnetz betreibt.
Im Schwarzwaldstädtchen entstand ein heftiger politischer Streit, der die Bevölkerung quer durch Familien und Generationen spaltete. Zwei Bürgerentscheide später und nach Jahren voller unglaublicher Ereignisse konnten die Schönauer Stromrebellen das Stromnetz übernehmen und das wohl ungewöhnlichste Energieversorgungsunternehmen Deutschlands aufbauen.
Wegen ihres Mutes, ihrer Ausdauer und Fantasie halten viele die Schönauer Initiative für das erfolgreichste Beispiel bürgerschaftlichen Engagements.

DLR-K

Mi. 14.12. - 19:30 Uhr
Währungsturbulenzen
Der Euro und die Entwicklung des Weltwährungssystems

Von Klaus Peter Weinert
Der Euro wird zehn Jahre alt: Am 1.1.02 wurde er in zwölf EU-Staaten zum alltäglichen Bar-Zahlungsmittel. Angesichts der Schuldenkrisen im Euro-Raum, der Rettungsschirme und der Unsicherheiten über die Zukunft der europäischen Währung ist dieses Jubiläum allerdings kein Anlass zum Feiern. Obwohl der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar heute erheblich über dem Kurs vor zehn Jahren liegt und die Zahl der Euroländer auf 17 angewachsen ist.
Manche Ökonomen und nicht wenige Bürger sehen im Euro eine Fehlentscheidung von Anfang an.
Die Krise Griechenlands brachte für viele das Fass zum Überlaufen. Sind nationale Währungen krisenfester als die Gemeinschaftswährung?
Ein Blick in die Geschichte des Weltwährungssystems der letzten 150 Jahre zeigt, wie sehr das Schicksal einer Währung vom Weltwährungssystem abhängt und wie krisenanfällig das Weltwährungssystem ist.
Relativ stabile Verhältnisse herrschten nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Dollar als Leitwährung und festen Wechselkursen. Das 1944 beschlossene System von Bretton Woods brach jedoch 1971 zusammen. Nach dieser Zeitenwende häuften sich die Währungskrisen.
Ist der Euro die passende europäische Antwort darauf? Nur im Zusammenhang mit der Entwicklung des Weltwährungssystems kann man die Funktionsfähigkeit und Perspektiven des Euro einschätzen.

DLR-K

Do. 15.12. - 13:07 Uhr
Gemeinsames und getrenntes Lernen
Schulförderung für hochbegabte und für lernschwache Kinder

Von Verena Herb und Ita Niehaus
In der Kita sind noch alle zusammen. Doch schon in vielen Grundschulen wird es lernschwachen und behinderten Kindern schwer gemacht, am herkömmlichen Unterricht teilzunehmen. Dabei ist die UN-Konvention über die Inklusion, das gemeinsame Lernen, in Deutschland seit 2009 in Kraft.
Zahlreiche Studien zeigen, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap für alle vorteilhaft ist und die soziale Kompetenz fördert. Niedersachsen steht bundesweit an letzter Stelle, wenn es um die inklusive Bildung geht.
Ita Niehaus berichtet über eine Schule in Hannover, die trotz vieler Schwierigkeiten erfolgreich auf gemeinsames Lernen setzt. In Hamburg gibt es seit ein paar Monaten die OKO Private School.
Dort gehen 20 Überflieger zur Schule, die vorher in herkömmlichen Schulen nicht zurechtgekommen sind. Die Gründer der Schule haben lange dafür gekämpft, denn die Behörden sahen keinen Bedarf für solch eine Schule für Hochbegabte.
Auch Kinder aus Familien mit wenig Geld können diesen Schultyp besuchen, an dem der Unterrricht anders abläuft als in der Regelschule. Verena Herb hat sich diese Förderung für hochbegabte Kinder angeschaut.

DLR-K
Do. 15.12. - 19:30 Uhr
Education City
Der Wissenschaftsstandort in der Wüste Katars

Von Jan Lublinski
Das Emirat Katar will sich neuerdings Wissenschaft kaufen:
2,8 Prozent seines Bruttosozialproduktes wollen der Emir und seine Frau in Zukunft in Forschung investieren. Dieses liberale Machthaberpaar war schon immer für Überraschungen gut.
In den vergangenen Jahren haben sie den Frauen ihres Landes zunehmend mehr Rechte eingeräumt, mit dem unabhängigen Fernsehsender Aljazeera die arabische Medienwelt auf den Kopf gestellt, und auch die Fußball Weltmeisterschaft haben sie sich gekauft.
Derzeit stampfen sie die Education City aus dem Wüstenboden, einen weitläufigen Campus, auf dem derzeit vor allem große US-amerikanische Universitäten Außenstellen errichten: die George Washington University, das Weil-Cornell Medical College, die Texas A&M University.
Für viele Forscher bieten die Wüstenstaaten sehr gute Bedingungen: Den Aufbau von neuen Forschungsgruppen, neue Labors und junge motivierte Studenten, vor allem aus arabischen und asiatischen Ländern.
Aber auch in anderen Scheichstaaten setzt man jetzt auf akademische Ausbildung und Wissenschaft. Im erzkonservativen Saudi Arabien ist etwa die King Abdullah University of Science and Technology am Start. Die Golfstaaten erkennen, dass sie in Wissenschaft investieren müssen.
Aber kann es gelingen, mitten in einer arabischen Wüste einen Wissenschaftstandort zu etablieren? Und wie reagieren die neuen Universitäten auf die Revolutionen in der arabischen Welt?

DLF
Fr.16.12.2011 · 19:15 Uhr
Ruanda - Ein Land sucht seine Zukunft
Wo Mörder und Überlebende Nachbarn sind

Von Gaby Mayr und Günter Beyer
Verscharrt. In Latrinen versenkt. Verwest im Bananenhain. 800.000 Menschen, meist Tutsi, wurden 1994 im ostafrikanischen Ruanda getötet. Ein Völkermord, der das Land in den Abgrund stürzte. Heute herrscht Frieden in Ruanda, aber der Genozid wirkt fort.
Der Bauer lebt Haus an Haus mit dem Mörder seiner drei Kinder. Der junge Bankkaufmann verliert seinen Job, weil sein Vater als Völkermörder verurteilt wurde. Die Bäuerin findet ihre Ziege mit durchschnittener Kehle, nachdem sie als Laienrichterin Urteile fällte. Der einstige Tutsi-Rebell und heutige Rechtsanwalt begreift, dass auch Hutu Leid zugefügt wurde.
Und die Sozialarbeiterin, die nur knapp den Macheten der Milizen entkam, stößt in einem Straflager auf einen Mörder ihrer Familie und macht später Karriere als Bürgermeisterin in der boomenden Hauptstadt.
Günter Beyer und Gaby Mayr haben auf ihrer Reise ins "Land der tausend Hügel" Zeugnisse des Schreckens und Zeichen der Hoffnung gesehen. Sie haben verstörende Nachrichten mitgebracht aus einem Land, dessen Zukunft längst begonnen hat.
Koproduktion Radio Bremen/DLF/SWR 2011

DLR-K
Do. 22.12. - 19:30 Uhr
Der Living Earth Simulator
Forscher arbeiten an einem Computermodell der Menschheit
Für eine Milliarde Euro wollen mehrere Hundert Forscher aus Europa eine Software entwickeln, mit der sich die ganze Welt simulieren lässt: Die Finanzmärkte, das Ausbrechen internationaler Konflikte oder die Verbreitung von Seuchen werden mithilfe großer Datenmengen modelliert und sollen damit langfristig die Sozialwissenschaften revolutionieren.

DLF

So. 25.12.2011 · 09:30 Uhr
Tun und Lassen (1/2) Das entflammte Selbst:
Über Ehrgeiz und Arbeitssucht

Von Svenja Flaßpöhler
Mehr denn je leben wir heute in einer Kultur des Machens, des unausgesetzten Tuns, der hektischen Betriebsamkeit und nimmermüden Arbeitseifers. Dass wir durch die moderne Technik Zeit einsparen, führt nicht dazu, dass wir mehr müßiggehen, gerade umgekehrt sind wir getriebener denn je.
Nichtstun und Langeweile macht uns nervös, denn nur wenn wir aktiv sind, fühlen wir uns anerkannt und lebendig. Hochmotiviert verausgaben wir uns am Schreibtisch und beim Sport, kommunizieren, organisieren, optimieren, sind entflammt für unsere Arbeit - manchmal bis zum Burnout.
Aktivität, so scheint es, bedeutet Leben. Passivität, gar Stillstand, bedeutet Tod. Aber stimmt das wirklich? Die Gesprächsreihe von Svenja Flaßpöhler geht der Dynamik des heutigen "Yes, you can!"-Aktionismus" auf den Grund und beleuchtet die passive Seite der menschlichen Existenz.
Die Themen der Gespräche mit Miriam Meckel und Alice Lagaay sind Ehrgeiz und Arbeitssucht sowie die Kunst des Lassens.
Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler
Teil 2 am 26.12.11

DLF
Mo. 26.12.2011 · 09:30 Uhr
Tun und Lassen (1/2)
Die Kunst der Passivität

DLF

Mo. 26.12.2011 · 23.05 Uhr
Stephane Hessel - Ein Mann, seine Geschichte und sein Jahrhundert

DLF
Di. 27.12. - 19.15 Uhr
Millionäre und Milizen
Marktwirtschaft radikal in Beirut


DLR-K
Mi. 28.12. - 19.30 Uhr
Spieler, Störer, Grenzverletzter
Besetzen Hacker den letzten Raum für gesellschaftliche Utopien?

 

November 2011

DLR-K
Mi. 02.11. - 19:30 Uhr
Zeitreisen
aufnehmen
Vom Ritual zum Massenkonsum
Wie beeinflusst die Gesellschaft den Drogengebrauch?

Von Ole und Yana Schulz
Dass keine Gesellschaft ohne Drogen auskommt, ist inzwischen unter Kulturhistorikern und Suchtforschern weitgehend anerkannt. Allerdings hat sich der Drogenkonsum im Laufe der Geschichte verändert, und jede Epoche hat spezielle Rauschmittel, die ihr ihren Stempel aufdrücken und in denen sich die gesellschaftlichen Zustände spiegeln.
Das lässt sich auch an den letzten Dekaden ablesen: Galten Hasch und LSD in der Aufbruchsstimmung seit den 60er-Jahren als Hilfsmittel zur Befreiung und Bewusstseinserweiterung, war das Ego-stärkende Kokain in den Achtzigern der Schmierstoff für den aufstrebenden Turbokapitalismus, bis in den "individualisierten" 90er-Jahren mit der Techno-Bewegung eine Droge wie Ecstasy das Aufgehen des Einzelnen in der Masse zelebrierte.
Wovon genau ist es abhängig, ob und wann eine berauschende Substanz zu einer populären Droge wird? Wie beeinflusst die Gesellschaft den Drogengebrauch? Und wer beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer Rauschmittel?

DLF
Fr. 04.11.2011 · 19:15 Uhr
Das Gift des Abzugs
Afghanistan auf dem Weg zu neuer Instabilität

Von Martin Gerner
Zehn Jahre nach der US-Intervention am Hindukusch soll die Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg Anfang Dezember die Übergabe der Verantwortung für das Land an die Karsai-Regierung sanktionieren. Dabei zeichnet sich neue Instabilität ab.
Wie Sicherheit und "good governance" etabliert werden könnten, ist nicht erkennbar. Dazu beigetragen hat die politische, militärische und kulturelle Hybris, die der westlichen Afghanistanpolitik zugrunde lag und liegt. Der Westen will eine Verhandlungslösung mit den Taliban und glaubt sie mit einer "kill and capture"-Strategie durchsetzen zu können.
Eine Mehrheit der Afghanen fürchtet dagegen die Rückkehr der Fundamentalisten und damit unter anderem die Aufgabe der Frauenrechte, die sich der Westen seit 2001 auf die Fahnen geschrieben hat. Erstmals ziehen junge Frauen aus der afghanischen Zivilgesellschaft durch die Straßen von Kabul und klagen ihre Rechte ein.

DLF
Sa. 05.11.2011 · 11:05 Uhr
Spekulanten im Paradies: Der Kampf der Sarden um ihre Insel
Mit Reportagen von Karl Hoffmann
Herrliche Strände, gastfreundliche Menschen und schöne Hotels: Sardinien ist für viele Urlauber eine Trauminsel im Mittelmeer. Im Sommer treffen sich die Reichen aus aller Welt an der Costa Smeralda, in den Häfen liegen die Luxusyachten der Jetsetter, Silvio Berlusconi hat sich dort eine Prachtvilla errichtet, die hunderte von Millionen Euro wert sein soll.
Doch außerhalb der Saison und abseits der Küsten ist Sardinien ein armes Land. Die 1,5 Millionen Sarden profitieren nicht vom Bauboom der Investoren, im Gegenteil: Sie müssen zunehmend um den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen kämpfen. Die Arbeiter in den Chemieunternehmen und Bergwerken, die lange vor dem Touristenboom gebaut wurden, fürchten um ihre Arbeitsplätze.
Und die Schäfer, Hüter der Natur in den einsamen Bergregionen im Landesinneren, wehren sich gegen internationale Milchmafia und staatlich geförderte Schlachtprogramme. Der Protest richtet sich gegen die Invasoren vom Festland und gegen die Kapitalanleger, die sich mit Bodenschätzen und Luxushotels Gewinne erhoffen, ohne sich Gedanken um die Zerstörung der Natur und die Entfremdung der einheimischen Bevölkerung von ihrer Heimat zu machen.

DLF
Do. 10.11. - 10:10 Uhr
Marktplatz
Einfach und unkompliziert -der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters
Am Mikrofon: Günter Hetzke
Hörertel.: 00800 - 4464 4464
Hörerfax: 00800 - 4464 4465
marktplatz(a)dradio.de

DLF
Sa. 
12.11.2011 · 11:05 Uhr
Eine Pipeline durch die Ostsee
Russisches Gas für Europa

Mit Reportagen von Andrea Rehmsmeier
Gerhard Schröders umstrittene Nähe zum russischen Gasmonopolisten Gazprom, die Proteste der Anrainerstaaten, die Bedenken der Umweltschützer - die Ostseepipeline, die neue Gasleitung des russisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmens Nord Stream AG, war einmal ein europäisches Skandalprojekt.
Inzwischen strömt über den Meeresboden das erste sibirische Gas in Richtung Greifswalder Bodden - und es kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn der deutsche Atomausstieg hat den umweltschonenden Rohstoff zu einer der wichtigsten Säulen der Stromversorgung gemacht. Russland garantiert den Deutschen die stabile Versorgung über Jahrzehnte. Aber es verlangt einen hohen Preis.

DLF
So. 13.11. - 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (1/3)
1. Jenseits des Homo Oeconomicus

Der Wirtschaftsjournalist Martin Wolf im Gespräch mit Stefan Fuchs
(Teil 2 am 20.11.2011)

DLR-K

Mo.14.11. - 19:30 Uhr
2056 - Arm oder Reich
Was wird aus der Rente?

Von Johannes Nichelmann
2056 - ich kann in Rente gehen. Vielleicht. Wenn wir den Prognosen glauben, werden dann in Deutschland viele alte Menschen leben, die von der Altersarmut bedroht sind. Eine Rente zum Leben wird es womöglich nicht mehr geben. Rentenvorsorge wurde immer mehr zur Privatangelegenheit. Der Generationenvertrag wurde gekündigt. Lässt sich das noch stoppen? Was wurde unternommen, um die Altersarmut zu verhindern? Was wird aus den Rentnern der Zukunft?
Ein Blick zurück, aus dem Jahr 2056, meinem wahrscheinlichen Renteneintrittsalter.

DLF
Sa. 19.11.2011 · 11:05 Uhr
Nicht Pole. Nicht Deutscher. Schlesier.
Die junge Autonomiebewegung in Oberschlesien

Von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster
Das Stadion brauchte neue Plastiksitze. Die alten rot-weißen waren brüchig geworden. Die Stadtverwaltung stimmte für eine blau-gelbe Bestuhlung und sorgte damit polenweit für Schlagzeilen. Und für politische Proteste in Warschau.
Denn die Fußballarena ist das "Schlesische Stadion" unweit von Kattowitz.Rot-weiß sind die traditionellen polnischen Farben, gelb-blau aber jene Oberschlesiens. Der Stuhlstreit ums Stadion zeigt das neue Selbstbewusstsein in der alten Bergbauregion.
Seit den Regionalwahlen Ende letzten Jahres ist die "Bewegung für die Autonomie Schlesiens" (RAS) nicht nur erstmals im Regionalparlament, sondern auch in der Regional-Regierung vertreten. Ihre Abgeordneten fordern die offizielle Anerkennung der Regionalsprache Schlonsakisch, die aus einer Mischung aus Altpolnisch, Tschechisch und Deutsch besteht, sowie eine "Würdigung" aller Oberschlesier unabhängig von ihrer Nationalität.   

DLF
So. 20.11.2011 · 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (2/3)
Ökonomie - Sozialwissenschaft wider Willen?

Der Wirtschaftswissenschaftler André Orléans im Gespräch mit Stefan Fuchs
Noch 2008 feierten Wirtschaftswissenschaftler am renommierten Massachusetts Institute of Technology enthusiastisch die Fortschritte in allen wichtigen Forschungsfeldern ihrer Disziplin. Es gäbe einen breiten Konsens in zentralen Fragen, das Problem der Rezessions-Prävention sei praktisch gelöst.
Nur wenig später begannen die Finanzmärkte zusammenzubrechen. In der größten Weltwirtschaftskrise seit 1928 stand die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler nackt da. Die moderne Volkswirtschaftslehre mit ihren hochkomplexen mathematischen Modellen, ihrem Glauben an die Rationalität der Wirtschaftssubjekte wurde zum ersten Opfer der Krise.
Die Ökonomie, wie sie vor allem an amerikanischen Elite-Universitäten seit mehr als drei Jahrzehnten gelehrt wurde, hat die Gefahr nicht nur nicht vorhergesehen, sie hat die Katastrophe entscheidend mitverursacht. An den Rändern der Disziplin hat inzwischen ein Umdenken begonnen.
Stefan Fuchs unterhält sich darüber mit dem Chefredakteur von Financial Times, Martin Wolf, und den Wirtschaftswissenschaftlern André Orléans und John K. Galbraith.
(Teil 3 am 27.11.11)

DLR-K

Mo. 21.11. - 19:30 Uhr
Entscheiden oder Mitreden?
Über Macht und Ohmacht des Bundestages

Von Mandy Schielke 
"What is left for national public policy?" fragte schon 1988 der Brüsseler Kommissionspräsident Jacques Delors. Die Kritik, die in dieser Frage schon damals steckte, ist inzwischen lauter geworden. Immer mehr Abgeordnete klagen über ihre schleichende Entmachtung - nicht nur durch die EU: So spannt die Bundesregierung milliardenschwere Rettungsschirme für angeschlagene Eurostaaten, ohne die gewählten Volksvertreter zu Rate zu ziehen.   Andererseits erwecken die Abgeordneten gelegentlich auch den Eindruck, dass sie ihre Kompetenzen gar nicht so ungern abgeben - zumindest wenn es um komplexe, kontroverse Themen geht. Die werden nämlich immer häufiger an Expertengremien delegiert. "Kommissionitis" nennen Beobachter diese selbst verursachte Ohnmacht des Parlaments. Was also bleibt übrig für die Volksvertretung?

DLF
Di. 22.11.2011 · 19:15 Uhr
Die entfesselte Ente oder:
Die Verteidigung der Pressefreiheit in Frankreich

Von Ruth Jung
Die Eindringlinge waren zielstrebig zu Werke gegangen. Bei Einbrüchen in Redaktionen und Wohnungen im Herbst 2010 wurden stets Laptops, CDs und Festplatten entwendet. "Zufällig" recherchierten alle betroffenen Journalisten zum Bestechungsskandal um die L'Oréal-Erbin Bettencourt. Der "Krimi in Sarkozys Schatten" markiert einen Tiefpunkt.
Auf Rang 44 stufte Reporter ohne Grenzen Frankreich im Jahresbericht 2010 ein - hinter Namibia und Papua-Neuguinea. Der amtierende Präsident mag keine kritischen Journalisten; wichtige Posten in den Medien besetzte er mit guten Freunden.
Da passt ins Bild, was die satirische Wochenzeitung Le Canard Enchainé im November 2010 enthüllte: Seit Langem werde der Geheimdienst gezielt auf störende Journalisten angesetzt. Überhaupt ist der Canard Enchainé eine der letzten Bastionen kritischen Denkens.
Italienische Zustände im Geburtsland der Pressefreiheit?
DLF 2011

DLR-K

Do. 24.11. - 13:07 Uhr
Weltoffenes Sachsen?
Der schwierige Kampf gegen die extreme Rechte

Von Claudia Altmann 
Alternative Jugendliche aus Limbach-Oberfrohna wollen die sächsische Kleinstadt nicht der rechten Szene überlassen. Dafür beziehen sie regelmäßig Prügel, werden als Nestbeschmutzer und Linksextreme angeprangert, ihre Familien werden bedroht. Die Stadtväter haben das Ausmaß des Problems jahrelang unterschätzt. Die Landesregierung hat der Stadt Unterstützung zugesagt, plant jedoch zugleich, die Polizeipräsenz zu reduzieren. Ein ›Länderreport‹ über den schwierigen Kampf gegen Rechts und die Entstehung starker rechter Szenen.

DLF
Fr. 25.11. - 19:15 Uhr
Das Medienquartett: Medien und Medienpolitik zur Diskussion
u.a. mit Tissy Bruns, Tagesspiegel, und Hans Janke, ehem. Fernsehspielchef des ZDF
Moderation: Christian Floto

DLF
Fr. 25.11. - 20:10 Uhr
"Milomaki" Vom Vergessen und Verschwinden
Von Merzouga Regie: die Autoren DLF 2010 
Die historischen Wachszylinderaufnahmen im Berliner Phonogramm- Archiv sind für den Hörer heute sinnlich-poetische Zeugnisse des Verschwindens jahrtausendealter Kulturen. Hier finden sich auch Aufnahmen der Feuerlandindianer, die vor 100 Jahren Opfer eines regelrechten Genozids weißer Siedler und Groß grundbesitzer wurden. Der heute beinahe vergessene Missionar Martin Gusinde hat mit den Feuerlandindianern gelebt, ihre Sprache gelernt und ihre Kultur kurz vor ihrem Untergang akribisch genau dokumentiert.   Das Duo Merzouga nähert sich dem Thema des Vergessens und Verschwindens - u.a. mit dem Mythos "Milomaki" - auf künstlerische Weise. Die beiden Musiker holen die akustisch patinierten Wachszylinder aus dem Archivschrank und setzen die uralten Gesänge behutsam in den Kontext zeitgenössischer Musik. Für ihre Produktion wurden sie mit dem Prix Marulic' 2010 ausgezeichnet.

DLF
So. 27.11.2011 · 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (3/3): Mythos freier Markt
Der Wirtschaftswissenschaftler James K. Galbraith im Gespräch mit Stefan Fuchs
Von Stefan Fuchs
Noch 2008 feierten Wirtschaftswissenschaftler am renommierten Massachusetts Institute of Technology enthusiastisch die Fortschritte in allen wichtigen Forschungsfeldern ihrer Disziplin. Es gäbe einen breiten Konsens in zentralen Fragen, das Problem der Rezessionsprävention sei praktisch gelöst.
Nur wenig später begannen die Finanzmärkte zusammenzubrechen.
In der größten Weltwirtschaftskrise seit 1928 stand die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler nackt da. Die moderne Volkswirtschaftslehre mit ihren hochkomplexen mathematischen Modellen und ihrem Glauben an die Rationalität der Wirtschaftssubjekte wurde zum ersten Opfer der Krise.
Die Ökonomie, wie sie vor allem an amerikanischen Eliteuniversitäten seit mehr als drei Jahrzehnten gelehrt wurde, hat die Gefahr nicht nur nicht vorhergesehen, sie hat die Katastrophe entscheidend mitverursacht.
An den Rändern der Disziplin hat inzwischen ein Umdenken begonnen.
Stefan Fuchs unterhält sich darüber mit dem Chefredakteur der Financial Times, Martin Wolf, sowie den Wirtschaftswissenschaftlern André Orléans und John K. Galbraith.

DLR-K

Mo. 28.11. - 19:30 Uhr
Das Ringen um Rohstoffe
Wie Deutschland die Versorgung seiner Industrien sichern will

Von Jan-Uwe Stahr 
Obwohl es wenige Nachrichten von der Front gibt, ist der internationale Kampf um Rohstoffe in vollem Gang. Und er wird immer rücksichtsloser geführt. Mit staatlichem Einfluss, Geld und Waffenlieferungen sichert sich das mächtige Boomland China die Versorgung seiner Industrien. Andere Industrienationen fürchten, bald das Nachsehen zu haben. Diesem neuen "Rohstoff-Imperialismus" müsse endlich etwas entgegengesetzt werden, fordern deutsche Industrielobbyisten. Die Bundesregierung reagiert: An der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe in Hannover wird derzeit eine Rohstoff-Agentur aufgebaut. Der Industrie soll geholfen werden, sich einen Platz an der Sonne zu sichern. Zu welchem Preis?

DLF
Di. 29.11.2011 · 19:15 Uhr
Zukunft im Selbstversuch
Vom Leben in Transition Towns

Von Ursula Rütten
Mal eben ans Flussufer gehen und Salat, Gemüse und Küchenkräuter aus öffentlichen Rabatten ernten - so weit wie die südenglische Kleinstadt Totnes ist man in Berlin-Kreuzberg noch nicht.
Auch strohgedeckte Lehmsteinhäuser und andere Niedrigenergiebausysteme haben im urbanen Berlin noch nicht Schule gemacht. Aber der Weg zum Ziel einer umwelt- und menschenfreundlich umgestalteten Solidargemeinschaft nach ökologischen Selbstversorgungsprinzipien folgt den gleichen Koordinaten: dem Konzept von Rob Hopkins aus Totnes. Dem Gründer der inzwischen internationalen Transition-Town-Bewegung.
Als erste Initiative in Deutschland proben die KiezwandlerSO36 in Berlin-Kreuzberg seit 2008 den Übergang ins postfossile Zeitalter.
WDR/DLF 2011

DLR-K
Mi. 30.11. - 19:30 Uhr
Humanitäre Hilfe und Hass auf die Helfer
Wie sich die Einsätze der Ärzte ohne Grenzen verändert haben

Von Peggy Fuhrmann 
Im Dezember 1971 gründeten Ärzte und Journalisten in Paris die Organisation Médecins Sans Frontières - kurz MSF. Eine Reaktion auf den Biafra-Krieg. Heute ist Ärzte ohne Grenzen ein Netzwerk mit Sektionen in 19 Ländern. In mehr als 60 Ländern leistet die Organisation medizinische Hilfe und fördert medizinische Ausbildung. Ärzte ohne Grenzen erhielt den Nobelpreis und wurde für die Qualität der Informationen über Projekte und verwandte Geldmittel mit einem Transparenzpreis ausgezeichnet. Anders als das Internationale Rote Kreuz, das unter allen Umständen strikte Neutralität praktiziert, sieht MSF auch das Witnessing (Zeuge sein) im Rahmen der medizinischen Nothilfe als wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Durch Gespräche mit Verantwortlichen, durch Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar Rückzug aus einem Einsatzgebiet. Es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen gebotener Neutralität und der selbst gesetzten Verpflichtung, massive Missstände publik zu machen. Vor allem hat sich die weltweite humanitäre Hilfe in den letzen 40 Jahren tiefgreifend verändert. Es gibt heute mehr humanitäre Hilfe als je zuvor, aber nicht unbedingt immer dort, wo sie am dringendsten benötigt wird. 
Denn viele Konflikte haben sich verändert: Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfsorganisationen werden oft nicht mehr respektiert. Sie werden heute in Konfliktregionen oft nicht nur nach der Effektivität ihrer Unterstützung bewertet, sondern auch danach, aus welcher Weltregion sie kommen. Hinzu kommt, dass viele Regierungen humanitäre Hilfe zum Bestandteil ihrer Einsätze in Kriegs- und Krisenregionen deklarieren. Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell brachte diese Haltung auf den Punkt, als er 2001 sagte: "Nichtregierungsorganisationen sind ein Machtmultiplikator, ein wichtiger Teil unserer Kampftruppen."  Das lehnt Ärzte ohne Grenzen ab. Dennoch, so sagen Mitarbeiter, schlage ihnen in bestimmten Weltregionen Hass entgegen.

 

Oktober 2011

DLF
Mo. 03.10.2011 · 11:05 Uhr
Kranichflug unter dem Hakenkreuz
Die verdrängte NS-Geschichte der Lufthansa

Von Heike Mund
Als am 1.4.1955 die erste Lufthansa-Maschine wieder auf dem Flughafen Frankfurt landen durfte, wurde das als Start in eine erfolgversprechende Firmengeschichte gefeiert. Die Deutsche Lufthansa stand für die blitzsaubere Wirtschaftswunderzeit. Erst 1999 - durch die Sammelklage ehemaliger jüdischer Zwangsarbeiter - kam ein verschwiegenes Kapitel an die Öffentlichkeit.
Es zeigte wie eng die "alte" Lufthansa, die 1926 gegründet worden war, mit der Kriegsmaschinerie der Nazis und der Geschichte des Dritten Reiches verstrickt war.
Lufthansa-Chef Erhard Milch war Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium und Stellvertreter Görings. Er hatte Tausende von Zwangsarbeitern in die kriegswichtigen Reparaturwerkstätten der Lufthansa abkommandiert.
In den Zwangsarbeiterfonds hat die Deutsche Lufthansa AG zwar eingezahlt, aber viele der Betroffenen warten bis heute vergeblich auf Entschädigung oder wenigstens eine Geste der Entschuldigung.
Jetzt bringt ein engagierter Rechtsanwalt - stellvertretend für die letzten überlebenden Zwangsarbeiter - den "Fall Lufthansa" erneut vor Gericht.
DLF 2011

DLF
Di. 04.10.2011 · 19:15 Uhr
Der Tanz um das "Goldene Grab"
Wem nützt der Sarkophag von Tschernobyl?

Von Nicolaus Schröder
Für 550 Millionen Euro soll die Welt vor den Strahlen aus der Ruine des Kernkraftwerks Tschernobyl geschützt werden. Allein 42,4 Millionen Euro will Deutschland übernehmen. Der neue Sarkophag wird gebraucht, weil der alte instabil und undicht ist und weil sich allein in dem zerstörten Reaktorblock IV noch 200 Tonnen Kernbrennstoff befinden sollen, dessen Strahlung eine erhebliche Gefahr darstellt.
Das ist die offizielle Begründung. Konstantin Tschetscherow, ein Wissenschaftler des Kurtscharow-Instituts für Kernforschung in Moskau, hat den zerstörten Reaktor mehrfach gründlich untersucht. Dass noch 200 Tonnen Kernbrennstoff in der Ruine lagern, bezweifelt er, entsprechende Strahlenwerte konnte er nicht messen. Doch wo ist das Material geblieben?
Seine Theorie: Im Laufe des Unglücks von 1986 kam es zu einer Explosion, die nahezu das gesamte Brennmaterial aus dem Reaktor schleuderte und in der Umwelt verteilte. Tschetscherow vermutet noch höchstens vier bis fünf Prozent des Materials in der Reaktorruine.
Aber wofür wird dann der neue 550-Millionen-Sarkophag gebraucht, was soll in ihm begraben werden?
Wer hat die internationalen Regierungen eigentlich bei ihren Geldzusagen beraten?
Wirklich unabhängige Untersuchungen hat es in Tschernobyl jedenfalls nie gegeben.

DLF 2011
DLR-K
Di. 04.10.11. - 13:07 Uhr
Kliniksterben in Süddeutschland
Schramberger kämpfen gegen die Schließung ihres Krankenhauses

Von Andrea Steinert
Nach dem neuesten Krankenhausreport des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung werden viele Kliniken in Deutschland schließen müssen.
Besonders betroffen sind nach dem Bericht Kliniken in Baden-Württemberg.
In Schramberg, einem Ort im Schwarzwald, soll das Krankenhaus zum Jahresende geschlossen werden. Die Kommune hatte das nicht rentable Haus zusammen mit einer weiteren Klinik an den privaten Krankenhausträger Helios verkauft.
Der hat sich nun entschieden, nur eines der beiden Krankenhäuser weiterzuführen. Seither laufen die Bürger Sturm gegen diese Entscheidung, eine Initiative kämpft für den Erhalt. Wie wirkt sich die Klinikschließung auf die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt aus?
Überlebt nur noch, wer rentabel arbeitet und sich auf Bereiche wie Orthopädie und Neurologie konzentriert, mit denen man gut Geld verdienen kann?
Welche positiven Folgen kann eine Privatisierung haben?
Diesen Fragen geht der "Länderreport" nach.

DLR-K
Do. 06.10.11 - 19:30 Uhr
Synthetische Biologie - auf dem Weg zum künstlichen Leben? (2/2)
Gezüchtete Organe nach Maß

Von Lydia Heller
Beim sogenannten Tissue Engineering werden aus einzelnen Zellen, die auch tierischen Ursprungs sein können, Gewebe oder sogar ganze Organe gezüchtet.
Während einige Wissenschaftler bereits das Ende der klassischen Organtransplantation prophezeien, sehen andere darin die Auflösung unseres Menschenbildes.

DLF
Fr. 07.10.2011 · 19:15 Uhr
Umgedrehte Landschaft
Vom Entstehen des Lausitzer Seenlandes

Von Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz
Am 12. Oktober 2010 geschieht im einstigen Tagebau Spreetal in der Niederlausitz etwas, womit niemand gerechnet hat: Viele Meter tief bricht auf altem Kippengelände der Untergrund. Wassermassen drängen und schießen nach oben, verwandeln über 100 Hektar Wald-, Wiesen- und Ackerfläche in eine Schlammwüste, kippen Lastwagen um und verschlingen 83 Schafe.
4,5 Millionen Kubikmeter Erde rutschen innerhalb von Minuten weg - und erschüttern den Glauben an das, was hier gerade entsteht: ein riesiges Seengebiet, das Touristen in die strukturschwache Gegend locken soll.
Vor allem aber wirft der Grundbruch die Frage auf, wie kalkulierbar die Folgen jahrzehntelanger Landschaftszerstörung durch die Braunkohle überhaupt sind.
DLF 2011

DLR-K
Mo. 10.10.11 - 19:30 Uhr
Leistungsträger
Über die arbeitende Klasse

Von Thomas Klug
Das Publikum erfährt, dass die Leistungsträger viel zu viel Steuern zahlen, dass sie 60 Stunden pro Woche arbeiten und eine enorme Verantwortung auf ihnen lastet.
So lamentierend stehen sie in gut sitzenden Anzügen, mit dicken Uhren vor den Kameras, als würden sie gleich zwangsversteigert. Leistungsträger sind offenbar die, die am lautesten klagen, stellt das erstaunte Publikum fest. Wer auch sonst?
In der öffentlichen Debatte kommt der Teil der Bevölkerung, der einst Arbeiterklasse genannt wurde, kaum vor - und in den Fernsehserien schon gar nicht: Da wimmelt es von Ärzten, Anwälten, Kriminalkommissaren. Aber Handwerker? Verkäuferinnen? Krankenschwestern?
Fließbandarbeiter? Aus dem öffentlichen Bewusstsein scheinen sie völlig verschwunden.
Zeit, sich auf die Suche zu begeben nach der arbeitenden Bevölkerung und dem Bild, was wir von ihr haben.


DLR-K
Do. 13.10.11 - 13:07 Uhr
Neuer Tanz auf dem Vulkan
Streit um Lavaabbau in der Eifel

Von Ludger Fittkau
Lava ist ein beliebter Rohstoff für den Straßenbau. In 32 Gruben wird in der Vulkaneifel Lava abgebaut. Nach Plänen des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau in Mainz soll die sogenannte Rohstoffvorrangfläche in der Eifel nun von 400 auf 2000 Hektar erweitert werden. Das könnte bedeuten, dass in der Region künftig auf einer Fläche Tagebau betrieben wird, die mehr als 2000 Fußballfelder groß ist.
Umweltschützer und Touristiker laufen gegen diese Pläne Sturm. Bestseller-Autor Jacques Berndorf hat seinen jüngsten Eifel-Krimi dem Thema gewidmet. "Hier werden uns die Berge geklaut", sagt der Autor, der selbst mitten in der Vulkaneifel lebt.
In den nächsten Monaten wird die Entscheidung darüber fallen, ob die umstrittenen Pläne wirklich umgesetzt werden und damit das Schicksal einer einzigartigen Vulkanlandschaft besiegelt wird.


DLR-K

Sa. 15.10.2011 · 18:05 Uhr
Keine Heimat, nirgendwo
Die Roma in Frankreichs Lagern (Ursendung)

Von Clarisse Cossais
Im Sommer 2010 schlugen zehn Roma-Familien ihre Zelte in der Nähe der Stadt Blois im Loire-Tal auf. Sie waren aus einem großen Roma-Lager nach Rumänien abgeschoben worden und nach kurzer Zeit nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie auf ein menschenwürdiges Leben hofften.
Aber Präsident Sarkozy, der im Vorfeld zu den Wahlen 2012 auf Stimmenfang ist, droht mit erneuter Abschiebung.
Die Autorin hat die Familien und ihre Helfer in der Nähe von Blois getroffen und sie im Alltag begleitet.
Die Menschen erzählen davon, wie sie versuchen, der Abschiebungswelle zu trotzen.
Clarisse Cossais, geboren 1969 in Marseille, studierte Germanistik, lebt seit 1991 in Berlin.
Für ihr Feature "La Sehnsucht. Franzosen in Berlin" (SWR 2008) erhielt sie den deutsch-französischen Journalistenpreis 2009.

DLR-K
Mo. 17.10.11 - 19:30 Uhr
"Schwärmt aus!"
Chinesische Unternehmen auf Einkaufstour in Deutschland

Von Caspar Dohmen
Als China 2001 der Welthandelsorganisation WTO beitrat, rief die chinesische Regierung die Strategie Zou Chu Qu ('Schwärmt aus!') aus. Seitdem gehen die Unternehmen auf Einkaufstour, sichern sich Minen, Land oder Unternehmen.
In letzter Zeit schauen sie öfter in Deutschland vorbei auf der Suche nach Markennamen und Technik "Made in Germany". Im Juli hat erstmals eine chinesische Firma einen börsennotierten deutschen Konkurrenten übernommen: Lenovo, ein Unternehmen, das einer Holding gehört, die unter der Kontrolle der Chinesischen Akademie der Wissenschaften steht, führt jetzt beim Elektronikhändler Medion Regie.
Deutsche Medien warnen schon vor einer chinesischen Invasion. Sind die Sorgen berechtigt? Welche Interessen verfolgen die Chinesen? Was bedeutet dies für die deutsche Wirtschaft? Caspar Dohmen hat sich auf die Suche nach Antworten begeben und mit Unternehmern, Beschäftigten, Experten und Politikern gesprochen.

DLF
Di.
18.10.2011 · 19:15 Uhr
Der Oberst betet
Die neuen Helden der Bundeswehr

Von Marc Thörner
Kundus, 4. September 2009. Oberst Georg Klein, der Kommandeur des deutschen Stützpunkts, meldet dem ISAF-Hauptquartier fälschlich "Feindkontakt", um den Luftangriff auf eine Menschenansammlung befehlen zu dürfen. Dann geht er in die Lagerkapelle und betet.
140 Afghanen sterben, unter ihnen viele Zivilisten. Warum wurde der deutsche Oberst nie bestraft? Wieso gilt er vielen in der Bundeswehr nicht als Täter, sondern als Opfer, als eine Märtyrerfigur?
Der Umgang mit dem Kommandeur fügt sich ein in eine schleichende Veränderung der Militärdoktrin, die sich jenseits der Bundeswehrreform auf einer ideologischen Ebene abspielt.
Obwohl auf die "Verteidigung des Rechtes und der Freiheit des deutschen Volkes" eingeschworen, arbeiten deutsche Offiziere mit kriminellen Milizenführern zusammen, unterstützen mafiöse Machthaber und leisten fundamentalistischen Tendenzen Vorschub.
Dafür bedarf es anderer Helden und Leitbilder als bisher - gelegentlich auch solcher, die an dunkle Kapitel der deutschen Vergangenheit erinnern.
DLF 2011

DLR-K

Mi. 19.10.11 - 19:30 Uhr
Das überschätzte Projekt
Wie der Neoliberalismus sich und die Welt veränderte

Von Klaus Peter Weinert
Seit der weltweiten Finanzmarktkrise, die den Bürgern Milliarden an Steuergeld kostet,stellt sich die Frage neu: Inwieweit liegt im Aufstieg und der gesellschaftlichen Akzeptanz des Neoliberalismus das eigentliche Problem? Wie entwickelte sich eine Willkür der Märkte?

DLR-K

Do. 20.10.11 - 19:30 Uhr
Abrieb des Alltags
Was die Soziologie am Müll der Menschen abliest

Von Nora Bauer
Wie entscheiden wir, was Müll ist? Die weggeworfenen Reste unseres täglichen Lebens mögen uns nicht mehr nützen. Aber unser Mülleimer ist eine wahre Fundgrube, die tiefe Einsichten über uns offenbart: Schichtzugehörigkeit, Wertekatalog, Alltagsgewohnheiten.
Das alles ist ablesbar aus dem Abrieb unseres Alltags. Dem britischen Sozialanthropologen Michael Thompson verdanken wir die Erkenntnis, dass für die Gegenstände unserer Kultur nur zwei Kategorien gelten: dauerhaft oder vergänglich.
Nicht die Natur, so Thompson, sondern unsere Weltsicht verleiht den Objekten diese Eigenschaften. Das hat Folgen für die Gesellschaft und unsere Position darin.
Der schottische Soziologe John Scanlan wendet diese Perspektive auf Ideen und Konzepte an.
Der Umweltingenieur Werner Bidlingmaier macht die Probe aufs Exempel: Er untersucht Mülleimer - und vermeidet Müll.

DLF
Fr. 21.10.2011 · 19:15 Uhr
Fair handeln - aber wie?
Eine Idee zwischen Ideal und Kommerz

Von Caspar Dohmen
Am Anfang setzten Menschen ein Zeichen für faire Handelsbeziehungen: Zwischen Produzenten im Süden und Verbrauchern im Norden. Ihre Devise: Statt Marktpreise faire Preise. Nicaraguakaffee etabliert sich neben der Jutetasche als Zeichen der Solidarität.
Schon bald finden die Waren den Weg aus den Weltläden in die Supermärkte.
Heute steht der faire Handel vor einem Scheideweg: Taugt die für den Süden geborene Idee auch für die Bauern im Norden?
Sollen im Süden in großem Stil Plantagen für den fairen Handel zertifiziert werden, weil der Markt es verlangt? Wird der Ansatz verwässert? Können die Bauern sich den fairen Handel noch leisten? Über den richtigen Befund und Kurs gibt es Streit in der Bewegung.
Gleichzeitig schlagen Unternehmen und einige Kleinproduzenten neue Pfade beim fairen Handel ein, ob in Nicaragua oder Deutschland. Der Autor hat Wegbereiter des fairen Handels in Nicaragua und Deutschland getroffen, den ersten Kaffeeeinkäufer des fairen Handels ebenso wie die Kleinbauern auf Kaffee- und Kakaoplantagen, die Textilarbeiterinnen einer Freihandelszone für Textilien ebenso wie Milchbauern in Süddeutschland.
Er dokumentiert die Entwicklung der fairen Handelsidee zwischen Ideal und Kommerz.
WDR/DLF 2011

DLF
Sa. 22.10.2011 · 11:05 Uhr
Gemeinsame Vergangenheit, gespaltene Gesellschaft:
Spanien 75 Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs

Mit Reportagen von Hans Günter Kellner
Im Juli 1936 putschten die Generäle um den späteren spanischen Diktator Francisco Franco gegen die demokratische spanische Republik. Damit begann der dreijährige Spanische Bürgerkrieg mit Grausamkeiten auf beiden Seiten, den Franco 1939 schließlich, nicht zuletzt auch aufgrund der Unterstützung von Hitler und Mussolini, gewann.
Seine Diktatur endete erst mit seinem Tod 1975. Die Repressionen auf beiden Seiten kosteten mehr Menschenleben als die eigentlichen Kriegshandlungen.
Auf mehr als 100000 hat der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón die Zahl der Opfer beziffert.
Viele davon gelten bis heute als "verschwunden", und ihre Angehörigen suchen noch immer nach ihnen. Tausende wurden Opfer des blinden Hasses auf der anderen Seite: Pfarrer, Militärs, selbst Zulieferer von Kirchen und Klöstern wurden von Anarchisten standrechtlich erschossen.
75 Jahre nach seinem Ausbruch sind die Folgen dieses Krieges bis heute nicht überwunden, prägt der Krieg politische Identitäten. Jorge Semprún sagte, Spaniens Demokratie sei stabil genug für ein Land mit zwei historischen Gedächtnissen, statt eines gemeinsamen Verständnisses von der eigenen Vergangenheit.
Ein Konsens über die eigene Geschichte scheint den Spaniern nicht möglich, auch nicht nach dem gemeinsamen demokratischen Neuanfang nach Francos Tod.

DLR-K
Mo. 24.10.11 - 19:30 Uhr
Mitregieren!
Volksbegehren und Volksentscheide in Deutschland

Von Wolf-Sören Treusch
Mitregieren! Für das Nachtflugverbot am Berliner Flughafen, gegen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, für gute Schulen in Niedersachsen, gegen Museumsschließungen in Hamburg: Immer mehr Bürger in Deutschland wollen per Volksentscheid selbst mitbestimmen, wohin die Reise geht. Direkte Demokratie boomt.
Allein im ersten Halbjahr 2011 beantragten Deutschlands Bürger insgesamt 23 Volksbegehren und -initiativen, Ausgang offen. Volksentscheide sind in Deutschland bisher nur auf Länderebene möglich, für einen bundesweiten Volksentscheid müsste das Grundgesetz geändert werden.
Dafür ist im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit nötig. Bisherige Anläufe scheiterten, manche sehr knapp. Vor allem die CDU/CSU wehrt sich gegen den Trend zur Bürgerbeteiligung.
Gegner und Befürworter formieren sich.

DLF
Di. 25.10.2011 · 19:15 Uhr
Mit Volldampf vom Abstellgleis
Wie Südamerika die Eisenbahn wiederentdeckte

Von Karl-Ludolf Hübener
Noch vor Jahren schien Südamerikas Eisenbahn endgültig aufs Abstellgleis geschoben. Doch nun rattern auf kargen bolivianischen Andenhöhen wieder mehr Züge. Mit einem Nationalen-Eisenbahn-Entwicklungsplan vernetzt Venezuela seine Städte und Dörfer.
Brasilien liebäugelt mit Hochgeschwindigkeitszügen. Der Niedergang des einst bedeutendsten öffentlichen Verkehrsmittels in Südamerika begann im vergangenen Jahrhundert. Internationale Finanzinstitutionen und Autolobby redeten den Regierungen ein, der Straße gehöre die Zukunft.
Höhepunkt dieser Entwicklung war die neoliberale Ära der 90er-Jahre, als der Schienenverkehr privatisiert oder stillgelegt wurde. Ungezählte Arbeitsplätze verschwanden.
Ganze Dörfer und Städte wurden von heute auf morgen von der Außenwelt abgeschnitten und zu Geistersiedlungen. Doch dann stellten einige Regierungen fest, dass der Verkehr auf Asphalt teurer zu stehen kommt als über die Schiene. Ölpreissteigerungen, boomender Export und Klimawandel beschleunigen das Umdenken.
Wie auch die Integration des Subkontinents, die neue Transportwege für Menschen und Güter erfordert.
DLF/WDR 2011

DLR-K

Do. 27.10.11 - 19:30 Uhr
Gekaufte Wissenschaft
Wer bestimmt die Ziele der Finanzforschung?

Von Agnes Handwerk und Harrie Willems
Die Finanzkrise hat gezeigt: Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung hat nur wenig Wissen über die derzeitigen Märkte hervorgebracht. Die Modelle aus der Finanzmathematik werden immer komplexer, bieten aber nur wenig Lösungsansätze für die aktuellen Probleme.
Umso bedenklicher, wenn ganze Institute von Banken finanziert werden, die maßgeblich an der Ausrichtung der Forschung mitwirken. Wie unabhängig sollten die Wirtschaftswissenschaften sein?

DLR-K
Mo. 31.10.11 - 13:07 Uhr
Länderreport- Landgang extra
Blühende Landschaften
Blühender Fantasie bedarf es, um auf blühende Landschaften zu kommen. Sind allerorten blühende Landschaften zu registrieren, dann ... fragen Sie ihren Arzt oder Politiker. Aber auf jeden Fall hören Sie auf den "Landgang", denn er hat die Zeit, sich dieses Themas zwischen Einheitstag und Mauerfall anzunehmen.
Und er weiß, wie aus einer Währungsunion schnell eine ewige Transferunion werden kann.
Und wo in Deutschland solche Flecken wie Griechenland, Portugal, Irland und Spanien liegen.
Ja, ja, Europa liegt in Deutschland. Da haben wir viel Erfahrung drin.
Von Deutschland lernen, heißt zahlen lernen.

 

Dezember 2011

DLF

Fr. 02.12.2011 · 19:15 Uhr
Der verlorene Krieg
Lateinamerika auf dem Weg zu einer neuen Drogenpolitik

Von Nina Hellenkemper
"Die Legalisierung von Drogen ist nur noch eine Frage der Zeit" meint Jorge da Silva, der früher Polizeichef in Rio de Janeiro war und heute Mitglied der brasilianischen Drogenkommission ist. In Lateinamerika arbeiten Politiker, Juristen und Mediziner länderübergreifend an einer Liberalisierung der Drogengesetzgebung.
Sie wollen sich ihre Politik nicht mehr von den USA diktieren lassen: Der von Richard Nixon 1971 deklarierte Krieg gegen die Drogen hat Milliarden an öffentlichen Geldern verschlungen, Gelegenheitskonsumenten und Süchtige in die Kriminalität geschickt sowie das organisierte Verbrechen gestärkt
"Nach Lateinamerika hat er einen Krieg mit unzähligen Toten exportiert. Als gäbe es die Bösen - die Länder Lateinamerikas, in denen die Drogen kultiviert und produziert werden, - und die Guten, die USA, Europa, in denen die Drogen gekauft und konsumiert werden", so die argentinische Staatsanwältin Mónica Cuñarro

DLR-K
Mi. 07.12. - 19:30 Uhr
"Ihr kriegt uns hier nicht raus!"
Ton Steine Scherben, Rio Reiser und die Hausbesetzergeschichte

Von Ralf Bei der Kellen
Leerstehende Häuser, antikapitalistische Gesinnung, Abenteuerlust. Vor 40 Jahren probierten junge Rebellen in Westberlin etwas Neues aus, um eigene Lebensräume zu erobern: Hausbesetzungen.
Von Anfang an dabei waren Rio Reiser und seine Lieder. Heute ist alles sorgfältig archiviert. Eine wilde Zeit, musealisiert.

DLR-K
Do. 08.12. - 19:30 Uhr
Die Dynamik des Krieges
Eine Diskussion mit Jan Philipp Reemtsma und Harald Welzer

Moderation: René Aguigah
Berliner Literaturforum im Brecht-Haus
Mitschnitt vom 7.9.11
Die neu entdeckten Abhörprotokolle von Wehrmachtssoldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft zeichnen ein Bild moralischer Verrohung. Ursächlich für diese Brutalität, so Harald Welzers provokante These, sei nicht primär die nationalsozialistische Ideologie, sondern das militärische Wertesystem.

DLF
Sa. 10.12. -

10.12.2011 · 11:05 Uhr
Traumatisiert und ausgegrenzt
Tschetschenen in Österreich

Von Antonia Kreppel
In Österreich leben über 20000 tschetschenische Flüchtlinge; die Alpenrepublik hat somit eine der größten tschetschenischen Exilgemeinden in Europa. Doch das Leben für die Kriegsflüchtlinge bleibt auch in Österreich gefährlich, sie fürchten den langen Arm des tschetschenischen Machthabers Kadyrow.
Er wird unter anderem für die Ermordung eines Exil-Tschetschenen in Wien verantwortlich gemacht. Mit ihrer patriarchalisch organisierten Lebensweise ecken die Tschetschenen zudem in der österreichischen Gesellschaft an, so sehr, dass mit den Themen Zwangsverheiratung und Gewaltbereitschaft Wahlkampf gemacht wird.
Dass die kriegstraumatisierten Familien aber mehr Unterstützung brauchen, bemerken dabei nur wenige gemeinnützige Vereine.

DLF
Di. 13.12. - 19:15 Uhr
Die Schwarzwälder Stromrebellen
Eine Bürgerinitiative wird zum Energieversorger

Von Frank Dietsche und Werner Kiefer
Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 gründete sich im Schwarzwaldstädtchen Schönau eine Bürgerinitiative, die der Atomkraft den Kampf ansagte. Man wollte dem AKW-Betreiber das städtische Stromnetz abkaufen und die Stadt künftig selbst mit ökologischem Strom versorgen.
Für den Landarzt und seine Frau, den Polizisten, die Lehrerin und den Handwerker begann eine Reise ins Ungewisse: Sie verfügten weder über die notwendigen Millionen noch hatten sie Erfahrungen, wie man ein Stromnetz betreibt.
Im Schwarzwaldstädtchen entstand ein heftiger politischer Streit, der die Bevölkerung quer durch Familien und Generationen spaltete. Zwei Bürgerentscheide später und nach Jahren voller unglaublicher Ereignisse konnten die Schönauer Stromrebellen das Stromnetz übernehmen und das wohl ungewöhnlichste Energieversorgungsunternehmen Deutschlands aufbauen.
Wegen ihres Mutes, ihrer Ausdauer und Fantasie halten viele die Schönauer Initiative für das erfolgreichste Beispiel bürgerschaftlichen Engagements.

DLR-K

Mi. 14.12. - 19:30 Uhr
Währungsturbulenzen
Der Euro und die Entwicklung des Weltwährungssystems

Von Klaus Peter Weinert
Der Euro wird zehn Jahre alt: Am 1.1.02 wurde er in zwölf EU-Staaten zum alltäglichen Bar-Zahlungsmittel. Angesichts der Schuldenkrisen im Euro-Raum, der Rettungsschirme und der Unsicherheiten über die Zukunft der europäischen Währung ist dieses Jubiläum allerdings kein Anlass zum Feiern. Obwohl der Kurs des Euro gegenüber dem Dollar heute erheblich über dem Kurs vor zehn Jahren liegt und die Zahl der Euroländer auf 17 angewachsen ist.
Manche Ökonomen und nicht wenige Bürger sehen im Euro eine Fehlentscheidung von Anfang an.
Die Krise Griechenlands brachte für viele das Fass zum Überlaufen. Sind nationale Währungen krisenfester als die Gemeinschaftswährung?
Ein Blick in die Geschichte des Weltwährungssystems der letzten 150 Jahre zeigt, wie sehr das Schicksal einer Währung vom Weltwährungssystem abhängt und wie krisenanfällig das Weltwährungssystem ist.
Relativ stabile Verhältnisse herrschten nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Dollar als Leitwährung und festen Wechselkursen. Das 1944 beschlossene System von Bretton Woods brach jedoch 1971 zusammen. Nach dieser Zeitenwende häuften sich die Währungskrisen.
Ist der Euro die passende europäische Antwort darauf? Nur im Zusammenhang mit der Entwicklung des Weltwährungssystems kann man die Funktionsfähigkeit und Perspektiven des Euro einschätzen.

DLR-K

Do. 15.12. - 13:07 Uhr
Gemeinsames und getrenntes Lernen
Schulförderung für hochbegabte und für lernschwache Kinder

Von Verena Herb und Ita Niehaus
In der Kita sind noch alle zusammen. Doch schon in vielen Grundschulen wird es lernschwachen und behinderten Kindern schwer gemacht, am herkömmlichen Unterricht teilzunehmen. Dabei ist die UN-Konvention über die Inklusion, das gemeinsame Lernen, in Deutschland seit 2009 in Kraft.

Zahlreiche Studien zeigen, dass der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Handicap für alle vorteilhaft ist und die soziale Kompetenz fördert. Niedersachsen steht bundesweit an letzter Stelle, wenn es um die inklusive Bildung geht.

 

Ita Niehaus berichtet über eine Schule in Hannover, die trotz vieler Schwierigkeiten erfolgreich auf gemeinsames Lernen setzt. In Hamburg gibt es seit ein paar Monaten die OKO Private School.

 

Dort gehen 20 Überflieger zur Schule, die vorher in herkömmlichen Schulen nicht zurechtgekommen sind. Die Gründer der Schule haben lange dafür gekämpft, denn die Behörden sahen keinen Bedarf für solch eine Schule für Hochbegabte.

 

Auch Kinder aus Familien mit wenig Geld können diesen Schultyp besuchen, an dem der Unterrricht anders abläuft als in der Regelschule. Verena Herb hat sich diese Förderung für hochbegabte Kinder angeschaut.



DLR-K

Do. 15.12. - 19:30 Uhr


Education City
Der Wissenschaftsstandort in der Wüste Katars

Von Jan Lublinski

 

Das Emirat Katar will sich neuerdings Wissenschaft kaufen:

 

2,8 Prozent seines Bruttosozialproduktes wollen der Emir und seine Frau in Zukunft in Forschung investieren. Dieses liberale Machthaberpaar war schon immer für Überraschungen gut.

 

In den vergangenen Jahren haben sie den Frauen ihres Landes zunehmend mehr Rechte eingeräumt, mit dem unabhängigen Fernsehsender Aljazeera die arabische Medienwelt auf den Kopf gestellt, und auch die Fußball Weltmeisterschaft haben sie sich gekauft.

 

Derzeit stampfen sie die Education City aus dem Wüstenboden, einen weitläufigen Campus, auf dem derzeit vor allem große US-amerikanische Universitäten Außenstellen errichten: die George Washington University, das Weil-Cornell Medical College, die Texas A&M University.

 

Für viele Forscher bieten die Wüstenstaaten sehr gute Bedingungen: Den Aufbau von neuen Forschungsgruppen, neue Labors und junge motivierte Studenten, vor allem aus arabischen und asiatischen Ländern.

 

Aber auch in anderen Scheichstaaten setzt man jetzt auf akademische Ausbildung und Wissenschaft. Im erzkonservativen Saudi Arabien ist etwa die King Abdullah University of Science and Technology am Start. Die Golfstaaten erkennen, dass sie in Wissenschaft investieren müssen.

 

Aber kann es gelingen, mitten in einer arabischen Wüste einen Wissenschaftstandort zu etablieren? Und wie reagieren die neuen Universitäten auf die Revolutionen in der arabischen Welt?



DLF

Fr.16.12.2011 · 19:15 Uhr


Ruanda - Ein Land sucht seine Zukunft
Wo Mörder und Überlebende Nachbarn sind

Von Gaby Mayr und Günter Beyer

 

Verscharrt. In Latrinen versenkt. Verwest im Bananenhain. 800.000 Menschen, meist Tutsi, wurden 1994 im ostafrikanischen Ruanda getötet. Ein Völkermord, der das Land in den Abgrund stürzte. Heute herrscht Frieden in Ruanda, aber der Genozid wirkt fort.

 

Der Bauer lebt Haus an Haus mit dem Mörder seiner drei Kinder. Der junge Bankkaufmann verliert seinen Job, weil sein Vater als Völkermörder verurteilt wurde. Die Bäuerin findet ihre Ziege mit durchschnittener Kehle, nachdem sie als Laienrichterin Urteile fällte. Der einstige Tutsi-Rebell und heutige Rechtsanwalt begreift, dass auch Hutu Leid zugefügt wurde.

 

Und die Sozialarbeiterin, die nur knapp den Macheten der Milizen entkam, stößt in einem Straflager auf einen Mörder ihrer Familie und macht später Karriere als Bürgermeisterin in der boomenden Hauptstadt.

 

Günter Beyer und Gaby Mayr haben auf ihrer Reise ins "Land der tausend Hügel" Zeugnisse des Schreckens und Zeichen der Hoffnung gesehen. Sie haben verstörende Nachrichten mitgebracht aus einem Land, dessen Zukunft längst begonnen hat.

 

Koproduktion Radio Bremen/DLF/SWR 2011



DLR-K

Do. 22.12. - 19:30 Uhr


Der Living Earth Simulator
Forscher arbeiten an einem Computermodell der Menschheit

Für eine Milliarde Euro wollen mehrere Hundert Forscher aus Europa eine Software entwickeln, mit der sich die ganze Welt simulieren lässt: Die Finanzmärkte, das Ausbrechen internationaler Konflikte oder die Verbreitung von Seuchen werden mithilfe großer Datenmengen modelliert und sollen damit langfristig die Sozialwissenschaften revolutionieren.



DLF

So. 25.12.2011 · 09:30 Uhr


Tun und Lassen (1/2) Das entflammte Selbst:
Über Ehrgeiz und Arbeitssucht

Von Svenja Flaßpöhler

 

Mehr denn je leben wir heute in einer Kultur des Machens, des unausgesetzten Tuns, der hektischen Betriebsamkeit und nimmermüden Arbeitseifers. Dass wir durch die moderne Technik Zeit einsparen, führt nicht dazu, dass wir mehr müßiggehen, gerade umgekehrt sind wir getriebener denn je.

 

Nichtstun und Langeweile macht uns nervös, denn nur wenn wir aktiv sind, fühlen wir uns anerkannt und lebendig. Hochmotiviert verausgaben wir uns am Schreibtisch und beim Sport, kommunizieren, organisieren, optimieren, sind entflammt für unsere Arbeit - manchmal bis zum Burnout.

 

Aktivität, so scheint es, bedeutet Leben. Passivität, gar Stillstand, bedeutet Tod. Aber stimmt das wirklich? Die Gesprächsreihe von Svenja Flaßpöhler geht der Dynamik des heutigen "Yes, you can!"-Aktionismus" auf den Grund und beleuchtet die passive Seite der menschlichen Existenz.

 

Die Themen der Gespräche mit Miriam Meckel und Alice Lagaay sind Ehrgeiz und Arbeitssucht sowie die Kunst des Lassens.

 

Die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler

 

Teil 2 am 26.12.11



DLF

Mo. 26.12.2011 · 09:30 Uhr

 

Tun und Lassen (1/2)


Die Kunst der Passivität

DLF

Mo. 26.12.2011 · 23.05 Uhr


Stephane Hessel - Ein Mann, seine Geschichte und sein Jahrhundert

DLF

Di. 27.12. - 19.15 Uhr


Millionäre und Milizen
Marktwirtschaft radikal in Beirut


DLR-K

Mi. 28.12. - 19.30 Uhr

 

Spieler, Störer, Grenzverletzter


Besetzen Hacker den letzten Raum für gesellschaftliche Utopien?

 

November 2011

DLR-K
Mi. 02.11. - 19:30 Uhr
Zeitreisen
aufnehmen
Vom Ritual zum Massenkonsum
Wie beeinflusst die Gesellschaft den Drogengebrauch?

Von Ole und Yana Schulz
Dass keine Gesellschaft ohne Drogen auskommt, ist inzwischen unter Kulturhistorikern und Suchtforschern weitgehend anerkannt. Allerdings hat sich der Drogenkonsum im Laufe der Geschichte verändert, und jede Epoche hat spezielle Rauschmittel, die ihr ihren Stempel aufdrücken und in denen sich die gesellschaftlichen Zustände spiegeln.
Das lässt sich auch an den letzten Dekaden ablesen: Galten Hasch und LSD in der Aufbruchsstimmung seit den 60er-Jahren als Hilfsmittel zur Befreiung und Bewusstseinserweiterung, war das Ego-stärkende Kokain in den Achtzigern der Schmierstoff für den aufstrebenden Turbokapitalismus, bis in den "individualisierten" 90er-Jahren mit der Techno-Bewegung eine Droge wie Ecstasy das Aufgehen des Einzelnen in der Masse zelebrierte.
Wovon genau ist es abhängig, ob und wann eine berauschende Substanz zu einer populären Droge wird? Wie beeinflusst die Gesellschaft den Drogengebrauch? Und wer beschäftigt sich mit der Entwicklung neuer Rauschmittel?

DLF
Fr. 04.11.2011 · 19:15 Uhr
Das Gift des Abzugs
Afghanistan auf dem Weg zu neuer Instabilität

Von Martin Gerner
Zehn Jahre nach der US-Intervention am Hindukusch soll die Afghanistan-Konferenz auf dem Bonner Petersberg Anfang Dezember die Übergabe der Verantwortung für das Land an die Karsai-Regierung sanktionieren. Dabei zeichnet sich neue Instabilität ab.
Wie Sicherheit und "good governance" etabliert werden könnten, ist nicht erkennbar. Dazu beigetragen hat die politische, militärische und kulturelle Hybris, die der westlichen Afghanistanpolitik zugrunde lag und liegt. Der Westen will eine Verhandlungslösung mit den Taliban und glaubt sie mit einer "kill and capture"-Strategie durchsetzen zu können.
Eine Mehrheit der Afghanen fürchtet dagegen die Rückkehr der Fundamentalisten und damit unter anderem die Aufgabe der Frauenrechte, die sich der Westen seit 2001 auf die Fahnen geschrieben hat. Erstmals ziehen junge Frauen aus der afghanischen Zivilgesellschaft durch die Straßen von Kabul und klagen ihre Rechte ein.

DLF
Sa. 05.11.2011 · 11:05 Uhr
Spekulanten im Paradies: Der Kampf der Sarden um ihre Insel
Mit Reportagen von Karl Hoffmann
Herrliche Strände, gastfreundliche Menschen und schöne Hotels: Sardinien ist für viele Urlauber eine Trauminsel im Mittelmeer. Im Sommer treffen sich die Reichen aus aller Welt an der Costa Smeralda, in den Häfen liegen die Luxusyachten der Jetsetter, Silvio Berlusconi hat sich dort eine Prachtvilla errichtet, die hunderte von Millionen Euro wert sein soll.
Doch außerhalb der Saison und abseits der Küsten ist Sardinien ein armes Land. Die 1,5 Millionen Sarden profitieren nicht vom Bauboom der Investoren, im Gegenteil: Sie müssen zunehmend um den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen kämpfen. Die Arbeiter in den Chemieunternehmen und Bergwerken, die lange vor dem Touristenboom gebaut wurden, fürchten um ihre Arbeitsplätze.
Und die Schäfer, Hüter der Natur in den einsamen Bergregionen im Landesinneren, wehren sich gegen internationale Milchmafia und staatlich geförderte Schlachtprogramme. Der Protest richtet sich gegen die Invasoren vom Festland und gegen die Kapitalanleger, die sich mit Bodenschätzen und Luxushotels Gewinne erhoffen, ohne sich Gedanken um die Zerstörung der Natur und die Entfremdung der einheimischen Bevölkerung von ihrer Heimat zu machen.

DLF
Do. 10.11. - 10:10 Uhr
Marktplatz
Einfach und unkompliziert -der Wechsel des Strom- oder Gasanbieters
Am Mikrofon: Günter Hetzke
Hörertel.: 00800 - 4464 4464
Hörerfax: 00800 - 4464 4465
marktplatz(a)dradio.de

DLF
Sa. 
12.11.2011 · 11:05 Uhr
Eine Pipeline durch die Ostsee
Russisches Gas für Europa

Mit Reportagen von Andrea Rehmsmeier
Gerhard Schröders umstrittene Nähe zum russischen Gasmonopolisten Gazprom, die Proteste der Anrainerstaaten, die Bedenken der Umweltschützer - die Ostseepipeline, die neue Gasleitung des russisch-deutschen Gemeinschaftsunternehmens Nord Stream AG, war einmal ein europäisches Skandalprojekt.
Inzwischen strömt über den Meeresboden das erste sibirische Gas in Richtung Greifswalder Bodden - und es kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn der deutsche Atomausstieg hat den umweltschonenden Rohstoff zu einer der wichtigsten Säulen der Stromversorgung gemacht. Russland garantiert den Deutschen die stabile Versorgung über Jahrzehnte. Aber es verlangt einen hohen Preis.

DLF
So. 13.11. - 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (1/3)
1. Jenseits des Homo Oeconomicus

Der Wirtschaftsjournalist Martin Wolf im Gespräch mit Stefan Fuchs
(Teil 2 am 20.11.2011)

DLR-K

Mo.14.11. - 19:30 Uhr
2056 - Arm oder Reich
Was wird aus der Rente?

Von Johannes Nichelmann
2056 - ich kann in Rente gehen. Vielleicht. Wenn wir den Prognosen glauben, werden dann in Deutschland viele alte Menschen leben, die von der Altersarmut bedroht sind. Eine Rente zum Leben wird es womöglich nicht mehr geben. Rentenvorsorge wurde immer mehr zur Privatangelegenheit. Der Generationenvertrag wurde gekündigt. Lässt sich das noch stoppen? Was wurde unternommen, um die Altersarmut zu verhindern? Was wird aus den Rentnern der Zukunft?
Ein Blick zurück, aus dem Jahr 2056, meinem wahrscheinlichen Renteneintrittsalter.

DLF
Sa. 19.11.2011 · 11:05 Uhr
Nicht Pole. Nicht Deutscher. Schlesier.
Die junge Autonomiebewegung in Oberschlesien

Von Anja Schrum und Ernst-Ludwig von Aster
Das Stadion brauchte neue Plastiksitze. Die alten rot-weißen waren brüchig geworden. Die Stadtverwaltung stimmte für eine blau-gelbe Bestuhlung und sorgte damit polenweit für Schlagzeilen. Und für politische Proteste in Warschau.
Denn die Fußballarena ist das "Schlesische Stadion" unweit von Kattowitz.Rot-weiß sind die traditionellen polnischen Farben, gelb-blau aber jene Oberschlesiens. Der Stuhlstreit ums Stadion zeigt das neue Selbstbewusstsein in der alten Bergbauregion.
Seit den Regionalwahlen Ende letzten Jahres ist die "Bewegung für die Autonomie Schlesiens" (RAS) nicht nur erstmals im Regionalparlament, sondern auch in der Regional-Regierung vertreten. Ihre Abgeordneten fordern die offizielle Anerkennung der Regionalsprache Schlonsakisch, die aus einer Mischung aus Altpolnisch, Tschechisch und Deutsch besteht, sowie eine "Würdigung" aller Oberschlesier unabhängig von ihrer Nationalität.   

DLF
So. 20.11.2011 · 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (2/3)
Ökonomie - Sozialwissenschaft wider Willen?

Der Wirtschaftswissenschaftler André Orléans im Gespräch mit Stefan Fuchs
Noch 2008 feierten Wirtschaftswissenschaftler am renommierten Massachusetts Institute of Technology enthusiastisch die Fortschritte in allen wichtigen Forschungsfeldern ihrer Disziplin. Es gäbe einen breiten Konsens in zentralen Fragen, das Problem der Rezessions-Prävention sei praktisch gelöst.
Nur wenig später begannen die Finanzmärkte zusammenzubrechen. In der größten Weltwirtschaftskrise seit 1928 stand die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler nackt da. Die moderne Volkswirtschaftslehre mit ihren hochkomplexen mathematischen Modellen, ihrem Glauben an die Rationalität der Wirtschaftssubjekte wurde zum ersten Opfer der Krise.
Die Ökonomie, wie sie vor allem an amerikanischen Elite-Universitäten seit mehr als drei Jahrzehnten gelehrt wurde, hat die Gefahr nicht nur nicht vorhergesehen, sie hat die Katastrophe entscheidend mitverursacht. An den Rändern der Disziplin hat inzwischen ein Umdenken begonnen.
Stefan Fuchs unterhält sich darüber mit dem Chefredakteur von Financial Times, Martin Wolf, und den Wirtschaftswissenschaftlern André Orléans und John K. Galbraith.
(Teil 3 am 27.11.11)

DLR-K

Mo. 21.11. - 19:30 Uhr
Entscheiden oder Mitreden?
Über Macht und Ohmacht des Bundestages

Von Mandy Schielke 
"What is left for national public policy?" fragte schon 1988 der Brüsseler Kommissionspräsident Jacques Delors. Die Kritik, die in dieser Frage schon damals steckte, ist inzwischen lauter geworden. Immer mehr Abgeordnete klagen über ihre schleichende Entmachtung - nicht nur durch die EU: So spannt die Bundesregierung milliardenschwere Rettungsschirme für angeschlagene Eurostaaten, ohne die gewählten Volksvertreter zu Rate zu ziehen.   Andererseits erwecken die Abgeordneten gelegentlich auch den Eindruck, dass sie ihre Kompetenzen gar nicht so ungern abgeben - zumindest wenn es um komplexe, kontroverse Themen geht. Die werden nämlich immer häufiger an Expertengremien delegiert. "Kommissionitis" nennen Beobachter diese selbst verursachte Ohnmacht des Parlaments. Was also bleibt übrig für die Volksvertretung?

DLF
Di. 22.11.2011 · 19:15 Uhr
Die entfesselte Ente oder:
Die Verteidigung der Pressefreiheit in Frankreich

Von Ruth Jung
Die Eindringlinge waren zielstrebig zu Werke gegangen. Bei Einbrüchen in Redaktionen und Wohnungen im Herbst 2010 wurden stets Laptops, CDs und Festplatten entwendet. "Zufällig" recherchierten alle betroffenen Journalisten zum Bestechungsskandal um die L'Oréal-Erbin Bettencourt. Der "Krimi in Sarkozys Schatten" markiert einen Tiefpunkt.
Auf Rang 44 stufte Reporter ohne Grenzen Frankreich im Jahresbericht 2010 ein - hinter Namibia und Papua-Neuguinea. Der amtierende Präsident mag keine kritischen Journalisten; wichtige Posten in den Medien besetzte er mit guten Freunden.
Da passt ins Bild, was die satirische Wochenzeitung Le Canard Enchainé im November 2010 enthüllte: Seit Langem werde der Geheimdienst gezielt auf störende Journalisten angesetzt. Überhaupt ist der Canard Enchainé eine der letzten Bastionen kritischen Denkens.
Italienische Zustände im Geburtsland der Pressefreiheit?
DLF 2011

DLR-K

Do. 24.11. - 13:07 Uhr
Weltoffenes Sachsen?
Der schwierige Kampf gegen die extreme Rechte

Von Claudia Altmann 
Alternative Jugendliche aus Limbach-Oberfrohna wollen die sächsische Kleinstadt nicht der rechten Szene überlassen. Dafür beziehen sie regelmäßig Prügel, werden als Nestbeschmutzer und Linksextreme angeprangert, ihre Familien werden bedroht. Die Stadtväter haben das Ausmaß des Problems jahrelang unterschätzt. Die Landesregierung hat der Stadt Unterstützung zugesagt, plant jedoch zugleich, die Polizeipräsenz zu reduzieren. Ein ›Länderreport‹ über den schwierigen Kampf gegen Rechts und die Entstehung starker rechter Szenen.

DLF
Fr. 25.11. - 19:15 Uhr
Das Medienquartett: Medien und Medienpolitik zur Diskussion
u.a. mit Tissy Bruns, Tagesspiegel, und Hans Janke, ehem. Fernsehspielchef des ZDF
Moderation: Christian Floto

DLF
Fr. 25.11. - 20:10 Uhr
"Milomaki" Vom Vergessen und Verschwinden
Von Merzouga Regie: die Autoren DLF 2010 
Die historischen Wachszylinderaufnahmen im Berliner Phonogramm- Archiv sind für den Hörer heute sinnlich-poetische Zeugnisse des Verschwindens jahrtausendealter Kulturen. Hier finden sich auch Aufnahmen der Feuerlandindianer, die vor 100 Jahren Opfer eines regelrechten Genozids weißer Siedler und Groß grundbesitzer wurden. Der heute beinahe vergessene Missionar Martin Gusinde hat mit den Feuerlandindianern gelebt, ihre Sprache gelernt und ihre Kultur kurz vor ihrem Untergang akribisch genau dokumentiert.   Das Duo Merzouga nähert sich dem Thema des Vergessens und Verschwindens - u.a. mit dem Mythos "Milomaki" - auf künstlerische Weise. Die beiden Musiker holen die akustisch patinierten Wachszylinder aus dem Archivschrank und setzen die uralten Gesänge behutsam in den Kontext zeitgenössischer Musik. Für ihre Produktion wurden sie mit dem Prix Marulic' 2010 ausgezeichnet.

DLF
So. 27.11.2011 · 09:30 Uhr
Wirtschaftsweise ratlos? (3/3): Mythos freier Markt
Der Wirtschaftswissenschaftler James K. Galbraith im Gespräch mit Stefan Fuchs
Von Stefan Fuchs
Noch 2008 feierten Wirtschaftswissenschaftler am renommierten Massachusetts Institute of Technology enthusiastisch die Fortschritte in allen wichtigen Forschungsfeldern ihrer Disziplin. Es gäbe einen breiten Konsens in zentralen Fragen, das Problem der Rezessionsprävention sei praktisch gelöst.
Nur wenig später begannen die Finanzmärkte zusammenzubrechen.
In der größten Weltwirtschaftskrise seit 1928 stand die überwältigende Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler nackt da. Die moderne Volkswirtschaftslehre mit ihren hochkomplexen mathematischen Modellen und ihrem Glauben an die Rationalität der Wirtschaftssubjekte wurde zum ersten Opfer der Krise.
Die Ökonomie, wie sie vor allem an amerikanischen Eliteuniversitäten seit mehr als drei Jahrzehnten gelehrt wurde, hat die Gefahr nicht nur nicht vorhergesehen, sie hat die Katastrophe entscheidend mitverursacht.
An den Rändern der Disziplin hat inzwischen ein Umdenken begonnen.
Stefan Fuchs unterhält sich darüber mit dem Chefredakteur der Financial Times, Martin Wolf, sowie den Wirtschaftswissenschaftlern André Orléans und John K. Galbraith.

DLR-K

Mo. 28.11. - 19:30 Uhr
Das Ringen um Rohstoffe
Wie Deutschland die Versorgung seiner Industrien sichern will

Von Jan-Uwe Stahr 
Obwohl es wenige Nachrichten von der Front gibt, ist der internationale Kampf um Rohstoffe in vollem Gang. Und er wird immer rücksichtsloser geführt. Mit staatlichem Einfluss, Geld und Waffenlieferungen sichert sich das mächtige Boomland China die Versorgung seiner Industrien. Andere Industrienationen fürchten, bald das Nachsehen zu haben. Diesem neuen "Rohstoff-Imperialismus" müsse endlich etwas entgegengesetzt werden, fordern deutsche Industrielobbyisten. Die Bundesregierung reagiert: An der Bundesanstalt für Geologie und Rohstoffe in Hannover wird derzeit eine Rohstoff-Agentur aufgebaut. Der Industrie soll geholfen werden, sich einen Platz an der Sonne zu sichern. Zu welchem Preis?

DLF
Di. 29.11.2011 · 19:15 Uhr
Zukunft im Selbstversuch
Vom Leben in Transition Towns

Von Ursula Rütten
Mal eben ans Flussufer gehen und Salat, Gemüse und Küchenkräuter aus öffentlichen Rabatten ernten - so weit wie die südenglische Kleinstadt Totnes ist man in Berlin-Kreuzberg noch nicht.
Auch strohgedeckte Lehmsteinhäuser und andere Niedrigenergiebausysteme haben im urbanen Berlin noch nicht Schule gemacht. Aber der Weg zum Ziel einer umwelt- und menschenfreundlich umgestalteten Solidargemeinschaft nach ökologischen Selbstversorgungsprinzipien folgt den gleichen Koordinaten: dem Konzept von Rob Hopkins aus Totnes. Dem Gründer der inzwischen internationalen Transition-Town-Bewegung.
Als erste Initiative in Deutschland proben die KiezwandlerSO36 in Berlin-Kreuzberg seit 2008 den Übergang ins postfossile Zeitalter.
WDR/DLF 2011

DLR-K
Mi. 30.11. - 19:30 Uhr
Humanitäre Hilfe und Hass auf die Helfer
Wie sich die Einsätze der Ärzte ohne Grenzen verändert haben

Von Peggy Fuhrmann 
Im Dezember 1971 gründeten Ärzte und Journalisten in Paris die Organisation Médecins Sans Frontières - kurz MSF. Eine Reaktion auf den Biafra-Krieg. Heute ist Ärzte ohne Grenzen ein Netzwerk mit Sektionen in 19 Ländern. In mehr als 60 Ländern leistet die Organisation medizinische Hilfe und fördert medizinische Ausbildung. Ärzte ohne Grenzen erhielt den Nobelpreis und wurde für die Qualität der Informationen über Projekte und verwandte Geldmittel mit einem Transparenzpreis ausgezeichnet. Anders als das Internationale Rote Kreuz, das unter allen Umständen strikte Neutralität praktiziert, sieht MSF auch das Witnessing (Zeuge sein) im Rahmen der medizinischen Nothilfe als wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Durch Gespräche mit Verantwortlichen, durch Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar Rückzug aus einem Einsatzgebiet. Es ist eine schwierige Gratwanderung zwischen gebotener Neutralität und der selbst gesetzten Verpflichtung, massive Missstände publik zu machen. Vor allem hat sich die weltweite humanitäre Hilfe in den letzen 40 Jahren tiefgreifend verändert. Es gibt heute mehr humanitäre Hilfe als je zuvor, aber nicht unbedingt immer dort, wo sie am dringendsten benötigt wird. 
Denn viele Konflikte haben sich verändert: Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfsorganisationen werden oft nicht mehr respektiert. Sie werden heute in Konfliktregionen oft nicht nur nach der Effektivität ihrer Unterstützung bewertet, sondern auch danach, aus welcher Weltregion sie kommen. Hinzu kommt, dass viele Regierungen humanitäre Hilfe zum Bestandteil ihrer Einsätze in Kriegs- und Krisenregionen deklarieren. Der ehemalige US-Außenminister Colin Powell brachte diese Haltung auf den Punkt, als er 2001 sagte: "Nichtregierungsorganisationen sind ein Machtmultiplikator, ein wichtiger Teil unserer Kampftruppen."  Das lehnt Ärzte ohne Grenzen ab. Dennoch, so sagen Mitarbeiter, schlage ihnen in bestimmten Weltregionen Hass entgegen.

 

Oktober 2011

DLF
Mo. 03.10.2011 · 11:05 Uhr
Kranichflug unter dem Hakenkreuz
Die verdrängte NS-Geschichte der Lufthansa

Von Heike Mund
Als am 1.4.1955 die erste Lufthansa-Maschine wieder auf dem Flughafen Frankfurt landen durfte, wurde das als Start in eine erfolgversprechende Firmengeschichte gefeiert. Die Deutsche Lufthansa stand für die blitzsaubere Wirtschaftswunderzeit. Erst 1999 - durch die Sammelklage ehemaliger jüdischer Zwangsarbeiter - kam ein verschwiegenes Kapitel an die Öffentlichkeit.
Es zeigte wie eng die "alte" Lufthansa, die 1926 gegründet worden war, mit der Kriegsmaschinerie der Nazis und der Geschichte des Dritten Reiches verstrickt war.
Lufthansa-Chef Erhard Milch war Staatssekretär im Reichsluftfahrtministerium und Stellvertreter Görings. Er hatte Tausende von Zwangsarbeitern in die kriegswichtigen Reparaturwerkstätten der Lufthansa abkommandiert.
In den Zwangsarbeiterfonds hat die Deutsche Lufthansa AG zwar eingezahlt, aber viele der Betroffenen warten bis heute vergeblich auf Entschädigung oder wenigstens eine Geste der Entschuldigung.
Jetzt bringt ein engagierter Rechtsanwalt - stellvertretend für die letzten überlebenden Zwangsarbeiter - den "Fall Lufthansa" erneut vor Gericht.
DLF 2011

DLF
Di. 04.10.2011 · 19:15 Uhr
Der Tanz um das "Goldene Grab"
Wem nützt der Sarkophag von Tschernobyl?

Von Nicolaus Schröder
Für 550 Millionen Euro soll die Welt vor den Strahlen aus der Ruine des Kernkraftwerks Tschernobyl geschützt werden. Allein 42,4 Millionen Euro will Deutschland übernehmen. Der neue Sarkophag wird gebraucht, weil der alte instabil und undicht ist und weil sich allein in dem zerstörten Reaktorblock IV noch 200 Tonnen Kernbrennstoff befinden sollen, dessen Strahlung eine erhebliche Gefahr darstellt.
Das ist die offizielle Begründung. Konstantin Tschetscherow, ein Wissenschaftler des Kurtscharow-Instituts für Kernforschung in Moskau, hat den zerstörten Reaktor mehrfach gründlich untersucht. Dass noch 200 Tonnen Kernbrennstoff in der Ruine lagern, bezweifelt er, entsprechende Strahlenwerte konnte er nicht messen. Doch wo ist das Material geblieben?
Seine Theorie: Im Laufe des Unglücks von 1986 kam es zu einer Explosion, die nahezu das gesamte Brennmaterial aus dem Reaktor schleuderte und in der Umwelt verteilte. Tschetscherow vermutet noch höchstens vier bis fünf Prozent des Materials in der Reaktorruine.
Aber wofür wird dann der neue 550-Millionen-Sarkophag gebraucht, was soll in ihm begraben werden?
Wer hat die internationalen Regierungen eigentlich bei ihren Geldzusagen beraten?
Wirklich unabhängige Untersuchungen hat es in Tschernobyl jedenfalls nie gegeben.

DLF 2011
DLR-K
Di. 04.10.11. - 13:07 Uhr
Kliniksterben in Süddeutschland
Schramberger kämpfen gegen die Schließung ihres Krankenhauses

Von Andrea Steinert
Nach dem neuesten Krankenhausreport des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung werden viele Kliniken in Deutschland schließen müssen.
Besonders betroffen sind nach dem Bericht Kliniken in Baden-Württemberg.
In Schramberg, einem Ort im Schwarzwald, soll das Krankenhaus zum Jahresende geschlossen werden. Die Kommune hatte das nicht rentable Haus zusammen mit einer weiteren Klinik an den privaten Krankenhausträger Helios verkauft.
Der hat sich nun entschieden, nur eines der beiden Krankenhäuser weiterzuführen. Seither laufen die Bürger Sturm gegen diese Entscheidung, eine Initiative kämpft für den Erhalt. Wie wirkt sich die Klinikschließung auf die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt aus?
Überlebt nur noch, wer rentabel arbeitet und sich auf Bereiche wie Orthopädie und Neurologie konzentriert, mit denen man gut Geld verdienen kann?
Welche positiven Folgen kann eine Privatisierung haben?
Diesen Fragen geht der "Länderreport" nach.

DLR-K
Do. 06.10.11 - 19:30 Uhr
Synthetische Biologie - auf dem Weg zum künstlichen Leben? (2/2)
Gezüchtete Organe nach Maß

Von Lydia Heller
Beim sogenannten Tissue Engineering werden aus einzelnen Zellen, die auch tierischen Ursprungs sein können, Gewebe oder sogar ganze Organe gezüchtet.
Während einige Wissenschaftler bereits das Ende der klassischen Organtransplantation prophezeien, sehen andere darin die Auflösung unseres Menschenbildes.

DLF
Fr. 07.10.2011 · 19:15 Uhr
Umgedrehte Landschaft
Vom Entstehen des Lausitzer Seenlandes

Von Rosemarie Mieder und Gislinde Schwarz
Am 12. Oktober 2010 geschieht im einstigen Tagebau Spreetal in der Niederlausitz etwas, womit niemand gerechnet hat: Viele Meter tief bricht auf altem Kippengelände der Untergrund. Wassermassen drängen und schießen nach oben, verwandeln über 100 Hektar Wald-, Wiesen- und Ackerfläche in eine Schlammwüste, kippen Lastwagen um und verschlingen 83 Schafe.
4,5 Millionen Kubikmeter Erde rutschen innerhalb von Minuten weg - und erschüttern den Glauben an das, was hier gerade entsteht: ein riesiges Seengebiet, das Touristen in die strukturschwache Gegend locken soll.
Vor allem aber wirft der Grundbruch die Frage auf, wie kalkulierbar die Folgen jahrzehntelanger Landschaftszerstörung durch die Braunkohle überhaupt sind.
DLF 2011

DLR-K
Mo. 10.10.11 - 19:30 Uhr
Leistungsträger
Über die arbeitende Klasse

Von Thomas Klug
Das Publikum erfährt, dass die Leistungsträger viel zu viel Steuern zahlen, dass sie 60 Stunden pro Woche arbeiten und eine enorme Verantwortung auf ihnen lastet.
So lamentierend stehen sie in gut sitzenden Anzügen, mit dicken Uhren vor den Kameras, als würden sie gleich zwangsversteigert. Leistungsträger sind offenbar die, die am lautesten klagen, stellt das erstaunte Publikum fest. Wer auch sonst?
In der öffentlichen Debatte kommt der Teil der Bevölkerung, der einst Arbeiterklasse genannt wurde, kaum vor - und in den Fernsehserien schon gar nicht: Da wimmelt es von Ärzten, Anwälten, Kriminalkommissaren. Aber Handwerker? Verkäuferinnen? Krankenschwestern?
Fließbandarbeiter? Aus dem öffentlichen Bewusstsein scheinen sie völlig verschwunden.
Zeit, sich auf die Suche zu begeben nach der arbeitenden Bevölkerung und dem Bild, was wir von ihr haben.


DLR-K
Do. 13.10.11 - 13:07 Uhr
Neuer Tanz auf dem Vulkan
Streit um Lavaabbau in der Eifel

Von Ludger Fittkau
Lava ist ein beliebter Rohstoff für den Straßenbau. In 32 Gruben wird in der Vulkaneifel Lava abgebaut. Nach Plänen des rheinland-pfälzischen Landesamtes für Geologie und Bergbau in Mainz soll die sogenannte Rohstoffvorrangfläche in der Eifel nun von 400 auf 2000 Hektar erweitert werden. Das könnte bedeuten, dass in der Region künftig auf einer Fläche Tagebau betrieben wird, die mehr als 2000 Fußballfelder groß ist.
Umweltschützer und Touristiker laufen gegen diese Pläne Sturm. Bestseller-Autor Jacques Berndorf hat seinen jüngsten Eifel-Krimi dem Thema gewidmet. "Hier werden uns die Berge geklaut", sagt der Autor, der selbst mitten in der Vulkaneifel lebt.
In den nächsten Monaten wird die Entscheidung darüber fallen, ob die umstrittenen Pläne wirklich umgesetzt werden und damit das Schicksal einer einzigartigen Vulkanlandschaft besiegelt wird.


DLR-K

Sa. 15.10.2011 · 18:05 Uhr
Keine Heimat, nirgendwo
Die Roma in Frankreichs Lagern (Ursendung)

Von Clarisse Cossais
Im Sommer 2010 schlugen zehn Roma-Familien ihre Zelte in der Nähe der Stadt Blois im Loire-Tal auf. Sie waren aus einem großen Roma-Lager nach Rumänien abgeschoben worden und nach kurzer Zeit nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie auf ein menschenwürdiges Leben hofften.
Aber Präsident Sarkozy, der im Vorfeld zu den Wahlen 2012 auf Stimmenfang ist, droht mit erneuter Abschiebung.
Die Autorin hat die Familien und ihre Helfer in der Nähe von Blois getroffen und sie im Alltag begleitet.
Die Menschen erzählen davon, wie sie versuchen, der Abschiebungswelle zu trotzen.
Clarisse Cossais, geboren 1969 in Marseille, studierte Germanistik, lebt seit 1991 in Berlin.
Für ihr Feature "La Sehnsucht. Franzosen in Berlin" (SWR 2008) erhielt sie den deutsch-französischen Journalistenpreis 2009.

DLR-K
Mo. 17.10.11 - 19:30 Uhr
"Schwärmt aus!"
Chinesische Unternehmen auf Einkaufstour in Deutschland

Von Caspar Dohmen
Als China 2001 der Welthandelsorganisation WTO beitrat, rief die chinesische Regierung die Strategie Zou Chu Qu ('Schwärmt aus!') aus. Seitdem gehen die Unternehmen auf Einkaufstour, sichern sich Minen, Land oder Unternehmen.
In letzter Zeit schauen sie öfter in Deutschland vorbei auf der Suche nach Markennamen und Technik "Made in Germany". Im Juli hat erstmals eine chinesische Firma einen börsennotierten deutschen Konkurrenten übernommen: Lenovo, ein Unternehmen, das einer Holding gehört, die unter der Kontrolle der Chinesischen Akademie der Wissenschaften steht, führt jetzt beim Elektronikhändler Medion Regie.
Deutsche Medien warnen schon vor einer chinesischen Invasion. Sind die Sorgen berechtigt? Welche Interessen verfolgen die Chinesen? Was bedeutet dies für die deutsche Wirtschaft? Caspar Dohmen hat sich auf die Suche nach Antworten begeben und mit Unternehmern, Beschäftigten, Experten und Politikern gesprochen.

DLF
Di.
18.10.2011 · 19:15 Uhr
Der Oberst betet
Die neuen Helden der Bundeswehr

Von Marc Thörner
Kundus, 4. September 2009. Oberst Georg Klein, der Kommandeur des deutschen Stützpunkts, meldet dem ISAF-Hauptquartier fälschlich "Feindkontakt", um den Luftangriff auf eine Menschenansammlung befehlen zu dürfen. Dann geht er in die Lagerkapelle und betet.
140 Afghanen sterben, unter ihnen viele Zivilisten. Warum wurde der deutsche Oberst nie bestraft? Wieso gilt er vielen in der Bundeswehr nicht als Täter, sondern als Opfer, als eine Märtyrerfigur?
Der Umgang mit dem Kommandeur fügt sich ein in eine schleichende Veränderung der Militärdoktrin, die sich jenseits der Bundeswehrreform auf einer ideologischen Ebene abspielt.
Obwohl auf die "Verteidigung des Rechtes und der Freiheit des deutschen Volkes" eingeschworen, arbeiten deutsche Offiziere mit kriminellen Milizenführern zusammen, unterstützen mafiöse Machthaber und leisten fundamentalistischen Tendenzen Vorschub.
Dafür bedarf es anderer Helden und Leitbilder als bisher - gelegentlich auch solcher, die an dunkle Kapitel der deutschen Vergangenheit erinnern.
DLF 2011

DLR-K

Mi. 19.10.11 - 19:30 Uhr
Das überschätzte Projekt
Wie der Neoliberalismus sich und die Welt veränderte

Von Klaus Peter Weinert
Seit der weltweiten Finanzmarktkrise, die den Bürgern Milliarden an Steuergeld kostet,stellt sich die Frage neu: Inwieweit liegt im Aufstieg und der gesellschaftlichen Akzeptanz des Neoliberalismus das eigentliche Problem? Wie entwickelte sich eine Willkür der Märkte?

DLR-K

Do. 20.10.11 - 19:30 Uhr
Abrieb des Alltags
Was die Soziologie am Müll der Menschen abliest

Von Nora Bauer
Wie entscheiden wir, was Müll ist? Die weggeworfenen Reste unseres täglichen Lebens mögen uns nicht mehr nützen. Aber unser Mülleimer ist eine wahre Fundgrube, die tiefe Einsichten über uns offenbart: Schichtzugehörigkeit, Wertekatalog, Alltagsgewohnheiten.
Das alles ist ablesbar aus dem Abrieb unseres Alltags. Dem britischen Sozialanthropologen Michael Thompson verdanken wir die Erkenntnis, dass für die Gegenstände unserer Kultur nur zwei Kategorien gelten: dauerhaft oder vergänglich.
Nicht die Natur, so Thompson, sondern unsere Weltsicht verleiht den Objekten diese Eigenschaften. Das hat Folgen für die Gesellschaft und unsere Position darin.
Der schottische Soziologe John Scanlan wendet diese Perspektive auf Ideen und Konzepte an.
Der Umweltingenieur Werner Bidlingmaier macht die Probe aufs Exempel: Er untersucht Mülleimer - und vermeidet Müll.

DLF
Fr. 21.10.2011 · 19:15 Uhr
Fair handeln - aber wie?
Eine Idee zwischen Ideal und Kommerz

Von Caspar Dohmen
Am Anfang setzten Menschen ein Zeichen für faire Handelsbeziehungen: Zwischen Produzenten im Süden und Verbrauchern im Norden. Ihre Devise: Statt Marktpreise faire Preise. Nicaraguakaffee etabliert sich neben der Jutetasche als Zeichen der Solidarität.
Schon bald finden die Waren den Weg aus den Weltläden in die Supermärkte.
Heute steht der faire Handel vor einem Scheideweg: Taugt die für den Süden geborene Idee auch für die Bauern im Norden?
Sollen im Süden in großem Stil Plantagen für den fairen Handel zertifiziert werden, weil der Markt es verlangt? Wird der Ansatz verwässert? Können die Bauern sich den fairen Handel noch leisten? Über den richtigen Befund und Kurs gibt es Streit in der Bewegung.
Gleichzeitig schlagen Unternehmen und einige Kleinproduzenten neue Pfade beim fairen Handel ein, ob in Nicaragua oder Deutschland. Der Autor hat Wegbereiter des fairen Handels in Nicaragua und Deutschland getroffen, den ersten Kaffeeeinkäufer des fairen Handels ebenso wie die Kleinbauern auf Kaffee- und Kakaoplantagen, die Textilarbeiterinnen einer Freihandelszone für Textilien ebenso wie Milchbauern in Süddeutschland.
Er dokumentiert die Entwicklung der fairen Handelsidee zwischen Ideal und Kommerz.
WDR/DLF 2011

DLF
Sa. 22.10.2011 · 11:05 Uhr
Gemeinsame Vergangenheit, gespaltene Gesellschaft:
Spanien 75 Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs

Mit Reportagen von Hans Günter Kellner
Im Juli 1936 putschten die Generäle um den späteren spanischen Diktator Francisco Franco gegen die demokratische spanische Republik. Damit begann der dreijährige Spanische Bürgerkrieg mit Grausamkeiten auf beiden Seiten, den Franco 1939 schließlich, nicht zuletzt auch aufgrund der Unterstützung von Hitler und Mussolini, gewann.
Seine Diktatur endete erst mit seinem Tod 1975. Die Repressionen auf beiden Seiten kosteten mehr Menschenleben als die eigentlichen Kriegshandlungen.
Auf mehr als 100000 hat der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón die Zahl der Opfer beziffert.
Viele davon gelten bis heute als "verschwunden", und ihre Angehörigen suchen noch immer nach ihnen. Tausende wurden Opfer des blinden Hasses auf der anderen Seite: Pfarrer, Militärs, selbst Zulieferer von Kirchen und Klöstern wurden von Anarchisten standrechtlich erschossen.
75 Jahre nach seinem Ausbruch sind die Folgen dieses Krieges bis heute nicht überwunden, prägt der Krieg politische Identitäten. Jorge Semprún sagte, Spaniens Demokratie sei stabil genug für ein Land mit zwei historischen Gedächtnissen, statt eines gemeinsamen Verständnisses von der eigenen Vergangenheit.
Ein Konsens über die eigene Geschichte scheint den Spaniern nicht möglich, auch nicht nach dem gemeinsamen demokratischen Neuanfang nach Francos Tod.

DLR-K
Mo. 24.10.11 - 19:30 Uhr
Mitregieren!
Volksbegehren und Volksentscheide in Deutschland

Von Wolf-Sören Treusch
Mitregieren! Für das Nachtflugverbot am Berliner Flughafen, gegen den Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, für gute Schulen in Niedersachsen, gegen Museumsschließungen in Hamburg: Immer mehr Bürger in Deutschland wollen per Volksentscheid selbst mitbestimmen, wohin die Reise geht. Direkte Demokratie boomt.
Allein im ersten Halbjahr 2011 beantragten Deutschlands Bürger insgesamt 23 Volksbegehren und -initiativen, Ausgang offen. Volksentscheide sind in Deutschland bisher nur auf Länderebene möglich, für einen bundesweiten Volksentscheid müsste das Grundgesetz geändert werden.
Dafür ist im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit nötig. Bisherige Anläufe scheiterten, manche sehr knapp. Vor allem die CDU/CSU wehrt sich gegen den Trend zur Bürgerbeteiligung.
Gegner und Befürworter formieren sich.

DLF
Di. 25.10.2011 · 19:15 Uhr
Mit Volldampf vom Abstellgleis
Wie Südamerika die Eisenbahn wiederentdeckte

Von Karl-Ludolf Hübener
Noch vor Jahren schien Südamerikas Eisenbahn endgültig aufs Abstellgleis geschoben. Doch nun rattern auf kargen bolivianischen Andenhöhen wieder mehr Züge. Mit einem Nationalen-Eisenbahn-Entwicklungsplan vernetzt Venezuela seine Städte und Dörfer.
Brasilien liebäugelt mit Hochgeschwindigkeitszügen. Der Niedergang des einst bedeutendsten öffentlichen Verkehrsmittels in Südamerika begann im vergangenen Jahrhundert. Internationale Finanzinstitutionen und Autolobby redeten den Regierungen ein, der Straße gehöre die Zukunft.
Höhepunkt dieser Entwicklung war die neoliberale Ära der 90er-Jahre, als der Schienenverkehr privatisiert oder stillgelegt wurde. Ungezählte Arbeitsplätze verschwanden.
Ganze Dörfer und Städte wurden von heute auf morgen von der Außenwelt abgeschnitten und zu Geistersiedlungen. Doch dann stellten einige Regierungen fest, dass der Verkehr auf Asphalt teurer zu stehen kommt als über die Schiene. Ölpreissteigerungen, boomender Export und Klimawandel beschleunigen das Umdenken.
Wie auch die Integration des Subkontinents, die neue Transportwege für Menschen und Güter erfordert.
DLF/WDR 2011

DLR-K

Do. 27.10.11 - 19:30 Uhr
Gekaufte Wissenschaft
Wer bestimmt die Ziele der Finanzforschung?

Von Agnes Handwerk und Harrie Willems
Die Finanzkrise hat gezeigt: Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung hat nur wenig Wissen über die derzeitigen Märkte hervorgebracht. Die Modelle aus der Finanzmathematik werden immer komplexer, bieten aber nur wenig Lösungsansätze für die aktuellen Probleme.
Umso bedenklicher, wenn ganze Institute von Banken finanziert werden, die maßgeblich an der Ausrichtung der Forschung mitwirken. Wie unabhängig sollten die Wirtschaftswissenschaften sein?

DLR-K
Mo. 31.10.11 - 13:07 Uhr
Länderreport- Landgang extra
Blühende Landschaften
Blühender Fantasie bedarf es, um auf blühende Landschaften zu kommen. Sind allerorten blühende Landschaften zu registrieren, dann ... fragen Sie ihren Arzt oder Politiker. Aber auf jeden Fall hören Sie auf den "Landgang", denn er hat die Zeit, sich dieses Themas zwischen Einheitstag und Mauerfall anzunehmen.
Und er weiß, wie aus einer Währungsunion schnell eine ewige Transferunion werden kann.
Und wo in Deutschland solche Flecken wie Griechenland, Portugal, Irland und Spanien liegen.
Ja, ja, Europa liegt in Deutschland. Da haben wir viel Erfahrung drin.
Von Deutschland lernen, heißt zahlen lernen.

 

September 2011

Text verschollen

 

August 2011

DLF
Di. 2.8. - 19:15 Uhr
Die letzten vom Stamme der Hoywoy
Ein Anthropologe aus Cambridge in Hoyerswerda

DLF 2011
Während seine Cambridger Kommilitonen aussterbende Indianerstämme am Amazonas erforschten, quartierte sich der 28-jährige Ostberliner Anthropologe Felix Ringel anderthalb Jahre in Hoyerswerda ein.
Er wohnte bei Akademikern und bei Hartz-IV-Familien, bezog die leeren Kinderzimmer, war deren neues Kind. Hoywoy - so nennen die Einwohner ihre Stadt - war mit seinem Werk "Schwarze Pumpe" einst der größte Energiestandort und die jüngste Stadt der DDR.
Nun ist es die Stadt mit der schnellsten Alterung und dem höchsten Einwohnerschwund in Deutschland. Ein Trendsetter auch für Europa: Was hier passiert, wird sich bald anderswo wiederholen. Ringel wollte die Überlebensstrategien der Menschen erforschen und daraus seine Schlüsse ziehen. Vielleicht kann man ja was anfangen mit den gebrochenen Biografien, den zerstreuten Hoffnungen, den verrückten Ideen, die der Anthropologe mit Notizblock und Rekorder dokumentiert hat.

DLF
Do. 4.8.  -  10:10 Uhr
Gesundes aus dem eigenen Beet - Gärtnern ohne Gift
Mit Brennesseljauche gegen Mehltau und Hornmehl für einen guten Boden!
Es gibt viele Rezepte fürs Gärtnern ohne Gift. Wer im eigenen Beet auf Pestizide und chemische Düngemittel verzichten will, der kann auf viele Naturprodukte zurückgreifen.
Das schont nicht nur Umwelt und Grundwasser, sondern ist die Grundlage für eine ökologische Produktion von Obst und Gemüse. Welche Sorten am besten miteinander wachsen, wie empfindliches Gemüse ohne Gift vor Schädlingen geschützt werden kann, und wie auch ein schlauer Gärtner dicke Kartoffeln bekommt, erklärt Britta Fecke mit ihren Gartenexperten - live von einem Gemüsehof.

DLR-K
Do. 4.8.  -  13:07 Uhr
Mit gutem Beispiel voran?
Wie Schleswig-Holstein ohne Atomkraft auskommen will

An der Küste weht ein anderer Wind. Vor allem: eine Menge Wind.
Und dem ist es zu verdanken, dass die Landesregierung bereits früh und in hohem Maß auf erneuerbare Energien gesetzt hat.
Lange vor Fukushima und der Energiewendedebatte. Und nein, die Landesregierung ist nicht grün, sondern schwarz-gelb. Das scheint im Norden aber nicht zwingend Atomkraft zu symbolisieren.
Alles nur politisches Kalkül - oder steckt mehr dahinter?
Wie weit ist Schleswig-Holstein auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien?
Geht der Norden mit gutem Beispiel voran? Der "Länderreport" geht dem nach.

DLR-K
Sa. 6.8. - 13:30 Uhr
Kakadu - Kindersendung (auch für Erwachsene)
Süßer Saft und Blütenstaub
Warum die Honigbiene das wichtigste Tier ist
Die Biene soll das wichtigste Tier der Welt sein? Klar, denn Bienen machen nicht nur Honig.
Sie sorgen dafür, dass Äpfel an den Bäumen wachsen, und Beeren an den Sträuchern, und Gemüse auf den Feldern.
Sie sind dafür zuständig, dass im Herbst Kastanien von den Bäumen fallen, und Eicheln, und dass an den Nadelbäumen Tannenzapfen wachsen, aus deren Samen dann wieder neue Bäume entstehen können. Wie sie das alles machen?
Die kleine Arbeitsbiene Mellifica nimmt Euch mit in das faszinierende Reich der Bienen und zeigt Euch das Geheimnis der Blüten.

DLR-K
S. 6.8. - 18:05 Uhr
Freiwillig fremd
Vier junge Deutsche in Togo, Ecuador, Palästina und Indien

DKultur 2010/54'04
Teresa arbeitet in Ramallah in einer Musikschule, Tim baut in Togo eine Bibliothek; Marie hilft in Quito Straßenkindern bei den Hausarbeiten, Georg baut in Indien ein Solardach.
Die vier jungen Menschen sind nach der Schule in die Welt gezogen. Sie wollten fremde Kulturen erleben, wollten verstehen und helfen. Doch so unterschiedlich die Länder sind, so ähnlich sind die Herausforderungen und Enttäuschungen. Mal fühlen die vier sich einsam und haben Heimweh.
Mal zweifeln sie am Sinn ihres Tuns und merken, wie ihr Tatendrang in Resignation umschlägt. Auch Krankheiten zehren an den Kräften. Doch sie halten durch.

DLR-K

Mo. 8.8. - 19:30 Uhr
Die Kunst, nicht zu lügen, ohne ehrlich zu sein
Der tägliche Seiltanz von Pressesprechern

Alles ist bestens, alles läuft gut, es gibt keine Krise.
Solche Sätze werden Pressesprechern meist verziehen, auch wenn jeder weiß, der Politiker, die Firma, die Institution oder die Partei durchläuft gerade den schlimmsten Tag des eigenen Daseins.
Was sollen Pressesprecher dann auch sagen? Und es gibt die anderen Tage. Tage, an denen die Wahrheit eine Gratwanderung ist und nur durch eine geschickte Interpretation an der Lüge vorbeischrammt. Pressesprecher haben es schwer. Sie können nicht frei von der Leber weg reden. Es geht nicht um Klarheit oder Pointe, es geht darum, Sichtweisen, Meinungen und Ansichten zu transportieren.
Und manchmal geht es um mehr, dann nämlich, wenn sie sich schützend vor ihren Auftraggeber stellen müssen und hartnäckige Frage-Attacken abfangen sollen. Die Lüge ist dabei zumindest immer in Reichweite. - Oder?
Die Fragen kommen übrigens von der Presse. Und zu der sollte der Pressesprecher auch noch ein gutes Verhältnis haben. Wie geht das?

DLF
Sa. 13.8. - 11:05 Uhr
Gemeinsame Vergangenheit, gespaltene Gesellschaft -
Spanien 75 Jahre nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges

Im Juli 1936 putschten die Generäle um den späteren spanischen Diktator Francisco Franco gegen die damals demokratische spanische Republik. Damit begann der dreijährige spanische Bürgerkrieg mit Grausamkeiten auf beiden Seiten, den Franco 1939 schließlich, nicht zuletzt auch aufgrund der Unterstützung von Hitler und Mussolini, gewann.
Seine Diktatur endete erst mit seinem Tod 1975. Die Repression auf beiden Seiten kostete mehr Menschenleben als die eigentlichen Kriegshandlungen. Auf mehr als 100000 hat der spanische Untersuchungsrichter Baltasar Garzón die Zahl der Opfer beziffert.
Viele davon gelten bis heute als verschwunden, und ihre Angehörigen suchen noch immer nach ihnen. Doch Tausende wurden auch Opfer des blinden Hasses auf der anderen Seite: Pfarrer, Militärs, selbst Zulieferer von Kirchen und Klöstern wurden von Anarchisten standrechtlich erschossen.
75 Jahre nach seinem Ausbruch sind die Folgen dieses Krieges bis heute nicht überwunden, prägt der Krieg politische Identitäten. Jorge Semprún sagte, Spaniens Demokratie sei stabil genug für ein Land mit zwei historischen Gedächtnissen - statt eines gemeinsamen Verständnisses von der eigenen Vergangenheit. Ein Konsens über die eigene Geschichte scheint den Spaniern nicht möglich, auch nach dem gemeinsamen demokratischen Neuanfang nach Francos Tod.

DLR-K
Sa. 13.8. - 18:05 Uhr
Mauergeschichten
Endlich lacht das Morgenrot
Eine Nacht im August 1961

SFB-ORB/ORF/WDR/RB 2001/53'12
In der Nacht zum 13. August 1961 begannen Grenztruppen der DDR, Kampfgruppen und Nationale Volksarmee, die Sektorengrenze in Berlin zu schließen.
In der Sendung kommen vier Menschen zu Wort, die damals dabei waren. Sie erläutern ihre Sicht auf den Bau der Mauer, teils verklärend, teils rechtfertigend, teils kritisch.
Illustriert und gerahmt werden die O-Töne mit dem Programm des DDR-Rundfunks rund um den 13. August 1961 sowie der Berichterstattung Westberliner Radioprogramme.

DLR-K
Sa. 13.8. - 19:05 Uhr
Mauergeschichten
Mitten durch unser Leben
Eine Familiengeschichte diesseits und jenseits der Mauer

WDR 2009/53'53
Ende 1954 wird Pfarrer Wilhelm Wurms Superintendent der evangelischen Gemeinde in Luckau. Zusammen mit seiner Frau und den jüngsten drei Kindern zieht er von Bayern nach Brandenburg - in das andere Deutschland. Seine drei älteren Kinder leben schon nicht mehr zu Hause und bleiben im Westen. Von nun an geht die innerdeutsche Grenze mitten durch die Familie.
In Interviews und alten Briefen erinnern sich die Generationen an den Alltag in der DDR und der Bundesrepublik. An geteiltes Leben und gemeinsame Familienfeiern.
Und daran, was an Gemeinsamkeiten übrig bleibt nach so vielen Jahren der Trennung.

DLF
So. 14.8. - 09:30 Uhr
Amerika, wohin? (1/3)
Die veränderte Rolle der USA in der Welt

(Teil 2 am 21.8.11)
Amerika war einmal, einem alten Klischee entsprechend, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ein Traum von Freiheit und Wohlstand für kriegsgeschädigte Europäer und ein Mythos der westlichen Zivilisation.
Doch die Rolle der USA hat sich in der globalisierten Welt verändert, neue Mitspieler im Kampf um Märkte und Hegemonie wie China und Indien sind auf der Bühne erschienen, Amerika ist nach dem Irak-Krieg und der Finanzkrise militärisch wie ökonomisch geschwächt: ein Fall von "imperial overstretch" und ein Ende des Modells "Pumpkapitalismus"?
Die Kraft von Obamas Neuanfang scheint verbraucht; Amerika leidet unter Arbeitslosigkeit, politischen Grabenkämpfen und einem Mangel an Visionen. Wohin entwickelt sich das Land, und wie kommen die Europäer mit der Krise des Hegemons zurecht?
Was wird aus dem deutsch-amerikanischen Verhältnis? Dies versucht Jochen Rack in seiner Gesprächsserie mit Susan Neiman, Hans Ulrich Gumbrecht und Michael Hochgeschwender heraus zu finden.

DLR-K

Mo. 15.8. - 19:30 Uhr
Mitmachen
Die Bürger wollen in der Politik nicht länger nur Zuschauer sein

In Deutschland ist nichts mehr machbar. Politik und Wirtschaft beklagen, dass Großprojekte wie Stuttgart 21 oder der Berliner Flughafen Schönefeld nur unter größten Schwierigkeiten realisierbar sind. Die Bürgerproteste nehmen ständig zu, in der Not werden Schlichter wie Heiner Geißler oder Klaus Töpfer gerufen.
Der Wutbürger, ein Begriff, den der Spiegel in polemischer Absicht erfunden hatte, wird längt politisch ernst genommen. Bei dem Protest gegen Atomkraftwerke oder gegen große Bauprojekte geht es nicht nur um Sachentscheidungen, es geht auch um die politische Kultur in Deutschland und um die Frage, wer was im Land entscheiden darf.
Ein Blick nach Dänemark zeigt, dass eine frühzeitige Bürgerbeteiligung helfen kann, das Gemeinwohl zu stärken und Konflikte zu vermeiden.

DLF
Fr. 19.8. - 19:15 Uhr
Das "Quirra-Syndrom"
Ermittlungen über einen Nato-Schießplatz auf Sardinien

DLF 2011
Der Staatsanwalt von Lanusei, einem Ort im Westen Sardiniens, ermittelt in einem heiklen Fall.
Es besteht der Verdacht, dass auf dem größten NATO-Übungsplatz Europas, dem Schießplatz von Quirra auf Sardinien, unter anderem von der deutschen Bundeswehr Waffen gesprengt und getestet wurden, die abgereichertes Uran enthielten und das Gebiet rund um den Schießplatz verseucht haben.
In der Gegend rund um den Übungsplatz werden seit 30 Jahren Tiere mit Missbildungen geboren; bei der Bevölkerung und bei den in Quirra stationierten Soldaten hat die Krebsrate 65 Prozent erreicht. 50 Hirten sind an dem "Quirra-Syndrom", wie man die Krebs-Epidemie auf Sardinien nennt, gestorben.
Jetzt werden ihre Leichen exhumiert, um sie auf Uranspuren zu untersuchen. In den Knochen eines in Quirra geborenen zweiköpfigen Schafs ist man schon fündig geworden: Sie enthielten in der Tat abgereichertes Uran.

DLF
So. 21.8. - 09:30 Uhr
Amerika, wohin? (2/3)
Die veränderte Rolle der USA in der Welt
Der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht im Gespräch mit Jochen Rack

(Teil 3 am 28.8.11)
Amerika war einmal, einem alten Klischee entsprechend, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ein Traum von Freiheit und Wohlstand für kriegsgeschädigte Europäer und ein Mythos der westlichen Zivilisation. Doch die Rolle der USA hat sich in der globalisierten Welt verändert, neue Mitspieler im Kampf um Märkte und Hegemonie, wie China und Indien, sind auf der Bühne erschienen.
Amerika ist nach dem Irak-Krieg und der Finanzkrise militärisch wie ökonomisch geschwächt: ein Fall von "imperial overstretch" und ein Ende des Modells "Pumpkapitalismus"?
Die Kraft von Obamas Neuanfang scheint verbraucht; Amerika leidet unter Arbeitslosigkeit, politischen Grabenkämpfen und einem Mangel an Visionen. Wohin entwickelt sich das Land, und wie kommen die Europäer mit der Krise des Hegemons zurecht?
Was wird aus dem deutsch-amerikanischen Verhältnis?
Dies versucht Jochen Rack in seiner Gesprächsserie mit Susan Neiman, Hans Ulrich Gumbrecht und Michael Hochgeschwender heraus zu finden.

DLF
Di. 23.8. - 19:15 Uhr
Leben ohne Prunk
Das Grande Hotel in Beira

Der Glanz ist weg, die reichen Touristen und die fünf Sterne auch.
Das Grande Hotel in Beira war nicht nur der Stolz Mosambiks, es war das größte Hotel des südlichen Afrikas. Heute, nach Ende des Kolonialismus, nach überstandenem mosambikanischem Sozialismus und Jahrzehnten des Bürgerkriegs, gleicht das Gebäude inmitten der Hafenstadt einer Bauruine. Das Betonskelett erfüllt heute einen anderen Zweck.
Tausende von ehemaligen Bürgerkriegsflüchtlingen behausen die Keller und die ehemaligen Suiten des Grande Hotels. Ohne fließend Wasser, Strom und Kanalisation. Trotz des Elends hat sich im Haus ein Gemeinschaftswesen entwickelt. Das Grande Hotel hat sich über die Jahre neu erfunden. Es ist ein eigener Staat in der Stadt Beira.

DLF
Fr. 26.8. - 20:10 Uhr
Ortserkundungen
Welcome to the Kingdom of Wonder - armes reiches Kambodscha

DLF 2011
Kambodscha leidet noch immer an seiner blutigen Vergangenheit. Die Roten Khmer haben hier in den 70er-Jahren ein Drittel der Bevölkerung umgebracht. Im Boden dieses Landes liegen mehr Minen vergraben als irgendwo sonst auf der Welt.
Im ganzen Land herrscht die Müllkrise, weil die Menschen, gewöhnt an organische Reste, den Abfall einfach fallen lassen. Der Verpackungsmüll erfordert einen anderen Umgang.
Die Nichtregierungsorganisation Comped, entstanden 1994 aus einer Kooperation der Landesregierung Thüringen, dem Königreich Kambodscha, der Bauhaus-Universität Weimar und der Stadtwirtschaft Erfurt, hat in Baddambang, einer kleinen Stadt nordwestlich von Phnom Penh, ein soziales Abfallzentrum errichtet.
Bisher lebten die Menschen hier auf der Müllhalde.
Heute gehen die Kinder zur Schule und die Erwachsenen arbeiten im Abfallzentrum.

DLR-K

Sa. 27.8. - 18:05 Uhr
Pakistan 2010
Tagebuch einer Katastrophenhilfe

Im Sommer 2010 kam es in Pakistan durch außergewöhnlich starken Monsunregen zu katastrophalen Überschwemmungen.
Mehr als 15 Millionen Menschen waren von den Überflutungen betroffen.
Doch erst drastische Worte des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon setzten Hilfsaktionen der internationalen Staatengemeinschaft in Gang.
Denn das Unglück geschah in einem Land, das seit Jahren in der medialen Berichterstattung mit Terrorismus gleichgesetzt wird.
Eine Katastrophe also im falschen Land?
Das Feature beschreibt den Wettlauf gegen Wasser, Schlamm und bürokratische Hürden.

DLF
So. 28.8. - 09:30 Uhr
Amerika, wohin?
Die veränderte Rolle der USA in der Welt
Der Kulturwissenschaftler Michael Hochgeschwender im Gespräch mit Jochen Rack

Amerika war einmal, einem alten Klischee entsprechend, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ein Traum von Freiheit und Wohlstand für kriegsgeschädigte Europäer und ein Mythos der westlichen Zivilisation.
Doch die Rolle der USA hat sich in der globalisierten Welt verändert, neue Mitspieler im Kampf um Märkte und Hegemonie wie China und Indien sind auf der Bühne erschienen, Amerika ist nach dem Irak-Krieg und der Finanzkrise militärisch wie ökonomisch geschwächt: Ein Fall von "imperial overstretch" und ein Ende des Modells "Pumpkapitalismus"?
Die Kraft von Obamas Neuanfang scheint verbraucht; Amerika leidet unter Arbeitslosigkeit, politischen Grabenkämpfen und einem Mangel an Visionen. Wohin entwickelt sich das Land, und wie kommen die Europäer mit der Krise des Hegemons zurecht?
Was wird aus dem deutsch-amerikanischen Verhältnis? Dies versucht Jochen Rack in seiner Gesprächsserie mit Susan Neiman, Hans Ulrich Gumbrecht und Michael Hochgeschwender heraus zu finden.

DLF
Di. 30.8. - 19:15 Uhr
Ortserkundungen: Ground Zero 9/11
- Erinnerungspolitik und Wiederaufbau am Ort des Anschlags

Von Daniel Cil Brecher, Regie: Heide Schwochow, DLF 2011
Gigantische Kräne und Baulöcher bestimmen immer noch das Bild des sechs Hektar großen Gebietes, das 2001 zerstört wurde. Zum zehnten Jahrestag des Anschlags soll jetzt inmitten der Baustelle ein Monument für die 3000 Toten eingeweiht werden - zwei Wasserbecken, ein Ehrenhain und eine unterirdische Gedenkstätte.
Auch das symbolträchtige Design des Architekten Daniel Libeskind für das neue World Trade Center wird in Zukunft an den Anschlag erinnern. Der Wiederaufbau und der Bau der Gedenkstätte wurden zehn Jahre lang von finanziellen und vor allem von politischen Kontroversen begleitet.
Mit den Kriegen in Afghanistan und Irak begann sich die Bedeutung von "Ground Zero" als Ort der Erinnerung zu verändern. Weil die Regierung in Washington, der Staat und die Stadt New York und verschiedene politische Gruppierungen die Erinnerung an 9/11 für eigene Zwecke zu instrumentalisieren suchten, wurde die ohnehin heikle Aufgabe des Wiederaufbaus auf diesem

 

Juli 2011

DLF
Fr. 01.07.2011 · 19:15 Uhr
Aufbruch in die Vergangenheit
Das Venezuela des Hugo Chávez

Von Peter B. Schumann
Vor zwölf Jahren trat ein Militär, Hugo Chávez, die Präsidentschaft im ölreichen Venezuela an, weil die Mehrheit der Bevölkerung jegliches Vertrauen in die bürgerlichen Parteien verloren hatte. Er versprach einen radikalen Wechsel und verkündete bald ein Programm, das er den Sozialismus des 21. Jahrhunderts nennt.
2002 versuchte die alte Elite erfolglos, gegen Chávez zu putschen: 2006 wurde er als Staatspräsident wiedergewählt und 2007 in einem Referendum bestätigt.
Was ist aus seinem Sozialismus des 21. Jahrhunderts geworden? Haben die zahlreichen "Missionen" zu einem Umbau der Gesellschaft geführt und die Lebensgrundlage für die Ärmsten nachhaltig verbessert? Haben die fortgesetzten Verstaatlichungen wichtiger Industrien eine effektivere Wirtschaftspolitik bewirkt? Was ist aus den angeschlagenen Institutionen Justiz und Parlament geworden? Und welchen Spielraum hat eine in sich gespaltene Opposition, die von extrem rechts bis weit nach links reicht?

DLF
Fr. 01.07.2011 · 20:10 Uhr
Die unbeerdigten Toten
Erinnerungskampf in Italien

Von Andreas F. Müller
"Italien neigt zur Entstellung seines historischen Gedächtnisses", sagt der slowenische Schriftsteller Boris Pahor aus Triest. Mit sechs Jahren, 18 Jahre bevor in Deutschland die Synagogen brannten, erlebte er dort bereits eine erste "Kristallnacht".
Die Opfer waren Slowenen, ihre brennenden Kultureinrichtungen die Initialzündung für mehr als zwei Jahrzehnte Faschismus. Der Agressionskrieg an der Seite Nazideutschlands, der Bruch der Achse, Widerstand, Bürgerkrieg, Chaos und blutige Racheakte durch Titopartisanen - Italiens Geschichte ist voller Wechselfälle.
Das Land, insistiert der 98-jährige Pahor, erinnere sich nur, woran es sich erinnern wolle. Verklärungen, Verdrängungen, Verharmlosungen: Tatsächlich hat es einen klaren Blick auf die eigene Vergangenheit in Italien nie gegeben.
Und mit Beginn der Ära Berlusconi 1994 nimmt das Ganze noch eine weitere sehr bedenkliche Wendung. Auf seiner Reise durch die Erinnerungen Italiens stößt der Autor auf viel Irrationales, bisweilen Unheimliches, das in einem merkwürdigen Zusammenhang mit den Absonderlichkeiten italienischer Gegenwart zu stehen scheint.

DLF
Di. 05.07.2011 · 19:15 Uhr
Blauer Himmel über der Ruhr
Vom Begreifen der Demokratie als Möglichkeit

Von Erika Fehse
Als im Wahlkampf 1961 Willy Brandt seinen Wählern zurief: "Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!", hatten die Bürger zwischen Duisburg und Dortmund, Hattingen und Oer-Erkenschwick schon einiges in Bewegung gebracht.
Bürgervereine, die sich bislang um die Verschönerung von Kirchenportalen und Parks bemühten, luden zu Versammlungen gegen die Luftverschmutzung ein.
Wissenschaftler versuchten erstmals herauszufinden, ob Pflanzen durch Schwefeldioxid geschädigt werden und ob es einen Zusammenhang zwischen Krankheit und dreckiger Luft geben könnte. Ärzte und Gewerkschafter mobilisierten Politiker, die sich nun für ihre Bürger einsetzten.
Für viele - auch für Gisela van Haut - erste, noch ungewohnte Schritte in der neuen Demokratie: "Das war ja ein ganz neuer Begriff, ein ganz neues Leben eigentlich. Das kannten wir nicht. Und dass man eventuell sagen konnte, das passt mir nicht, dass man sich beschweren durfte, ohne den Arbeitsplatz zu verlieren. Das war großartig, dass man das sagen durfte."

DLF
Fr. 08.07.2011 · 20:10 Uhr
Aliens!
Die Invasion exotischer Tiere und Pflanzen

Von Stella Luncke und Josef Maria Schäfers
Sie reisen meist illegal ein, als blinde Passagiere mit dem Flugzeug oder im Ballastwasser von Frachtschiffen. Oder sie heften sich im Urlaub an unsere Kleidung: exotische Tiere und Pflanzen, sogenannte Aliens.
Sie breiten sich unkontrolliert aus, verdrängen schwächere einheimische Artgenossen, verursachen Allergien, Krankheiten und immense wirtschaftliche Schäden.
Das Scheitern von Multikulti - nun auch bei Fauna und Flora?
Die Autoren sind bei ihren Recherchen auf mindestens ebenso alarmierte Heimatschützer gestoßen wie in der Debatte um Kopftuch & Co.

DLF
Sa. 09.7.  -  11:05 Uhr
Gesichter Europas
Der Hafen von Piräus
Chinesische Investoren planen das "Rotterdam des Südens"

Mit Reportagen von Simone Böcker und Chrissa Wilkens
Am Mikrofon: Norbert Weber
Ehrgeizige Pläne für den griechischen Containerhafen in Piräus: Er soll der zweitgrößte Europas werden. Zumindest sind das die Ziele der chinesischen Reederei Cosco, die einen Teil des Hafens seit 2009 für 35 Jahre übernommen hat.
Nach Ansicht der Regierung in Peking handelt es sich dabei um eine Win-win-Situation: Cosco werde Piräus zu einem bedeutenden Umschlagplatz für chinesische Produkte machen, zum Zentrum des Handels zwischen dem Fernen Osten und Europa, während das in einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise steckende Griechenland durch neu entstehende Arbeitsplätze profitiert.
Doch vor allem griechische Gewerkschafter befürchten, dass die heimischen Arbeitnehmer den Kürzeren ziehen und aus dem Geschäft gedrängt werden. Zahlreiche Streiks der Hafenarbeiter waren bereits die Folge. Gleichzeitig führt die Gewerkschaft einen Kampf gegen die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte aus aller Welt. Das hoch verschuldete Griechenland jedoch ist glücklich über die Hilfsangebote aus der Volksrepublik.


DLR-K
Sa. 09.07.  -  18:05 Uhr
Das Geheimnis des Misserfolgs
Warum Schüler scheitern

Von Margot Overath
WDR 2010/53'31
Sabrina ist 20, sie will wieder zur Schule gehen, ihren Hauptschulabschluss nachholen. Zusammen mit ihrer zwei Jahre älteren Schwester Sarah, die ihr Zeugnis mit den acht Fünfen verteidigt. Die kämen nur davon, dass sie nicht hingegangen sei, sagt Sarah.
Erst jetzt begreife sie endlich den Schaden, den sie sich zugefügt habe. Warum scheitern Schüler? Warum kann jeder fünfte 15-jährige in Deutschland kaum lesen und rechnen?
Warum gilt jeder dritte als "Risikoschüler", dessen Abschluss auf der Kippe steht?
Margot Overaths Feature zeigt, was Schüler leisten können, wenn sie als Persönlichkeiten verstanden und gefordert werden.

DLF
So. 10.07.  -  16:30 Uhr
Wachstum, Schmutz und Klimawandel
China geht das Wasser aus

Von Michael Stang

DLR-K

Do. 14.07.  -  19:30 Uhr
Zwischen Geist und Gehirn (3/3)
Meditation und Bewusstsein -
Spirituelle Praktiken unter der Lupe der Neurowissenschaften

Von Heinz-Jörg Graf
Meditation will den Menschen auf andere Bewusstseinspfade führen und ihn von den Fesseln seines Egos befreien. Wissenschaftler konnten mit dieser subjektiven Innenschau in der Vergangenheit wenig anfangen; der Gegenstand entzog sich ihren Messmethoden.
Inzwischen haben aber Neurowissenschaftler herausgefunden, dass Meditierende durch ihre Praktiken die Struktur ihres Gehirns verändern und andere Bewusstseinszustände herbeiführen können. Wissenschaftliche Befunde und meditative Erfahrungen scheinen einander zu bestätigen.
Doch welche Prozesse laufen beim Meditieren im Gehirn ab? Sind meditative Erfahrungen nur veränderte Bewusstseinszustände? Oder verraten sie letztendlich sogar mehr über die Funktionsweise des menschlichen Geistes als die wissenschaftliche Forschung?

DLF
Fr. 15.07.  -  19:15 Uhr
Sie nannten mich "die Streunerin"
Ein Heimkind in der frühen Bundesrepublik

Von Eva-Maria Götz, DLF 2011
Eigentlich stand die 15-jährige Sonja als Zeugin vor Gericht: Angeklagt war der Freund ihrer Mutter, der mehrfach versucht hatte, sie zu vergewaltigen. Doch bestraft wurde - trotz eines positiven psychologischen Gutachtens - die Jugendliche: Mehr als drei Jahre verschwand sie hinter den Mauern eines Erziehungsheims - ohne jede Begründung eingesperrt und behandelt wie eine Kriminelle. Da ihre Mutter geschieden und alleinerziehend war und der Vater staatenlos und ein ehemaliger russischer Zwangsarbeiter, stand die (ebenfalls staatenlose) Tochter unter dem Generalverdacht des "Sittenverfalls".
Sonja Djurovic war eines von fast 800000 Kindern, die in der Bundesrepublik der 50er- und 60er-Jahre in die Mühlen des staatlichen Fürsorgewesens gerieten, in ein System von Gewalt, Repression und Ausbeutung. Heute engagiert sie sich für die Aufarbeitung dieses schwarzen Kapitels deutscher Nachkriegsgeschichte.

DLF
Fr. 15.07.  -  20:10 Uhr
Nachrichten vom Raumschiff Erde
Der amerikanische Visionär Richard Buckminster Fuller

Von Michael Langer, Regie: Michael Langer, DLF 2009
Steuernummer, Name, Beruf? Souveräne Staaten, so R.B. Fuller, verlangten Auskunft auf lächerliche Fragen, zum Beispiel: "Wo wohnen Sie? Wann wurden Sie geboren?". Buckys Antwort: "Ich bin unsterblich. Ich schaue alle Jubellichtjahre mal vorbei, mal hier, mal dort. Gerade bin ich Passagier des Raumschiffs Erde, das mit 60000 Meilen pro Stunde unterwegs ist irgendwo im Sonnensystem ... Aber warum fragen Sie?"
Richard Buckminster Fuller (1895 - 1983) war Architekt und Ingenieur, Designer, Forscher und Erfinder. So gut wie vergessen ist sein Dymaxion Car, berühmt sind noch heute seine Geodätischen Kuppeln. Begriffe wie Synergie und Nachhaltigkeit, die inzwischen zu Phrasen verkommen sind, hat er entscheidend mitgeprägt.
Fuller dachte global, vierdimensional, ganzheitlich und entwickelte kosmische Perspektiven. Eine Fundgrube sind nach wie vor seine späten Schriften, in denen er etwa zur allgemeinen Systemtheorie, zur regenerativen Landschaft oder auch zur integralen Funktion des Menschen Stellung nimmt. Der Titel des Buches, das 1969 erschien, lautet:
"Bedienungsanleitung für das Raumschiff Erde".

DLR-K

Sa. 16.07.  -  18:05 Uhr
Testgelände: Nevada - Semipalatinsk
Von Minette von Krosigk und Stephen Erickson, Regie: Stephen Erickson
Mit: Sonja Deutsch, Uta Hallant, Elfriede Irral, Thomas Vogt, Martin Seifert, Thomas Thieme
DLR Berlin 1995/51'42
Die Autoren haben 1994 in Semipalatinsk und Nevada, den beiden größten Atomtestgebieten der Welt, unabhängig voneinander Eindrücke gesammelt. Beim Vergleich ihrer Rechercheergebnisse zeigt sich, dass vieles identisch war. In Nevada wie in Semipalatinsk leiden Menschen an den gleichen Krankheiten und kämpfen seit Ende der 80er-Jahre gemeinsam für ein weltweites Verbot von Atomversuchen.

DLR-K
Mo. 18.07.  -  19:30 Uhr
Der Facebook-Mensch
Wie verändern soziale Netzwerke unser Leben?

Von Johannes Nichelmann
Willkommen in der Generation Facebook! 500 Millionen Menschen weltweit können nicht irren!
So viele Personen haben ein Konto beim größten sozialen Netzwerk der Welt. Mark Zuckerberg, der mit 19 Jahren aus einer kleinen Idee einen Megakonzern geschaffen hat, hat eine ganze Generation verändert. Warum sind wir durchschnittlich im Monat fünfeinhalb Stunden auf Facebook unterwegs?
Werden wir durch soziale Netzwerke politischer oder durch den ständigen Austausch gar klüger? Was passiert mit unseren Daten? Kurzum: Was passiert da mit uns? Welche Auswirkungen hat dieses Onlineverhalten auf Körper und Seele? Auf der Suche nach Antworten, die nicht nur für die 500 Millionen Nutzer von Interesse sind.

DLF
Di. 19.07.  -  19:15 Uhr
Aufbruch zurück zu den Wurzeln
Reise in eine afrikanische Zukunft

Von Michael Magercord, DLF 2011
"Gibt es eine afrikanische Philosophie?" Professor Cheik Moctar Ba muss sein ganzes Redetalent aufwenden, um seine Studenten an der Universität von Dakar im Senegal davon zu überzeugen, dass es logische Gedankengebäude gibt, die in afrikanischen Traditionen verwurzelt sind und noch heute Bestand haben.
Kaum 50 Kilometer nördlich von Dakar brechen oftmals gut ausgebildete junge Afrikaner in kleinen Booten nach Europa auf. Sie glauben nicht mehr, dass ihre Kultur die eigenen Lebensbedürfnisse befriedigen kann. Gleichzeitig erfahren traditionelle Sufi-Bruderschaften mit ihrer kommunitären Lebensweise großen Zulauf.
Und junge Unternehmer versuchen sich im Aufbau eigenständiger Handelsstrukturen.
Am renommierten IFAN-Institut wird nach einer Wirtschafts- und Entwicklungspolitik jenseits der Vorgaben von Weltbank und WTO geforscht, die in der afrikanischen Kultur verankert ist.

DLR-K

Do. 21.07.  -  19:30 Uhr
Die Sensiblen - auf der Flucht vor dem Elektrosmog
Von Georg Gruber
Die Funknetzabdeckung in Deutschland beträgt 99 Prozent. Die Telefongesellschaften wollen das ändern und alle Funklöcher stopfen. Ulrich Weiner aber ist auf Funklöcher angewiesen, er sucht sie, um dort leben zu können.
2003 wurde ihm zum ersten Mal ärztlich "Elektrosensibilität" attestiert, später dann "extreme Elektrosensibilität". Er hat sich zurückgezogen aus dem öffentlichen Leben, er hat einen Wohnwagen in einem Wald im Südschwarzwald, in einem Funkloch.
Auch Suzanne Sohmer hat sich auf der Flucht vor der Strahlung in ein abgelegenes Tal zurückgezogen, in einem Wohnmobil. Wenn sie sich in Funkgebiete begibt, trägt sie einen Strahlenschutzanzug, genauso wie Ulrich Weiner.
Die Anzüge sehen so aus wie Schutzanzüge von Imkern. Die Strahlen werden von den Funkkritikern mit einem Gerät gemessen mit dem schönen Namen "Lambda Fox".
Aber was ist dran an dieser Reaktion auf den Elektrosmog? Gibt es sie tatsächlich oder verstecken sich dahinter psychosomatische Leiden? Nach einer Erhebung des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) aus dem Jahr 2006 reagieren in Deutschland ca. sechs Prozent der Bevölkerung mit Krankheitssymptomen auf hochfrequente Strahlung.
Die taz schrieb 2009 von einer internen Studie des BfS, nach der "mehrere Tausend Menschen" auf der Flucht vor den Strahlen sind. Die FR (3.11.08) schreibt ebenfalls von einer internen Studie des BfS, nach der 25000 Elektrosensible ähnlich wie Weiner und Sohmer auf der Flucht vor dem technischen Fortschritt seien und auf der Suche nach Funklöchern.

DLR-K
Sa. 23.07.  -  18:05 Uhr
Die Asse
Eine unterirdische Geschichte der Bundesrepublik

Von Lorenz Schröter
Seit 1955, als die Bundesregierung beschloss, Atomenergie für friedliche Zwecke zu nutzen, schreiben Staatssekretäre Memos, begutachten Wissenschaftler und beschließen Politiker, was mit den radioaktiven Abfällen zu geschehen sei.
Seit 1965 wird im stillgelegten Salzbergwerk Asse 2 bei Wolfenbüttel die atomare Endlagerung erprobt. Doch nach 45 Jahren Widerstand der Bevölkerung und einer neuen Risikoeinschätzung sollen die rund 127000 Fässer mit meist schwachradioaktiven Abfällen, die Jahrzehnte in einem Kriechgang lagerten, jetzt aus dem provisorischen Endlager ausgebuddelt und andernorts für die Ewigkeit eingebuddelt werden.
So wird der Schwarze Peter von einer Generation zur nächsten weitergereicht, während die Verantwortlichen zwischenzeitlich in Rente gehen.

DLR-K

Mo. 25.07.  -  19:30 Uhr
Kunde und Komplize oder Wem nützt meine Geldanlage?
Von Nadine Dietrich
Vegetarier kaufen nicht beim Fleischer, aber viele Atomkraftgegner haben ein Konto bei der Deutschen Bank oder der Commerzbank. Warum? An der Fleischtheke kann der Kunde das Produkt erkennen, am Bankschalter oft nicht. In welche Branchen wird das Geld investiert, welche Firmen erhalten Kredite, darüber schweigen die Banken. Der Kunde wird so zum Komplizen - meist unwissentlich und unfreiwillig. Wer Geld und Gewissen vereinbaren will, kann zu Nachhaltigkeitsbanken wechseln. Sie verleihen das Geld ihrer Kunden ausschließlich an ökologisch und sozial ausgerichtete Unternehmen. Politiker der Grünen wollen, dass neben Privatpersonen auch Pensionskassen, Stiftungen und sogar der Staat Geld nachhaltig anlegen. CDU und FDP ist diese Vorstellung suspekt. Druck auf Banken und Wirtschaft auszuüben, damit diese ökosozial wirtschaften, lehnen sie ab. Was staatliche Lenkung bewirken kann, zeigen die Niederlande: Dort haben nachhaltige Geldanlagen einen Marktanteil von 40 Prozent. In Deutschland liegt er lediglich bei einem Prozent.

DLF
Di. 26.07.  -  19:15 Uhr
"... in unserem Herzen in Stücke zersprengt"
Armin T. Wegner: Ein Chronist von Völkermord und Völkerfrühling

Von Wolfgang Labuhn, DLF 2011
Er wagte es, 1933 in einem Brief an Hitler gegen die Judenverfolgung zu protestieren.
Die Quittung der Nazis waren mehrere Monate KZ-Haft. Eine moralische Instanz war Armin T. Wegner (1886 - 1978) schon vorher.
Als Sanitäter im Gefolge des Feldmarschalls von der Goltz hatte er 1915 die Todesmärsche der Armenier in der syrischen Wüste dokumentiert. Seine Fotos zählen heute zu den wichtigsten Belegen für den ersten Genozid im 20. Jahrhundert.
In der Weimarer Republik machte er sich einen Namen als überzeugter Pazifist, Essayist und Reiseschriftsteller, der den Nahen Osten und die junge Sowjetunion bereiste.
An seine frühere Bekanntheit konnte er nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik nicht mehr anknüpfen - während er in Armenien ein Nationalheld ist und in Israel als "Gerechter unter den Völkern" geehrt wird.
Enttäuscht und vergessen verbrachte er seinen Lebensabend in Rom.

DLR-K

Do. 28.07.  -  19:30 Uhr
Klimafolgen, Klimakulturen, Klimakriege
Die Sozialwissenschaften und das Wetter
Von Conrad Lay
Lange Zeit fiel das Thema Klimawandel in das Ressort der Naturwissenschaften. Erst seit kurzer Zeit haben die Sozialwissenschaften entdeckt, dass es notwendig ist, ihre selbst verursachte ›Zukunftsvergessenheit‹ (Hans-Georg Soeffner) zu überwinden. Wie reagieren die Sozialwissenschaften auf die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels? Eine Verantwortungsethik, die auf der Höhe der Zeit sein will, muss das Problem des Klimawandels als dasjenige einer Klimakultur formulieren, die über die naturwissenschaftlich dominierten Sichtweisen hinausgeht. Schließlich ist es ein Unterschied, ob eine Büffelherde Methan ausstößt - oder ob menschliches Handeln das Klima derart verändert, dass Leiden und Sterben befördert werden.

 

März 2011

DLR-K
Mi. 2.3 - 19:30 Uhr
Die Zaren, die Bolschewiki und Putin
Russlands langer Weg von der Leibeigenschaft zu einer Demokratie
Von Elfie Siegl
Am 3. März 1861 wurde in Russland die Leibeigenschaft aufgehoben. 150 Jahre später ist Russland formal eine Demokratie, doch der lange Weg nach Westen ist für Russland noch viel länger als er für Deutschland war.
Nicht zum ersten Mal in der Geschichte wird die Demokratisierung des Landes ausgebremst von der Last der Geschichte, die die Mentalität der russischen Bevölkerung geprägt hat.

DLF
Sa. 5.3. - 11:05 Uhr
Eltern fern der Heimat - Waisen der Globalisierung in Rumänien
Mit Reportagen von Knut Benzner
Die Bilder gingen um die ganze Welt. Die Fernsehbilder aus rumänischen Kinderheimen nach dem Zusammenbruch des Ceaus¸escu-Regimes. Sie zeigten verwahrloste und vernachlässigte Kinder. Waisenkinder, um die sich der rumänische Staat nicht gekümmert hatte.
20 Jahre später hat sich vieles verändert. Rumänien ist inzwischen Mitglied der Europäischen Union. Doch an die Stelle jener Waisen von damals sind andere getreten: Die sogenannten Erdbeerwaisen. Erdbeerwaisen deshalb, weil die Eltern der Mädchen und Jungen Rumänien verlassen haben, um als Arbeitsmigranten in Italien und Spanien zu arbeiten - besser bezahlt als in der Heimat, billige Arbeitskräfte im Ausland. Zwei Millionen sollen es sein, nach Angaben des rumänischen Gewerkschaftsbundes sogar 3,4 Millionen. Sie arbeiten auf dem Bau, in der Gastronomie oder auf riesigen Tomaten- und Erdbeerplantagen.
Und ihre Kinder? Sie bleiben zurück, als Waisen der Globalisierung. Der rumänische Kinderschutzbund geht von 85000 Kindern aus, andere Schätzungen von bis zu 170000. Im günstigsten Fall werden sie von ihren Großeltern erzogen. Viele elternlose Kinder brechen jedoch die Schule ab und leben auf der Straße. Hilfe ist nicht in Sicht. Weder für die Kinder noch für die Eltern. Denn die rumänische Regierung kann und will den Auslandsrumänen keine Perspektive im eigenen Land geben.

DLR-K

Sa. 5.3. - 18:05 Uhr
Bienengifte
Das weltweite Phänomen des Colony Collapse Disorder

Produktion: DKultur 2010/49'13
Die halbe Welt ist betroffen vom Colony Collapse Disorder, dem Bienensterben: Im Frühjahr verlassen die erwachsenen Bienen den Stock, die Brut bleibt ohne Nahrung zurück und das Volk stirbt aus. Doch was sind die Ursachen?
Bienen sind in der Landwirtschaftsindustrie als Bestäuber unverzichtbar. Zu den Akteuren gehören die Milbenart Varroa, der Maiswurzelbohrer, der im Zuge des Jugoslawienkrieges aus den USA nach Europa kam und das Nervengift Clothianidin, mit dem dieser Käfer bekämpft wird.
Die Recherche führt in den badischen Rheingraben, wo es 2008 zum wohl größten Bienensterben der deutschen Geschichte kam.
Bienengifte

DLF
Di. 8.3. - 19:15 Uhr
Wie Irma Sperling starb - Euthanasiemorde unter der Obhut der evangelischen Kirche
Von Rainer Link - DLF 2011
Irma Sperling wurde dreimal begraben. Ihr Körper wurde 1944 in einem Massengrab in Wien verscharrt. Ihr Gehirn ist 1996 in Hamburg begraben worden. Eine weitere Gehirnscheibe wurde 2002 beigesetzt. Irma Sperling war ein geistig behindertes Kind, das in der Nazizeit in die düsteren Backsteinbauten der Alsterdorfer Anstalten, eine der größten evangelischen Behinderteneinrichtungen Deutschlands, eingewiesen wurde.
Sie starb mit nur 13 Jahren als eines von Tausenden Opfern der NS-Euthanasieprogramme. Die Täter wurden allesamt nicht bestraft, nach einer kurzen Frist setzten sie ihre Karrieren in Hamburg fort: als Gemeindepastor, als Senatsdirektor und als Facharzt.
Jahrzehntelang bestritt die Nordelbische Landeskirche ihre Komplizenschaft mit den NS-Mördern - der Tod Irma Sperlings beweist das Gegenteil. Eine schlichte graue Granitplatte ist heute auf dem Ohlsdorfer Friedhof in den Rasen eingelassen. Zehn Namen stehen auf dem Grabstein, der dritte von unten: Irma Sperling. Hier ruht die Asche dessen, was die Ärzte als Einziges interessant fanden an diesem Kind und deshalb aufbewahrten - das Gehirn.

DLR-K

Mo. 14.3. - 19:30 Uhr
Die Partei, die Partei, die braucht immer Geld …
Das Superwahljahr und die Parteienfinanzierung
Von Martin Hartwig
Das Jahr 2011 wird ein teures Jahr für die Parteien. Sieben Landtags- und vier Kommunalwahlen wollen bestritten und finanziert sein. Und das - mit Ausnahme der Grünen - bei sinkenden Mitgliederzahlen, also weniger Beitragszahlern.
Die Schatzmeister der Parteien stehen vor schweren Aufgaben. Da liegt es nahe, neue Einnahmequellen zu suchen und auch mal unkonventionelle Wege zu gehen. Das hat sich in der Vergangenheit allerdings nicht immer ausgezahlt.
Zwar zeigten sich Sponsoren durchaus willig für ein Gespräch mit dem Ministerpräsidenten, ein paar Euro mehr an die Partei zu überweisen, der anschließende politische Flurschaden war allerdings immens. Auch die Entnahmen aus anderen Finanztöpfen, wie etwa aus einer gut ausgestatteten Landtagsfraktionskasse, brachten politischen Ärger und Strafzahlungen ein.
Die infolge der Skandale angekündigten Initiativen zur Neuregelung der Parteienfinanzen gingen in die Gremien und sind seither nicht mehr öffentlich aufgetaucht.

DLR-K
Sa. 19.03. - 15:05 Uhr
Die Piraten vom Dreyeckland - Ökologie und Industrie am Oberrhein
Von Sabine Korsukéwitz
Im Rücken der Schwarzwald, nach vorn geht der Blick weit am Kaiserstuhl vorbei bis zum Rhein und ins Elsass hinüber. Blau schimmern die Umrisse der Vogesen. Das Dreiländereck. Kühe grasen auf Hügeln, Weinberge, Erdbeerfelder und Obstbäume erstrecken sich bis zum Rhein hinunter. Das Markgräflerland wirbt für sich als "die Toskana Deutschlands". Nur wenig mittelständische Industrie stört die Idylle.
Das war nicht immer so: In den 70er-Jahren sollten die Weichen auf Großindustrialisierung und Atomkraft gestellt werden: Ein Bleichemiewerk und drei Atomkraftwerke sollten am Oberrhein entstehen.
Im Protest vereinigten sich grenzübergreifend Akademiker und Bauern und gründeten unter anderem das Piratenradio Dreyeckland, das bis heute sendet. Der Widerstand zeigte Wirkung: Mittlerweile ist die Region zu einem ökologischen Vorzeigeprojekt geworden.

DLF
So. 20.3. - 16:30 Uhr
Das Auto ist das Problem

Was Menschen in Metropolen künftig bewegt
Von Thomas Reintjes
Die Vision ist relativ klar:
In Zukunft surren Elektroautos wie an einer Perlenkette aufgereiht über Autobahnen. Doch was erwartet uns auf dem Weg in diese Zukunft? Die Probleme, die das Auto verursacht, sind heute schon akut: Umweltprobleme, Gesundheitsprobleme, Probleme bei der Verkehrsplanung. Und sie werden heute schon gelöst, beispielsweise in der chinesischen Millionenstadt Hefei. Das Feature lässt Wissenschaftler aus China, Deutschland und Österreich zu Wort kommen, über Fahrzeugtechnik, Verkehrspsychologie und Stadtplanung.
Sie zeigen auf, wie der Autoverkehr schon heute besser beherrscht werden kann, wie Modelle für den Individualverkehr der Zukunft aussehen und welche Hürden noch genommen werden müssen, um eine flächendeckende Veränderung der Mobilität zu erreichen. Dabei werden Probleme und Lösungsansätze exemplarisch anhand chinesischer Megacitys wie Hefei und Shanghai vorgestellt und jeweils auf ihre Anwendbarkeit auf deutsche Straßen abgeklopft.

DLR-K

Do. 24.3  - 19:30 Uhr
Labore am Meeresboden
Was Mesokosmen über den Zustand der Meere verraten
Von Johannes Kaiser
Mit überdimensionierten Reagenzgläsern, den sogenannten Mesokosmen, versuchen Wissenschaftler des Leibniz-Institutes für Meeresforschung herauszufinden, welche Folgen der steigende CO2-Gehalt auf das Meeresleben hat. In einer groß angelegten Expedition sind sie nach Spitzbergen gefahren. Unser Autor war dabei.

 

 

Februar 2011


DLF
Di. 01.02 - 19:15 Uhr
Falsche Heimat
Die Abschiebung der Roma in den Kosovo

Von Dirk Auer DLF 2011
Da wäre zum Beispiel Familie Kabashi: drei Kinder, alle sind in Deutschland geboren, für alle ist Deutsch die Muttersprache. Deutschland ist ihre Heimat, sie kennen ja auch nichts anderes. Die Eltern waren 1990 aus dem Kosovo nach Deutschland geflüchtet. 15 Jahre lebten sie hier, bis es schließlich hieß: Kosovo ist jetzt wieder sicher, auch für Roma. Eines Nachts hämmerte plötzlich die Polizei an die Tür, und wenige Stunden später standen sie in Prishtina am Flughafen, nur mit ein paar Plastiktüten in der Hand. Ein Schicksal, das stellvertretend für viele steht.
Aus dem Kosovo stammt die größte Gruppe der Flüchtlinge, die jahrelang als "Geduldete" in Deutschland gelebt haben. Die meisten von ihnen sind Roma. Herausgerissen aus ihren Leben in deutschen Kleinstädten, landeten sie von einem Tag auf den anderen in den verschlammten Roma-Siedlungen des Kosovo, ohne Arbeit, ohne Sozialhilfe und oft auch ohne Pass. Von den Einheimischen werden sie "Die Deutschen" genannt, weil sie einfach anders sind, noch nicht einmal die Sprache richtig können und in ihren Häusern auch Jahre nach ihrer Abschiebung noch immer ausschließlich deutsche Fernsehprogramme laufen.

DLR-K

Do. 3.2. - 13:07 Uhr
Wie sich die Dinge doch gleichen
Die Rote Flora in Hamburg und das Tacheles in Berlin

Von Verena Herb und Katja Bigalke
Friedliche Eroberung, Verfallsdatum überschritten, Streit um das Bleiberecht. Die Rote Flora und das Tacheles teilen ein ähnliches Schicksal. Eigentlich schmücken sich Berlin und Hamburg gerne mit der Kreativität, die diese Gebäude abstrahlen. Touristen lieben den maroden Charme dieser Immobilien. Das Problem ist: In beiden Häusern ist der Nutzervertrag ausgelaufen. Dass sie noch nicht geschlossen sind, liegt an ihrer anerkannten Attraktivität. Und weil Künstler es so gewohnt sind, wird weiter ums Überleben gekämpft.

DLF
Fr. 4.2.  -  19:15 Uhr
Unschuldig hinter Gittern
Verhängnisvolle Verhöre, falsche Geständnisse und Fehlurteile

Von Daniela Schmidt-Langels und Otto Langels DLF 2011
In Bayern kamen vier Menschen ins Gefängnis, weil sie den Familienvater erschlagen, zerstückelt und den Hunden zum Fraß vorgeworfen haben sollen. Sie gaben das Verbrechen nach wochenlangen Verhören zu, widerriefen aber ihre Aussagen vor Gericht und wurden dennoch verurteilt. Jahre später fand man die unversehrte Leiche des angeblich brutal Ermordeten in der Donau. Die Geständnisse waren offensichtlich erfunden. In Kiel wurde vor Kurzem ein Angeklagter freigesprochen, den Ermittler dazu gebracht hatten, einen Mord zu gestehen, den er nicht begangen hatte.
Der Mann war nahe daran zuzugeben, auch Kennedy und Wallenstein ermordet zu haben, erklärte der Rechtspsychologe dem Gericht. Bis zu zehn Prozent der Verurteilten, deren Verfahren wieder aufgerollt werden, haben ein falsches Geständnis abgelegt, weil sie dem Druck der Vernehmer nicht gewachsen waren, schätzen Experten.

DLF
Do. 10.2.  -  10:10 Uhr
Briefgeheimnis passé
Über die Tücken der elektronischen Kommunikation

Ob De-Mail, E-Mail, Chat oder Twitter - das Internet bietet viele neue Formen der Kommunikation. Immer mehr Internetbenutzer pflegen soziale Kontakte im Netz, die herkömmliche E-Mail verliert an Bedeutung. Das Netz und die sozialen Netzwerke sind aber nicht nur schnell und bequem.
Sie verleiten auch zum Leichtsinn bei der Preisgabe der eigenen Daten und damit der digitalen Identität. Unternehmen wie Google oder Facebook befriedigen diese Bedürfnisse der Nutzer, sie stillen damit aber auch ihren eigenen Datenhunger. Doch ist es tatsächlich ratsam, seinen Schriftverkehr einem einzigen Unternehmen anzuvertrauen? Lässt sich im Netz überhaupt unbeobachtet kommunizieren? Wer liest mit beim Austausch von E-Mails? Gibt es auch Verschlüsselungstechniken für Laien? Lebt das Briefgeheimnis mit neuen kostenpflichtigen Angeboten wie De-mail oder dem E-Postbrief wieder auf? Diese und andere Fragen zum sicheren und vertraulichen Schriftverkehr im Netz beantworten heute Experten im Marktplatz mit Eva Bahner am Mikrofon.   
Hörertel.: 00800.44644464
Hörerfax: 00800.44644465
marktplatz@dradio.de

DLR-K

Do. 10.2.  -  13:07 Uhr
Schürfen im Erzgebirge
Die Rohstoffkrise verhilft dem sächsischen Bergbau zum Neustart

Von Jan Uwe Stahr
Kurz nach der Wende wurden im sächsischen Erzgebirge die letzten Stollen geschlossen. Der Jahrhunderte währende Abbau von Erzen war unrentabel geworden. Doch jetzt könnte es eine erneute Wende geben: Im Erzgebirge wurde wieder ein neues Bergwerk eröffnet. Unweit des Dorfes Niederschlag wird nach Metallrohstoffen geschürft, die für Teflonpfannen und Goretexjacken unerlässlich sind. Weitere Bergwerke werden schon bald folgen, da sind sich die Experten einig. Der Rohstoff-Hunger der Chinesen hat weltweit die Preise explodieren lassen. Bisher kommen Metallrohstoffe zu mehr als 90 Prozent aus China.
Doch das könnte sich bald ändern: Denn auch in Sachsen lagern diese begehrten Spezialmetalle. Und bei den jetzigen Preisen scheint ihr Abbau wieder lukrativ.

DLR-K
Do. 10.2.  -  19:30 Uhr
Vererbte Erfahrungen
Wie die Epigenetik die Genetik verändert

Von Matthias Eckoldt
Die in den Zeiten des Humangenomprojekts stiefmütterlich behandelte Epigenetik hat in den letzten Jahren viele als sicher geglaubte Erkenntnisse über den Haufen geworfen. So bestimmen die Gene unser Leben offensichtlich weit weniger, als wir bislang annahmen, da sie gewissermaßen nur die Hardware liefern, während die Software in unseren Zellen geschrieben wird.
Dazu verfügen wir über ein hochkomplexes molekulares Schaltersystem, das einzelne Gene an- und ausschalten beziehungsweise "dimmen" kann. Die Crux an der Sache ist, dass dieses von der Epigenetik erforschte Schaltersystem, und damit die Aktivität unseres genetischen Materials, von unserem Lebensstil beeinflusst wird: Durch die Liebe, die wir erfahren und geben, durch das, was wir essen, durch die Art, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, durch den Sport, den wir treiben.
Neueste Erkenntnisse des Fachs haben nun eine Debatte darüber entfacht, ob sich epigenetische Effekte sogar vererben können. Die Wissenschaftlergemeinde ringt derzeit um eine Interpretation spektakulärer Versuche, in denen Nachkommen traumatisierter Mäuse depressive Symptome zeigten. Wenn sich die Thesen der sogenannten transgenerationellen Epigenetik bestätigen, muss die gesamte auf Darwin basierende Vererbungslehre neu geschrieben werden.

DLR-K

Mo. 14.2.  -  19:30 Uhr
Abschied von der Konsenskultur?
Islamkritiker formieren sich

Von Dorothea Jung
Im Sommer 2010 konnte der Islamfeind Geert Wilders in den Niederlanden fast ein Viertel der Wählerstimmen auf sich vereinen. Im Herbst 2010 veröffentlichte der einstige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sein Buch "Deutschland schafft sich ab".
Beide Männer stießen eine hitzige Debatte über Integration und Muslime in Europa an. Hinter ihnen steht eine stetig wachsende Gemeinde von Islamkritikern. In Deutschland hat diese Szene längst ein Leitmedium gefunden: Sein Name lautet Politically Incorrect, kurz PI. Dorothea Jung über Islamhasser, selbsternannte Freiheitsfreunde und ihre europäische Vernetzung.

DLR-K
Mo. 21.2.  -  19:30 Uhr
Dämmst du schon oder wohnst du noch?
Das Reizthema Gebäudesanierung

Von Wolf-Sören Treusch
Deutschlands Gebäude gelten als Energieschleudern, auf sie entfallen etwa 40 Prozent der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen. Eine Studie hat ergeben: Von 18 Millionen Gebäuden müssen 12 Millionen saniert werden. Vor allem diejenigen, die in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden.
Die Bundesregierung hat das Ziel gesetzt, den Wärmeverbrauch in Gebäuden bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent zu senken. Wie das konkret umgesetzt werden soll, bleibt allerdings unklar. Gestritten wird auch über Sinn und Unsinn der Wärmedämmung.
Während die einen am liebsten jedes Haus verpacken wollen, wenden sich andere gegen eine Dämmung um jeden Preis.

DLF
Di. 21.2.  -  19:15 Uhr
land grabbing
Die globale Jagd nach Ackerland

Von Christian Brüser DLF/ORF 2011
Die Weltbevölkerung nimmt zu, fruchtbares Ackerland weltweit ab. Es versalzt, degeneriert infolge des Klimawandels zu Wüste oder wird verbaut. In den letzten 20 Jahren hat sich die weltweit verfügbare Agrarfläche pro Kopf halbiert. Bis 2050 wird sie sich noch einmal halbieren und das bedeutet: Lebensmittel werden knapp.
Ölstaaten wie Saudi-Arabien, die wenig Agrarland, aber viel Geld haben, leiten eine neue Form des Kolonialismus ein: Sie erwerben oder pachten riesige Ackerflächen in Afrika und Asien. In Äthiopien beispielsweise werden nun auf den Hightech-Plantagen ausländischer Investoren Tag für Tag Tonnen herrlich frisches Gemüse geerntet, das innerhalb weniger Stunden auf den Märkten der Golfstaaten landet, während im Land selbst sechs Millionen Menschen unter Hunger und Unterernährung leiden.
Für internationale Investmentfonds bedeutet die Verknappung von Agrarland ein hochprofitables Geschäft.

DLF
Do. 24.2.  -  10:10 Uhr
Täuschend echt?
Inhalt und Verpackung von Lebensmitteln

Der schöne Schein trügt: Auf der Vorderseite der Packung schwelgt der Hersteller in Bildern idyllischen Landlebens, mit Fantasiebezeichnungen weckt er beim Käufer die Erwartung eines gesunden und naturnahen Produktes. Selbst die Lektüre des Kleingedruckten macht den Kunden nicht unbedingt schlauer. Zwar müssen die meisten Inhaltsstoffe angegeben werden, doch viele Hersteller nutzen ihren Spielraum weidlich aus, um unbeliebte Angaben zu vermeiden.
"Analogkäse" mit Pflanzenfett und Wasser oder "Klebeschinken" aus Fleischresten sind nur extreme Beispiele für Waren, die mehr versprechen als sie halten.
Mit einer Internetseite wollen die Verbraucherzentralen und das Bundes-Verbraucherschutzministerium besonders krasse Fälle öffentlich machen. Was sagen Lebensmittel-Kennzeichnungen aus? Wie verschaffe ich mir selbst den Überblick?
Und was hat das Kleingedruckte auf der Packung mit gesunder Ernährung zu tun?
Über diese und andere Fragen rund um die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln diskutiert Georg Ehring im "Marktplatz" mit Hörern und Experten.
Hörertel.: 00800.44644464
Hörerfax: 00800.44644465
marktplatz@dradio.de
Täuschend echt?

DLR-K

Do. 24.2.  -  19:30 Uhr
"Ich bau' mir die Welt, wie sie mir gefällt"
3D-Drucker für den Hausgebrauch verändern unsere Warenwelt

Von Thomas Reintjes
Eines der begehrtesten Zukunftswerkzeuge aus der Sci-Fi-Serie "Star Trek" war der Replikator: Eine Maschine stellt aus Molekülen jedes beliebige Produkt her - vom Mittagessen bis zur Allzweckwaffe. Ganz so weit ist man noch nicht, aber mit dem Makerbot haben drei New Yorker den ersten massentauglichen 3D-Drucker entwickelt - und wollen damit den Alltag revolutionieren.
Mit den sogenannten Rapid Manufacturing-Technologien entsteht eine neue Generation von Maschinen, die die Art und Weise, wie Menschen Dinge herstellen, grundlegend verändern könnte.
Wissenschaftler prognostizieren bereits, dass in absehbarer Zukunft in jedem Haushalt ein "Personal Fabricator" als normales Haushaltsgerät neben der Waschmaschine steht, der eine kaputte Tasse ersetzt oder mal eben eine neue Fernbedienung ausspuckt.
Um die 3D-Drucker sind Online-Communities entstanden, in denen Baupläne bewertet und verbreitet werden. Es gibt Webseiten, bei denen man ein 3D-Modell hochladen kann und wenig später als materielle Version per Post zugeschickt bekommt.
Die weltweite Fabbing-Bewegung macht deutlich, dass sich die Rolle des Konsumenten und die Bedeutung von Marken und Patenten zukünftig verändern werden.

 

Januar 2011

DLF
Sa. 01.01.11  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Staat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung

DLF
So. 02.01.11  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Staat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung

DLF
So. 02.01.2011 · 20:05 Uhr
"Der Schwarze schnackselt gerne"
Afrika in deutschen Köpfen

Von Gaby Mayr
Gefühlskitsch in deutschen Fernsehfilmen und animalischer Sex, monströse Krankheiten, brutale Kriege, auf ewig versklavt - Afrika ist in den meisten deutschen Köpfen der "Schwarze Kontinent", aber auch der "Verlorene Kontinent". Wie sind diese extremen Vorstellungen entstanden?
Schon die alten Griechen unterstellten den "Menschen mit den verbrannten Gesichtern" Chaos und Abwesenheit von Kultur - tatsächlich existierten damals längst Hochkulturen auf dem afrikanischen Kontinent. Joseph Conrads Roman "Herz der Finsternis" über Kapitän Marlows erschreckende Fahrt auf dem Kongofluss beeinflusst seit 100 Jahren das Afrikabild.
Bei keiner anderen Weltgegend werden derart bedenkenlos die eigenen Fantasiebilder auf die Wirklichkeit projiziert. Die katholische Fürstin spekuliert über Intimes, die Armee der Helfenwollenden ist allzeit zu guten Ratschlägen bereit. Kontrapunkte in der Sendung setzen afrikanische Deutsche, die nie in ihrem Leben getrommelt haben und alteingesessene Deutsche, die zum Märchenbuch greifen, wenn ihnen nach Gruselgeschichten zumute ist.

DLR-K
Mo. 03.01.11  -  19:30 Uhr
Vom Gestank der süßen Verschwendung -
Eine kleine Kulturgeschichte des Mülls

Von Claudia Fried

DLR-K
Do. 06.01.11  -  13:07 Uhr
Klimaschutz im Kochtopf
Der neue Bremer Speiseplan könnte die Welt retten

Von Petra Marchewka und Hartwig Tegeler
Die Diskussion über fleischlose Ernährung ist eröffnet. Internationale Stars bekennen sich zum Vegetarismus, ebenso Unternehmen wie der Sportartikelhersteller Puma. Festivals wie der Veggie-Street-Day in Dortmund oder ein vegetarisches Sommerfest in Berlin verbinden das Thema mit einem positiven Lebensgefühl.
Vor einem Jahr führte die Hansestadt Bremen einen vegetarischen Wochentag ein. Ein fleischloser Tag für die Kitas, für Schulen, Kantinen, Kirchen und Restaurants.
Der Veggie-Day im Bremer Alltag - und zwar immer donnerstags.

DLR-K
Do. 06.01.11  -  19:30 Uhr
Der Krieg im Kopf
Deutsche Soldaten und ihre Traumata

Von Philip Banse
In Afghanistan herrscht Krieg und deutsche Soldaten sind dabei. Das galt auch für den Kosovo. Damals sprach man allerdings noch von Aufbauhilfe. Doch was die Soldaten erlebten, waren blutige Unruhen und gewalttätige Ausbrüche. Seitdem eskaliert die Gewalt. Von Einsatz zu Einsatz.
Deutsche Soldaten müssen kämpfen, notfalls auch töten. Doch sind die Bundeswehrsoldaten auf die andauernde Bedrohung durch Attentate, die Beteiligung an Kampfhandlungen und den Anblick von Toten ausreichend vorbereitet?
Nein, glaubt man einer Studie, die das New England Journal of Medicine 2004 veröffentlichte.
Danach kehren bis zu 17 Prozent aller Soldaten mit psychischen Krankheiten zurück.
Diese Männer und Frauen leiden, sie gehen durch die Hölle und bringen diese Bilder mit nach Hause.
Ein normales Leben ist für viele der derzeit 6700 Bundeswehrsoldaten, die weltweit im Einsatz sind, oft nicht möglich.

DLR-K

Sa. 08.01.11  -  18:05 Uhr
"Werd ich mit Singen deutsch?"
Das Feature zur Einbürgerung

Von Inge Braun und Helmut Huber
Produktion: DKultur/RBB 2009/54'28
"Ich geh jetzt Neuköllner machen", sagt der Bezirksbürgermeister, hängt sich seine Amtskette um und hält auf der Einbürgerungsfeier eine Rede, die mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne endet.
Es war an einem Dienstag, da wurde Herr S. Deutscher.
"Ich will keine Nummer sein, eine Person will ich werden in Deutschland." Dafür musste er seine türkische Staatsangehörigkeit aufgeben.
Das Feature verfolgt den Weg von der Antragstellung bis zum feierlichen Gelübde. Für diese Arbeit wurden Inge Braun und Helmut Huber mit dem Civis-Preis und dem Deutschen Sozialpreis 2010 ausgezeichnet. Das Feature wurde von der Vorjury für den Wettbewerb um den Prix Europa 2010 ausgewählt.

DLR-K
Mo. 10.01.11  -  19:30 Uhr
Schneller Prozess - gutes Recht?
Ein neues Gesetz gegen zu lange Gerichtsverfahren

Von Annette Wilmes
Ein Mann, der nach einem Unfall auf Schadensersatz klagte, musste 17 Jahre warten, bis eine Entscheidung fiel. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg befasst sich seit Jahren mit Fällen aus Deutschland, in denen Prozesse viel zu lange dauern.
Denn jeder Mensch hat ein Recht auf ein faires Verfahren, das in angemessener Zeit erledigt wird. Deshalb hatte der Gerichtshof Deutschland scharf gerügt, es müsse dringend einen wirksamen Rechtsbehelf einführen. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung soll Abhilfe schaffen.
Er sieht unter anderem Entschädigungen bei zu langen Verfahren vor. Aber was nützt das dem Inhaber eines Klempnereibetriebes, wenn er längst Insolvenz anmelden musste?
Was nützt eine Entschädigung dem Vater im Sorgerechtsstreit, der wegen der langen Verfahrensdauer den Kontakt zu seinem Kind verloren hat?
Was nützt sie dem Asylbewerber, der seit Jahren in Unsicherheit lebt?

DLF
Di. 11.01.11  -  19:15 Uhr
Für Frieden, Recht und Freiheit
Die vergessenen Toten der Bundeswehr

Von Jochen Rack
Regie: Alexander Schuhmacher  SWR/DLF 2010
Nicht erst seit den Auslandseinsätzen sterben Soldaten im Dienst der Bundeswehr.
Über 3100 Menschen verloren ihr Leben seit 1956, die meisten in den Jahren des Kalten Krieges. Gestorben wurde in allen Truppenteilen, bei Flugzeugabstürzen, bei Manövern und Übungen. Es gab Beisetzungen mit militärischen Ehren, aber danach blieben die Hinterbliebenen - vor allem in den 60er- und 70er-Jahren - mit ihrem Schicksal allein.
Psychologische Betreuung, wie sie die Bundeswehr heute anbietet, gab es nicht. Stattdessen wurde ein ganzes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte tabuisiert. Inzwischen gibt es in Berlin zwar ein Ehrenmal der Bundeswehr, das Namen von Opfern nennt, aber kein Dokumentationszentrum, das die so unterschiedlichen Schicksale, die sich hinter den Namen verbergen, festhält.
Das Gedenken bleibt weitgehend abstrakt, damit sich die Bundeswehr nicht der unbequemen Frage stellen muss, warum eigentlich so viele Menschen in ihrem Dienst zu Tode kamen.

DLR-K

Mi. 12.01.11  -  19:30 Uhr
Hierarchie der Opfer?
Stereotypen und Tabus bei der Aufarbeitung sowjetischer Speziallager in Deutschland

Von Bettina Greiner
Wie funktioniert gesellschaftliche Kommunikation über Angehörige der "deutschen
Tätergesellschaft", die selbst zu Opfern wurden?
Anhand von Berichten ehemaliger Speziallagerhäftlinge werden die Schwierigkeiten aufgezeigt, gebrochene Biografien in ihrer Ambivalenz zu akzeptieren.

DLF
Sa. 15.01.11.  -  11:05 Uhr
Viktor Orbans "Systemwechsel"
Wie Ungarns Regierung das Land verändert

Mit Reportagen von Jan-Uwe Stahr
Am Mikrofon: Britta Fecke
Misswirtschaft, Korruption, Lügen und politische Blockaden lassen viele Ungarn 20 Jahre nach der Wende an den Vorzügen der Demokratie und der freien Marktwirtschaft zweifeln. Die Folgen sind entweder politische Apathie oder aggressiver Nationalismus - und die politisch-gesellschaftliche Spaltung wird dabei immer größer.
Doch nun soll sich Ungarn im Hauruck-Verfahren verändern: Viktor Orban, Ministerpräsident und Anführer der Fidesz-Partei, hat die Vollendung der Revolutionen von 1956 und 1989 versprochen - mit aller Kraft soll ein neues "System der nationalen Einheit" geschaffen und das Land aus der Krise geholt werden. Tatsächlich macht sich die praktisch oppositionslose Übermacht der Fidesz-Partei im Parlament und in fast allen Rathäusern immer stärker bemerkbar:
Verfassungsänderungen im Alleingang, Gesetzgebung im Schnellverfahren und die versuchte Kontrolle der Medien prägen nun den politischen Alltag. Bedeutet die nationale Wende eine Abkehr von der Demokratie?

DLF
Di. 18.01.11 - 19:15 Uhr
Hochöfen am Rande der Mangroven
Das Thyssenkrupp-Stahlwerk im Bundesstaat Rio de Janeiro

Von Axel Denecke DLF/WDR 2011
Der weltgrößte Erzproduzent ist in Brasilien zu Hause: die Rio Vale do Rio Doce SA. In Duisburg residiert Deutschlands größter Stahlproduzent: die Thyssenkrupp AG. Beide Konzerne zusammen haben in einer Bucht südlich von Rio de Janeiro ein komplettes Stahlwerk errichtet.
Lange hatte man nach einem geeigneten Standort gesucht. 2006 wurde damit begonnen, das Werk samt Kraftwerk und Hafenanlage auf dem sumpfigen Grund der Bucht bei Rio zu errichten. In Gegenwart des brasilianischen Staatspräsidenten Lula da Silva wurde 2010 der erste Hochofen angefahren. Vom Kai der Anlage aus sollen nun jährlich Millionen Tonnen Rohstahl nach Duisburg zur Weiterverarbeitung bei Thyssenkrupp verschifft werden.
Wer profitiert von dieser Investition? Welche Folgen hat sie für die Fischer in der Bucht, welche für die Duisburger Stahlarbeiter? Das Feature erzählt von Investoren, Ingenieuren, Politikern und Fischern.

DLR-K
Mi. 19.01.11  -  19:30 Uhr
Unsichtbare Politik
Wie Geheimverträge zwischen Staat und Wirtschaft die Demokratie unterwandern

Von Tarik Ahmia
Städte und Kommunen haben längst nicht nur ihre Trinkwasserversorgung und Energieinfrastruktur, sondern auch Abwasserkanäle, Gefängnisse, Schulen, Straßen und Brücken verkauft. Bundesweit gibt es 180 geheime Vereinbarungen zwischen Städten und privaten Unternehmen, die häufig dazu dienen, die wahre Aufteilung von Nutzen und Lasten zu verschleiern.
Während diese Verträge privaten Investoren häufig über Jahrzehnte risikolose Renditen garantieren, werden darin alle Kostenrisiken nicht selten der öffentlichen Hand aufgebürdet. Die gesetzlich vorgeschriebene Geheimhaltung der Verträge von so genannten Public-Private-Partnerships symbolisiert eine neue Strategie, um die Kontrolle solcher Geschäfte systematisch zu umgehen.
Was bedeutet die Geheimhaltung der Absprachen für die Demokratie? Sind derartige Verträge überhaupt zulässig? Sind sie anfechtbar?

DLR-K
Do. 20.01.11  -  13:07 Uhr
Flucht und Verteilung
Die Urbanisierung stellt Stadtplaner und Naturschützer vor große Herausforderungen

Von Verena Herb u.a.
Die Städte werden größer und voller. Die Landflucht spült Menschen weltweit in die urbanen Großräume und Megacitys. Für Ansiedlung und Verkehrsplanung beispielsweise werden in Deutschland täglich 94 Hektar freigegeben. Das ist zu viel. Darum strebt die Bundesregierung eine Verringerung auf 30 Hektar täglich an und will das bis 2020 schaffen.
Der Anteil von beanspruchter Bodenfläche ist in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen besonders hoch. In den Ländern ist die Siedlungs- und Verkehrsfläche unterschiedlich verteilt.
Mecklenburg-Vorpommern nimmt 7,9 Prozent in Anspruch, Nordrhein-Westfalen 22,3 Prozent. Den höchsten Waldanteil hat Rheinland-Pfalz und den höchsten Anteil an landwirtschaftlich genutzten Flächen Schleswig-Holstein. Egal ob Stadt oder Land - die Gestaltung und Organisation von urbanen Räumen spielt eine Schlüsselrolle für eine zukunftsfähige Entwicklung. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

DLR-K
Do. 20.01.11  -  19:30 Uhr
Cyberwar
Computernetze als Schlachtfelder der Zukunft?

Von Philip Banse
Ein Cyberkrieg ist keine Science-Fiction mehr. Schon jetzt infiltrieren Hacker die Netzwerke und Infrastrukturen anderer Nationen. Der Computerwurm Stuxnet wird wohl als die erste von einem Nationalstaat eingesetzte Cyberwaffe in die Geschichte eingehen.
Mit den üblichen Mitteln der IT-Sicherheit ist eine Verteidigung gegen derartige Angriffsmethoden nicht möglich. Denn neben der großen Wirkung besteht der große Vorteil für den Angreifer darin, dass Cyberangriffe nur sehr unzureichend auf einen Urheber zurück verfolgt werden können.
Es lässt sich kaum ausschließen, dass Stromnetze oder Industrieanlagen über derartige Schadsoftware manipuliert werden. Was bedeutet diese militärische Entwicklung für die Informationsgesellschaft?

DLF
Fr. 21.01.11  -  19:15 Uhr
Die Menschenfleisch Suchmaschine
Wie das Internet China verändert

Von Mathias Bölinger  DLF 2011
Direkt hinter der Großen Firewall, wie Chinas Zensurmaschine genannt wird, liegt für die Internetnutzer der Volksrepublik eine Welt, in der Dinge gesagt werden können, die sich niemand trauen würde, auf der Straße auszusprechen.
Nicht jeder weiß, wie er an der Zensur vorbeikommt, doch für die, die die technischen Tricks kennen, gibt es fast keine Tabuthemen mehr: Das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, der Friedensnobelpreis für Liu Xiaobo, die zwiespältige Rolle des volksnahen Ministerpräsidenten Wen Jiabao - über all das wird vor allem auf Plattformen diskutiert, deren Server im Ausland stehen.
Doch auch im zensierten Internet auf inländischen Servern haben die Chinesen Wege gefunden, Informationen auszutauschen, ohne dass die Zensurfilter aktiv werden. Eine kleine Veränderung in der Schreibweise - aus dem Nobelpreis wird ein Dynamitpreis - und der Filter lässt die Subversion passieren. Chinas Internetnutzer lieben das Spiel mit der Ironie. Doch Chinas Internetgemeinde kann auch ernst machen. Zum Beispiel wenn sie die Menschenfleischsuche startet ...

DLF
Sa. 22.01.11  -  11:05 Uhr
"A bisserl geschmiert"
Korruption in Österreich

Mit Reportagen von Tom Schimmeck
Am Mikrofon: Katrin Michaelsen
Von kleinen Gefälligkeiten der "Freunderlwirtschaft" bis zum handfesten Millionenbetrug: In Österreich macht Korruption immer wieder Schlagzeilen. Politik und Geschäft gelten als eng verquickt, Schmiergelder, Postenschacher und das "Anfüttern" von Mandatsträgern scheinen alltäglich. Versenkte Schiffe und Parteispenden von Diktatoren - die Skandalchronik Österreichs steckt voller Skurrilitäten.
Eine "Schlawiner-Mentalität" konstatiert der ehemalige Rechnungshofpräsident Franz Fiedler: "Was andernorts eindeutig in die Kategorie Korruption fällt, wird hierzulande noch immer als geschickte Form der Geschäftsanbahnung bewundert."
Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf 26 Milliarden Euro geschätzt. Oppositionspolitiker sprechen von einer "Korruptionskulturnation", Experten von einer "Korruptions-Oase", die wohl vor allem blüht, weil politisch weisungsgebundene Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft oft nicht frei agieren können. Immer wieder verlaufen Verfahren im Sande.
Österreich, befand eine Arbeitsgruppe des Europarats schon Ende 2008, befände sich "noch immer in einem frühen Stadium des Kampfes gegen die Korruption".
Ab Mitte 2011 soll eine nationale "Superstaatsanwaltschaft" in Wien Abhilfe schaffen. Doch eine solche Zentralisierung ist innerhalb der Justiz heftig umstritten.

DLR-K
Mo. 24.01.11  -  19:30 Uhr
Bürgerhaushalt: Mehr Demokratie oder Alibi?
Von Rosemarie Bölts
Die Finanznot der Gemeinden nimmt dramatisch zu. Immer stärker bekommen es die Bürger zu spüren, wenn eingespart und wegrationalisiert wird. Häufig haben sie das Gefühl, dass "die da oben" sowieso machen, was sie wollen. In dieser prekären Situation sind, nach dem brasilianischen Vorbild Porto Alegre, auch in Deutschland Kommunalpolitiker auf die Idee gekommen, Bürger durch einen "Bürgerhaushalt" zu beteiligen.
Nach dem Motto "Die Bürger wissen selbst am besten, wo es fehlt oder wo eingespart werden kann", werden sie aufgerufen, ihre Vorschläge zu Papier zu bringen. Wenn Politik und Verwaltung nicht voll dahinterstehen, kann dieses Verfahren aber auch ins Leere laufen. Also doch nur eine Alibiveranstaltung statt mehr Demokratie?

DLF
Di. 25.01.11  -  19:15 Uhr
Tödliche Rendite
Die verborgenen Geschäfte mit Streubomben

Von Sigrid Dethloff DLF/WDR 2011
Seit August 2010 ist das Streubomben-Verbotsabkommen von Oslo in Kraft. Doch diese Waffen sind gefragt wie eh und je. In Nichtunterzeichnerstaaten wie den USA, Südkorea oder auch Singapur wird Streumunition weiterhin produziert. Die Aktien sind lukrative Anlagen und auch viele Finanzinstitute in der EU greifen zu: Sie investieren in "tödliche Renditen".
Wie kann es sein, dass dies in EU-Staaten geschieht, die das Völkerrechtsabkommen zur Ächtung von Streubomben unterzeichnet und ratifiziert haben? Wie kann es sein, dass deutsche Banken und Versicherungen dabei sogar zu den führenden Investoren gehören? Eine Recherchereise über Berlin, Amsterdam, Den Haag, Brüssel und Oslo verschafft Einblicke in die Intransparenz der Finanzmärkte und die Unwissenheit von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft.

DLR-K
Sa. 29.01.11  -  18:05 Uhr
Der Fall des Chirurgen Broelsch
Ein Lehrstück über Medizin und Macht

Von Martina Keller
Produktion: WDR/NDR/DLF 2010/52'26
Monatelang wurde gegen einen der prominentesten deutschen Mediziner verhandelt: Professor Christoph Broelsch - Träger des Großen Verdienstkreuzes, ehemaliger Leibarzt von Johannes Rau. Die Ankläger werfen ihm Bestechlichkeit vor, teils auch schweren Betrug. Er soll krebskranken Kassenpatienten zugesichert haben, sie persönlich zu operieren, wenn sie eine Spende auf ein Konto der Klinik überweisen. Was unter Broelsch in Essen geschah, ist ein Lehrstück über die Verhältnisse an deutschen Kliniken. Am 12. März 2010 wurde Broelsch zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft haben Revision eingelegt.

DLF
So. 30.01.11  -  20:05 Uhr
Auf der Jagd nach dem Selbst
Wie das Ich zur Marke wird

Von Susanne Luerweg und Sabine Oelze DLF 2011
Der "Homo oeconomicus" hat es nicht leicht. In einer schnelllebigen Welt ist er ständig auf dem Sprung. Internet und Globalisierung verunsichern den modernen Arbeitnehmer. Beträgt die "Halbwertzeit" des Produkts "Ich" wirklich nur 15 Jahre? Danach gilt es, sich neu zu erfinden - behaupten Experten. "Handle unternehmerisch" lautet der kategorische Imperativ.
Es geht darum, sich ständig zu verändern, mehr aus sich herauszuholen und seine Grenzen zu überschreiten: Das Ich zur Marke zu machen. Ein Leitbild der modernen Arbeitswelt, das mittlerweile eine ganze Branche hervorgebracht hat. Buchtitel wie "Die stärkste Marke sind Sie selbst! Schärfen Sie Ihr Profil mit Human Branding" oder "Die Marke Ich" füllen inzwischen ganze Regalmeter. Aber lesen allein reicht nicht. Deshalb buchen immer mehr Menschen Coaches, die eine Mischung aus Seelenschmeichler und Einpeitscher sind.
Mit vielfältigen Methoden versprechen sie die Optimierung des Selbst. Extremsportler, Shaolinmönche und Marketinggurus entdecken die Möglichkeiten, mit der Sinnsuche anderer Geld zu verdienen.

 

Dezember 2010

DLF
Fr. 3.12.  -  19:15 Uhr
Dossier
Das System Karzai oder steckt hinter dem afghanischen
Chaos eine Ordnung?

Von Marc Thörner
DLF 2010
Der distinguierte Herr mit dem Silberbärtchen, traditionell afghanisch gekleidet, kann nicht mehr an sich halten. "Ich habe Angst, dass mein Sohn aus Afghanistan auswandert, weil er in einem anderen Land studieren muss!" Dann bricht er vor dem versammelten Auditorium in Tränen aus: Afghanistan müsse sich öffnen, das Land benötige dringend Bildung! Hamid Karzai, fliessend englisch sprechender Unternehmer und paschtunischer Clanchef, seit 2001 Präsident Afghanistans, besticht seine Verbündeten durch Eloquenz und Natürlichkeit.
Doch wer sich an Karzais Prinzipien orientiert, dem kann es leicht passieren, von dessen Justiz als Gotteslästerer angeklagt zu werden. Afghanistan: ein mittelalterlicher Staat, in dessen Provinzen Söldnerführer ungehindert ihren Willen zum Gesetz erheben - und dessen Medien dennoch jeden Tag Kritik an der Regierung üben. Ein radikalislamsicher Staat, von hochmodernen internationalen Truppen gegen islamische Radikale verteidigt. Sind diese Widersprüche nur Ausdruck von Chaos und allgemeiner Hilflosigkeit? Oder steckt hinter dem scheinbar Unvereinbaren ein System?

DLF
Sa.04.12.2010 · 11:05 Uhr
Die Überwindung der Sprachlosigkeit
Armenien und die vorsichtige Annäherung an die Türkei

Eine Sendung von Gesine Donrblüth
1,5 Millionen Armenier kamen im Jahr 1915 bei Todesmärschen und Massakern im Osmanischen Reich ums Leben. Das sind armenische Angaben. Die Armenier sprechen von einem Völkermord.
Die Türkei leugnet ihn bis heute - und bis heute belastet der Streit um die Anerkennung des Genozids das Verhältnis zwischen Armeniern und Türken. Die Grenzen sind geschlossen. Die Regierungen lehnen jede Art der Zusammenarbeit ab. Vor einem Jahr unterzeichneten beide Länder Protokolle, die einen Annäherungsprozess einleiten sollten. Auch dieser Prozess ist schon wieder ins Stocken geraten. Dabei würde Armenien von der Grenzöffnung wirtschaftlich profitieren.

DLF
So. 05.12.2010 · 16:30 Uhr
Das Ende der Riesen
Warum die großen Tiere verschwanden

Von Dagmar Röhrlich
Es ist gerade einmal 30.000 Jahre her, da zog über alle Kontinente Großwild: Mammuts, Mastodons, Riesenfaultiere. Es war eine Welt, wie wir sie heute nur noch aus Afrika kennen. Dann verschwand sie, aus Europa, Asien, Nord- und schließlich Südamerika.
Es geschah schnell und parallel zum Auftauchen des Menschen. Waren sie die Killer der Megafauna? Je mehr Details über das Leben dieser zeitlich nahen und doch so fremden Welt bekannt werden, umso schwerer fällt die Erklärung.
In Los Angeles öffnet sich mitten in der Stadt ein Fenster in die Vergangenheit. Dort hat Dagmar Röhrlich Ausgrabungen begleitet und nach Antworten gesucht.

DLR-K

Mo. 06.12.2010 · 19:30 Uhr
Justitia und ihre Souffleure
Rechtsfindung als öffentliches Schauspiel?

Von Sabine Voss
Zur Generalprävention, zur Abschreckung, aber auch zur Bewahrung unseres Rechtsfriedens soll jeder Bürger Anteil daran nehmen können, dass vor Gericht nach der Wahrheit geforscht wird und dass der Richter objektiv und unbefangen, allein dem Gesetz unterworfen, schließlich ein Urteil fällt. So sieht es unser Grundgesetz vor.
Nur ein Bruchteil der vor Gericht verhandelten Taten wird jedoch öffentlich wahrgenommen. Wer aber setzt die Täter und ihre Vergehen auf die mediale Agenda und sorgt für die Veröffentlichung? Und lässt sich die Erwartung des Bürgers an Gerechtigkeit medial formen und dazu benutzen, Einfluss auf Verfahren zu nehmen?
Prominente Fälle setzen Spekulationen darüber in Gang, Verteidiger und auch die Ankläger agierten als PR-Strategen, als Informationszuträger, als Strippenzieher der öffentlichen Informationspolitik - mit dem Ziel, das Meinungsbild über Schuld und Unschuld zu gestalten. Schon wird die Befürchtung laut, die Massenmedien drohten die Aufgabe der Rechtsfindung auf ihre eigene Weise zu erledigen.
Die Hauptverhandlung - bloß mehr der justizielle Nachhall medialer Berichterstattung? Die Sendung lotet Möglichkeiten und Grenzen der Einflussnahme auf die deutsche Rechtsprechung aus.

DLF
Di. 07.12.2010 · 19:15 Uhr
Eichhörnchens permanente Revolte
Über die Umweltaktivistin Cécile Lecomte
Von Nadine Dietrich
Cécile Lecomte, 28 Jahre alt, Vollzeitaktivistin, lebt in Lüneburg im Bauwagen. Im Winter besetzt sie Bäume gegen Flughafen- und Autobahnausbau, im Sommer macht sie Genmaisfelder platt.
Ganzjährig ist sie immer auf dem Sprung zum kreativen Protest gegen Atommülltransporte. Szenename: das Eichhörnchen.
Cécile Lecomte ist mehrfache französische Meisterin im Sportklettern, aber in den Bergen klettert sie schon lange nicht mehr. Sie seilt sich jetzt zum Beispiel über Bahnstrecken ab, auf denen Atommüll transportiert werden soll. Ihre Aktionen fordern Polizei und Justiz heraus, mehrmals im Jahr steht sie vor Gericht. Das jüngste Verfahren in Frankfurt a. M. bezeichnet ihr Anwalt wegen des Polizeiaufgebots und des rigiden Umgangs mit seiner Mandantin als Terroristenprozess. Ist es staatsgefährdend, fragt 'das Eichhörnchen', einen Baum zu besetzen und zu fordern, dass die Wirtschaft zum Geldverdienen endlich Wege finden muss, die die Umwelt schonen und damit auch die Menschen schützen?

DLF
Do. 09.12.  -  10:10 Uhr
Journal am Vormittag
Grüne Rendite
Mit dem Klimaschutz Geld verdienen
Am Mikrofon: Ursula Mense
Klimaschutz muss sich rechnen. Das zeigt sich nicht nur auf der Weltklimakonferenz in Cancun. Auch für viele Anleger ist der Klimawandel ein Topthema und mitentscheidend für die Wahl ihrer Geldanlage. Das Angebot an Aktien, Fonds oder Beteiligungen an Solar- oder Windparks ist groß. Wer sein Geld CO2-sparend anlegen will, braucht somit Beratung. Denn längst nicht jede Geldanlage, die nachhaltig beworben wird, ist auch nachhaltig in punkto Klimaschutz.
Außerdem soll auch bei einem Investment, das das grüne Gewissen beruhigt, die Rendite stimmen. Wie Anleger ihr Erspartes gewinnbringend investieren und das Klima schützen können, diskutiert Ursula Mense mit ihren Gästen im "Marktplatz".
Hörertel.: 00800.44644464
Hörerfax: 00800.44644465
marktplatz@dradio.de

naja, auf wessen Kosten?

DLR-K

Mo. 13.12.  -  19:30 Uhr
Zeitfragen
Brav geprügelt
Ehemalige Heimkinder fordern ihre Rechte ein

Von Barbara Zillmann
Wer in der frühen Bundesrepublik ein auffälliges Kind war, unehelich, elternlos oder dunkelhäutig, kam schnell "ins Heim". Viele der 800000 Mädchen und Jungen vermissten schmerzlich persönliche Zuwendung und Förderung. Denn in den meisten Kinderheimen, oft von den Kirchen geführt, herrschten Rohrstock und schwarze Pädagogik.
Ein demütigender Erziehungsstil setzte auf Strafe und Züchtigung, viele Zöglinge wurden zu schwerer Arbeit gezwungen, sexueller Missbrauch war keine Seltenheit. Der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages befasste sich drei Jahre lang mit der damaligen Heimerziehung und kam zu dem Schluss, dass die Aufarbeitung durch ein parlamentarisches Verfahren alleine nicht möglich ist.
Diese sollte der Anfang 2009 gegründete "Runde Tisch Heimerziehung" unter Beteiligung von ehemaligen Heimkindern, Politikern sowie Vertretern von Kirchen und Sozialverbänden leisten.
Nun legt das Gremium seinen Abschlussbericht vor. Inwieweit wird die Forderung ehemaliger Heimkinder nach Entschädigung erfüllt, geht die Aufarbeitung des Kapitels Heimerziehung weiter?

DLF
Do. 16.12.2010 · 10:10 Uhr
Ist uns denn alles Wurst?
Fleisch und Fleischprodukte

Am Mikrofon: Günter Hetzke
In vielen Restaurants prangt mittlerweile in der Speisekarte ein Sternchen bei dem Wort Schinken, ein Hinweis auf das Kleingedruckte, dass auf der Pizza oder als Beilage zum Salat eben kein Schinken verwendet wird. In der Kalbsleberwurst muss zwar inzwischen ein kleiner Anteil Kalbsleber enthalten sein, nicht so aber in der Kalbfleisch-Leberwurst. Und im Supermarkt gibt es Fleisch, das unter Schutzatmosphäre verpackt wurde und trotzdem als Frischfleisch bezeichnet wird.
Das sind nur einige Beispiele, die viele Verbraucher zunehmend verwirren, wenn es um den Fleischeinkauf geht. Warum ist die Kennzeichnung oft so undurchsichtig? Was besagt die regionale Herkunft? Welche Qualitätssiegel gibt es? Und welche Gesundheitsgefahren lauern bei der Lagerung oder der Zubereitung von Fleisch?
Über diese und weitere Fragen rund um Fleisch und Fleischprodukte diskutiert
Günter Hetzke mit Experten im heutigen "Marktplatz".

DLR-K

Do. 16.12.  -  13:07 Uhr
Länderreport
Abgänge
Wenn politisches Führungspersonal plötzlich abtritt
Von Verena Herb u.a.
Welche Wirkungen hat es auf die eigene Partei - hier die CDU - wenn in Hamburg der Erste Bürgermeister und in Hessen der Ministerpräsident überraschend zurücktreten, in Schleswig-Holstein der Parteivorsitzende vor der Zeit den Vorsitz abgibt und einen vorzeitigen Rücktritt als Ministerpräsident nicht ausschließt, in Nordrhein-Westfalen der Ministerpräsident und Parteivorsitzende nach der verlorenen Wahl alle Ämter aufgibt, der Ministerpräsident in Niedersachsen eine höhere Aufgabe wahrnimmt?

DLR-K
Mo. 20.12.2010 · 19:30 Uhr
Wenn die Menschen verschwinden
In der westdeutschen Provinz veröden ganze Landstriche
Von Adolf Stock
Die Situation in Ostdeutschland ist allgemein bekannt: Städte schrumpfen, und die Menschen verlassen den ländlichen Raum. Doch das Problem ist längst auch im Westen der Republik angekommen. Abseits der Metropolen veröden ganze Landstriche.
In den Dörfern stehen Bauernhöfe leer, Kaufmannsladen und Dorfkneipe gibt es nicht mehr, und der Pfarrer kommt nur noch selten zu Besuch. Kürzlich hat das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz vor Ort informiert. Zurzeit sind die mangelnden Arbeits- und Ausbildungsplätze das Hauptproblem, in naher Zukunft wird die fortschreitende Überalterung der Bevölkerung die Lage verschärfen.
Mehr Einsicht in die Probleme und neue Konzepte sind gefragt. Adolf Stock hat sich in Südniedersachsen und im Würzburger Hinterland umgesehen.

DLF
Di. 21.12.2010 · 19:15 Uhr
Noch zehn Sekunden
Die amerikanische Radiopionierin Elsa Knight Thompson

Von Martina Groß
Als kämpferische und umstrittene Journalistin leitete Elsa Knight Thompson vierzehn Jahre lang die Politische Redaktion von KPFA in Berkeley, dem ersten von seinen Hörern bezahlten Radiosender. Ihr Interesse galt gesellschaftlichen Außenseitern, die keine Chance hatten, in den Medien Gehör zu finden.
Sie glaubte an Dialog, Meinungsfreiheit und daran, dass es die wichtigste Aufgabe von Journalisten sei, die Hintergünde politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen auszuleuchten und die Informationen zu liefern, die die Bürger zur Wahrnehmung ihrer Rechte benötigen. So strahlte KPFA Reportagen von den McCarthy-Prozessen aus, Interviews mit den Black Panthers, Berichte über das Free Speech Movement in Berkeley, die wachsende Gegenkultur in den USA.
Die Frau mit der rauchigen Stimme war eine der ersten politischen Radiojournalistinnen. Sie sorgte mit ihren Reportagen und Interviews für heftige Erschütterungen. Sie war mit scharfem Verstand und Witz ausgestattet, galt als kompromisslos, mutig, stur und streitsüchtig. Sie wurde geliebt und gehasst, von Freunden wie Feinden. Und manchmal beides gleichzeitig.

DLR-K

Do. 23.12.  -  13:07 Uhr
Lohnt sich Widerstand?
Auf den Spuren des Bürgerprotests in Whyl und Walldorf-Mörfelden vor 30 Jahren
Von Oliver Ramme
"Es wird hier nicht gegen die Bürger sondern mit der Zustimmung der Mehrheit der Bürger gebaut ... "
Diese Worte sind fast 30 Jahre alt und stammen von dem damaligen hessischen Innenminister Ekkehard Gries. Es ist die Zeit der Proteste gegen die Startbahn West. Trotz des massiven Widerstands wird die Startbahn gebaut. Der Anführer des Widerstands von damals fragt sich noch heute: Mit wie vielen Demonstranten muss man eigentlich kommen, um ein Bauvorhaben zu stoppen?
Im badischen Whyl haben die Demonstranten nahezu gleichzeitig mehr Erfolg. Der Bau des 1400-Megawatt-Kernreaktors kann Mitte der 80er-Jahre gestoppt werden. Heute ist Whyl ein unbedeutendes Städtchen und der Graben zwischen Befürwortern und Gegnern von einst scheint sich nur langsam zu schließen.

DLF
Sa. 25.12.  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Saat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung

DLF
So. 26.12.  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Saat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung

DLF
Fr. 31.12.  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Saat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung

 

November 2010

DLF
So. 02.01.11  -  18.40 Uhr
Hintergrund
Saat und Bürger - Diagnose einer Entfremdung


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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